Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 18.12.2013

SCORPION CHILD , ASHBURY , ALTAR OF OBLIVION , AGE OF TAURUS , BEELZEFUZZ , YEAR OF THE GOAT , BELOW , ORCHID , WHEEL , JEX THOTH , WHILE HEAVEN WEPT , PROCESSION - Hammer Of Doom VIII: Würzburg, Posthalle

Was für ein Billing: Das achte Hammer-Of-Doom-Festival war nicht nur wieder mal für Liebhaber des betont langsamen Heavy-Metal-Sounds ein gefundenes Fressen, sondern lockte auch zahlreiche Vintage-Rock-Fans nach Unterfranken, darunter jede Menge heiße Bienen (wie Machos schreiben würden). Wundern muss man sich über diese Mischung nicht: Gute Musik ist nun mal gute Musik, und Koalitionen machen manchmal durchaus Sinn.

Freitag

Pünktlichst legen SCORPION CHILD um 18 Uhr los - vor einer spärlich gefüllten Halle, der große Rest hängt leider noch draußen beim Einlass fest und stößt erst nach und nach zur Reise zurück in die wilden Siebziger. Mehr retro als dieses Quintett aus dem texanischen Austin, das musikalisch Led Zeppelin huldigt und braune Schlaghosen, beige Hemden sowie einen waschechten Afro aufträgt, geht wohl kaum. An Energie und Dynamik mangelt es nicht, obwohl Sänger Aryn Jonathan Black nicht zu hundert Prozent fit ist, wie er am Ende des Sets verkündet, und seine Stimme etwas angeschlagen klingt. Seinen Sex-Appeal lässt er im Tanz mit dem Mikro-Ständer trotzdem spielen. Ein optimaler Start in den Abend, der Lust auf mehr macht. (kp)

Die Siebziger-Band der Stunde heißt BLUES PILLS und wird momentan überall - auch hier in Würzburg - abgefeiert. Kein Wunder: Die optisch wie „frühe Diamond Head mit Sängerin“ rüberkommende Band ist so wahnsinnig talentiert, dass der große Durchbruch vorprogrammiert ist. Schon alleine der 18-jährige Supergitarrist Dorian Sorriaux, den viele bereits mit Uli Jon Roth vergleichen, ist die halbe Miete. Und Sängerin Elin Larsson ist quasi „Janis Joplin in hübsch“. Was soll da schiefgehen? Beim HOD sind Blues Pills aus dem schwedischen Örebro, das hört man auch am nächsten Tag immer wieder, mit ihrem verspielten, filigranen Hippie-Rock die Überraschung des Festivals. (gk)

Nach diesen beiden grandiosen Auftritten wachsen auch für einen Senkrechtstarter wie ORCHID die Bäume nicht mehr in den Himmel. Zwar freut sich der San-Francisco-Vierer über den größten Zuschauerzuspruch des gesamten Wochenendes, aber ein ähnlich euphorisches Stimmungslevel wie zuvor Ashbury können Sänger Theo Mindell und seine drei Sidekicks dem Publikum nicht mehr entlocken. Auch wenn das Quartett gewohnt tight und dynamisch überzeugend agiert sowie mit exzellenten Songs wie ´Capricorn´, ´Black Funeral´ oder ´He Who Walks Alone´ eigentlich alles aufbietet, um den ersten Tag mit einem furiosen Finale zu beschließen, wirkt man ein klein wenig übermüdet und überspielt. Man wird das Gefühl nicht los, Orchid schon fesselnder erlebt zu haben. (ah)

Samstag

Ein frühes Aufstehen am zweiten Tag lohnt sich, denn mit WHEEL ist ein starker Opener am Start. Zwar sind die Dortmunder weitgehend unbekannt, im Laufe ihres 45-minütigen Auftritts erspielt man sich aber viele Sympathien. Nicht nur, dass man mit seinen eigenständigen und emotionalen Nummern (Höhepunkte: ´Icarus´ und ´The Mills Of God´) punkten kann, diese Truppe hat enormes Potenzial. Wichtiges Mosaiksteinchen ist dabei Frontmann Arkadius Kurek. Zwar wirkt er optisch, als ob er mehr Zeit in der Muckibude als im Proberaum verbringt, aber seine variable Stimme veredelt die Songs perfekt. Er sollte lediglich noch an seiner Ansagetechnik feilen („Die nächste Nummer heißt...“). (wk)

