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News 26.03.2021, 14:15

Grosse Freiheit 36 und Docks: Stellungnahme veröffentlicht

Die Hamburger Clubs Grosse Freiheit 36 und Docks haben ein Statement herausgegeben, nachdem ihnen zahlreiche Konzertveranstalter und die Plattenfirma Audiolith Records vorwarfen, demokratiefeindlichem Gedankengut ein Forum geboten zu haben.

Audiolith Records zufolge sind die beiden Clubs "schon seit Beginn der Pandemie komplett auf Schwurbler-Kurs. Die Wände der beiden Clubs wirken seit einem Jahr wie ein Sammelsurium von wahnhaften Verschwörungstheorien rund um das Virus, welches zig tausend Menschen alleine hier zu Lande das Leben kostet und vor allem bei den 'Risikogruppen' dazu führt, dass sie seit einem Jahr abgeschottet und in Angst leben müssen."

Nun äußern sich die Club-Betreiber in folgendem Statement:

"Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst."

Voltaire (1694-1778)

Hamburg, das Tor zur Welt, Stadt der Vielfalt und Toleranz. Die Meinungspluralität ist ein Gut, das die Stärke unserer Stadt und der gesamten Demokratie ausmacht. Wir vom DOCKS und der Grossen Freiheit 36 werden dieses Gut immer verteidigen. Wir beteiligen uns nicht daran, Meinungen zu unterdrücken oder zu bekämpfen. Wir stehen in unserer großartigen Stadt gegen Uniformismus und Singularität. Wir hoffen, dass sich eine Politik der Unterdrückung von Ansichten in unserer Stadt niemals durchsetzen wird.

Wir sind in den Fokus geraten, weil wir Meinungen an unseren Fassaden eine Plattform geboten haben, ob wir diese nun teilen oder nicht. Diese Meinungen wenden sich gegen die politischen Maßnahmen in der Corona-Politik. Das Thema Corona und der Umgang damit, wird innerhalb der Belegschaft und auch der Eigentümer kritisch diskutiert. Nicht jeder Einzelne, auch innerhalb unseres Teams ist mit jeder Veröffentlichung einverstanden. Wir sind uns aber alle einig, dass man die Meinung des Anderen tolerieren muss.

Vielleicht waren nicht immer alle Plakate ausgewogen, angemessen oder allgemeingültig. Vielleicht waren

die Plakate teilweise einseitig. Vielleicht hat ein Autor in einem anderen Kontext Äußerungen getätigt, die mit unserer Auffassung, den Auffassungen unserer Besucher oder Auffassungen unserer Geschäftspartner nicht vereinbar sind. Vielleicht kann man eine Quelle als 'rechtspopulistisch' oder 'verschwörerisch' ansehen, weil dort auch solche Inhalte möglicherweise veröffentlicht wurden.

Selbstverständlich distanzieren wir uns von Rassismus, Nationalismus, Faschismus, Extremismus und Gewalt.

Alle Plakate waren von der Meinungsfreiheit gedeckt, nicht nur die 'harmloseren Parts'. Die veröffentlichten Plakate sind größtenteils Meinungswiedergaben von Dritten. Meinungen, die sich gegen die Corona-Politik wenden, können per se nicht 'demokratiefeindlich' sein, denn Demokratie steht für das Recht, jegliche Meinung äußern zu dürfen, solange diese nicht gesetzlich verboten ist. Es ist demokratiefeindlich, diese Meinungen zu unterdrücken oder sogar zu bekämpfen. Gegen das Unterdrücken und Bekämpfen von Meinungen stehen wir ein. Wir bieten ein Forum für Meinungen, die sonst keinen Platz mehr bekommen. Dies war und ist im Wesentlichen unser Antrieb.

Wir werden die Wände nicht abbauen. Wir werden die Wände weiterhin als Plattform benutzen, um die Meinungspluralität unserer liberalen Gesellschaft zu erhalten. Wir werden aber nunmehr als deutliches Zeichen dafür, dass wir für Toleranz, Meinungspluralität und friedlichen Diskurs stehen, die Wände für die Meinungen von Maßnahmenbefürwortern und Maßnahmenkritikern öffnen. Jeder zweite Rahmen steht für Veröffentlichungen, die von Maßnahmenbefürwortern an uns herangetragen werden, zur Verfügung. Jeder darf bei uns entsprechende Vorschläge machen und wir sind gerne bereit, diese zu veröffentlichen. Wir wünschen uns einen Diskurs zwischen den scheinbar unvereinbaren Meinungen, der von respektvollem Umgang und Sachlichkeit geprägt ist. Durch die Darstellung beider Seiten des Diskurses, wird unser eigentliches Ansinnen stärker deutlich.

Unsere Branche sollte in diesen schwierigen Zeiten zusammenstehen. Unabhängig davon, ob man die Corona Maßnahmen für sinnvoll oder sinnlos hält, wir alle leiden unter den Maßnahmen, wenn auch unterschiedlich stark. Eine solche Phase sollte geprägt sein von Verständnis und Unterstützung. Meinungsunterschiede sollten in diesen schweren Zeiten nicht mit schädigenden Handlungen einhergehen. Das Auseinandersetzen mit divergierenden Meinungen führt zu einem Erkenntnisgewinn, der auch unsere Wissenschaft treibt, aber auch Antrieb für Kreativität und Innovation ist.

Wir wünschen uns, möglichst bald, der verbindenden Kraft der Live-Kultur wieder eine Bühne bieten zu können und uns mit unseren Institutionen nicht nur auf unser Einstehen für Meinungsvielfalt beschränken zu müssen. Auch für die, die uns für die Veröffentlichungen stark kritisieren oder kritisiert haben, stehen unsere Clubs und unsere Herzen immer offen und wir werden immer bereit sein, vergangenes zu vergeben. Unsere Clubs stehen auch weiterhin jedem Künstler offen, der für Toleranz, Sorgsamkeit und Vielfalt einsteht.

Gründer und Betreiber von Docks und Grosse Freiheit 36"

Autor:
Alexandra Michels

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