Obwohl noch ohne „echte“ Veröffentlichung (es gibt bislang nur eine Split-7“), haben BELOW aus Schweden das Publikum bereits nach dem ersten gespielten Song im Sack. Ihr extrem eingängiger, deutlich Power-Metal-inspirierter Sound (eine gekonnte Mischung aus Memory Garden, Candlemass und Solitude Aeturnus) kann den Geschmack der anwesenden Doom-Maniacs nicht besser treffen. Natürlich hat man das meiste schon mal gehört, aber Sänger Zeb hat eine tolle Stimme und ein ziemlich professionelles Stageacting, mit ´Ghost Of A Shepherd´ und ´Buried Alive´ hat man zwei veritable Hymnen am Start, die beiden Gitarristen grooven ordentlich, und man macht ganz sicher nichts falsch, wenn man sich auf das im März erscheinende Debüt freut. (mk)

Nach der amtlichen Below-Show fällt es den etwas an Candlemass/Cathedral erinnernden AGE OF TAURUS nicht schwer, noch einen draufzusetzen. Dies liegt am wuchtigen und groovigen Riffing, dem mächtigen Energielevel sowie der positiv-charismatischen Ausstrahlung des Quartetts aus London. Die große Bühnenpräsenz (inklusive großer Bärte & Bäuche) der Briten und der kraftvolle Gesang von Toby Wright ziehen die Zuschauer schnell in ihren Bann. Wir erfahren, dass die dauergrinsende Bass-Brillenschlange Richard Bruce Schotte ist und in ´The Bull And The Bear´ alte Dämonen kämpfen. Mit dem dreckigsten Gitarrensound des Festivals begeistern die Songs ´Sinking City´ sowie ´Desperate Souls Of Tortured Times´ heute am meisten. (mw)

Am Anfang liegt der Frontmann von ALTAR OF OBLIVION stimmlich doch deutlich neben der Spur, und auch wenn die Dänen bereits zwei (gute) Alben auf der Habenseite verbuchen können und Sänger Mik Mentor seine Stimmbänder im Laufe des Auftritts besser in den Griff bekommt, springt der Funke nie so richtig auf die versammelte Meute über. Einzig der Rausschmeißer ´The Final Pledge´ sowie das epische ´Salvation´ setzen musikalisch Akzente, dazwischen gibt es nette Genrekost mit melodischen Refrains sowie einem sympathisch-bemühten Auftreten aller Musiker. Doch irgendwas fehlt in dieser knappen Dreiviertelstunde, um ein „Echt gut!“ in den Block zu kritzeln. (mk)

BEELZEFUZZ sind nur ein Trio? Unglaublich! Ihr Sound ist so dicht und massiv, dass man mit geschlossenen Augen eher ein Quintett vermutet - und doch so eingängig, dass viele, die heute zum ersten Mal mit der Band aus Maryland in Berührung kommen, auf Anhieb beeindruckt sind und sofort nach dem Gig am Merchandise-Stand die Debüt-CD erstehen. Der Gitarre spielende Sänger Ortt (er kann beides hervorragend) erinnert ein bisschen an Uriah Heeps David Byron, und das Lucifer´s-Friend-Cover ´Ride In The Sky´ beweist zumindest vollendeten Geschmack, auch wenn Beelzefuzz ihre Eigenkompositionen live etwas besser hinkriegen. Es tut echt gut, zur Abwechslung mal ´ne Retro-Combo zu hören, die NICHT nach Black Sabbath (sondern nach Uriah Heep) klingt. Nur bewegen darf sich das Trio auf der Bühne ruhig ein bisschen mehr. (gk)

Hatten Beelzefuzz noch Probleme, die große Bühne mit Präsenz zu füllen, wird´s jetzt richtig eng. Mit zwei zusätzlichen Background-Mönchen mutieren YEAR OF THE GOAT zum Oktett, und auch die drei Gitarren und das Mellotron wollen erst mal untergebracht werden. Götz freut sich bereits nach wenigen Sekunden des Openers ´Angels´ Necropolis´ über den authentischsten „Rainbow-´Rising´-Gitarrensound“ seit Äonen von Leadgitarrist Per Broddesson, obwohl jener anstelle einer Fender Strat mit einer Flying V unterwegs ist und seinen eigenen Amp nicht dabeihat. Macht aber nix, denn zum einen klingt es tatsächlich nach Blackmore, und zum anderen agiert der Rest der Band punktgenau. Sänger Thomas Sabbathi beweist einmal mehr, dass er nicht nur mit einer hervorragenden Stimme gesegnet ist, sondern auch das Gitarrespielen exzellent beherrscht. Geil! (ah)

Die chilenisch-schwedische Zusammenrottung PROCESSION wird live immer besser, das aktuelle Line-up mit u.a. In-Solitude-Drummer Uno Bruniusson (was für ein Punch bei supersolider Technik!) holt zweifelsohne das Beste aus den stets stimmig arrangierten Epic-Doom-Hymnen raus. Frontmann und Bandkopf Felipe Plaza mimt in den Ansagen gerne mal den Metal-Asi, ist aber viel zu sympathisch, um richtig böse zu wirken, und erinnert in seinem immer durchscheinenden Humor durchaus an Mikael Åkerfeldt. Jede Bandphase hat ihre Vorzüge, die vermehrt auftretenden melodischen Widerhaken ihres aktuellen Materials (´To Reap Heavens Apart´, ´Death And Judgement´) sind der On-stage-Situation aber am zuträglichsten. Hätte man sich gerne länger angeguckt als eine knappe Stunde! (bk)

Große Worte um sich und ihre Musik mag JEX THOTH-Frontfrau Jex, geborene Jessica Toth, ja nicht machen. Interviews gibt sie höchst selten, und auch sonst zeigen sich die US-Psychedelic-Rocker in diesen hysterischen 140-Zeichen-Zwitscher-Zeiten äußerst geheimnisvoll-verschwiegen. Umso ausdrucksstärker präsentiert sich Jex Thoth auf der Bühne. Sie ist selbstbewusst geworden über die Jahre, weiß ihre Stimme gekonnt einzusetzen und den Auftritt mit theatralischen Gesten anzureichern. Auf Ansagen wird (selbstverständlich) verzichtet - hier sprechen die Musik und das Gefühl für sich. Nicht nur beim famosen ´Separated At Birth´ vom Debüt frisst ihr das Publikum während dieser mystisch-intensiven Stunde aus der Hand. (kp)

Das HOD ist ein gutes Pflaster für WHILE HEAVEN WEPT - und die Posthalle somit der perfekte Ort, um das 25-jährige Jubiläum der Truppe zu feiern. Der Zauber stellt sich zwar erst im zweiten Teil des Sets so richtig ein, dann aber gibt es Gänsehaut ohne Ende. Erwartungsgemäß bietet das Sextett einen gelungenen Querschnitt durch alle Schaffensphasen, und wenn Basser Jim Hunter vor der Zugabe sagt, dass es heute seine Lieblingsshow der Bandkarriere ist, glaubt das jeder sofort. Einmal mehr demonstriert man, dass Nummern wie ´Voice In The Wind´ und ´Vessel´ die reinste musikalische Wellness sind. Egal, welche Schicksalsschläge einen in der letzten Zeit ereilt haben mögen: Wer die Halle nach zwei Stunden verlässt, fühlt sich besser. Danke! (wk)

Auf dem HOD rockten in Zeitlupe: Boris Kaiser (bk), Katharina Pfeifle (kp), Andreas Himmelstein (ah), Wolfram Küper (wk), Markus Wiesmüller (mw), Michael Kohsiek (mk) und Götz Kühnemund (gk). Die Fotos schoss ganz langsam: Saskia Gaulke

Bands:
BEELZEFUZZ
WHEEL
AGE OF TAURUS
JEX THOTH
ORCHID
WHILE HEAVEN WEPT
YEAR OF THE GOAT
SCORPION CHILD
ASHBURY
BELOW
ALTAR OF OBLIVION
PROCESSION
Autor:
Wolfram Küper
Katharina Pfeifle
Boris Kaiser
Michael Kohsiek
Markus Wiesmüller
Götz Kühnemund
Andreas Himmelstein

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