Kolumne

Kolumne 28.08.2019, 08:00

Grave Thoughts - Die Krachkolumne

Sucht man bei YouTube nach Vapaudenristi, stößt man auf ein Video mit dem Titel „Vapaudenristi – Mun Maa/Veriuhri“. Zu sehen ist eine dreiköpfige Band in einer Art Proberaum. Auf der Bassdrum klebt ein Hakenkreuz-Aufkleber, und während das Trio seinen primitiven Rock spielt, reckt ein Zuhörer den Arm zum Hitlergruß.

Der Sänger und Gitarrist trägt einen braunen Kapuzenpulli der NSBM-Band Der Stürmer. Sein Name ist Mikko Aspa, bekannt auch von seinem Black-Metal-Soloprojekt Clandestine Blaze. Außerdem veröffentlicht er über sein Label Northern Heritage unter anderem die schwer angesagten Mgla. Die wiederum haben Aspa auch schon als Gastsänger auf die Bühne geholt, um mit ihm Clandestine-Blaze-Songs zu performen (siehe YouTube). Ist Aspa ein Nazi? Einiges spricht dafür, um es vorsichtig auszudrücken. Warum akzeptieren wir, dass in den letzten Jahren die Abgrenzung im extremen Metal gegen rechte Gestalten wieder schwächer wird? Warum können Mgla, eine Band, deren Mitglieder, wie es scheint, keine Berührungsängste mit Nazis haben, auf großen Festivals spielen? Hat das mit der zunehmenden Akzeptanz rechtsradikaler Einstellungen zu tun, die man auch in der Gesellschaft insgesamt beobachten kann? Steckt dahinter die irrige Annahme, dass das schon alles nicht so ernst gemeint sein wird? Fest steht, dass vor allem der Black Metal schon immer anfällig war für totalitäre und faschistoide Ideologien. Doch spätestens jetzt, da es in Deutschland wieder eine ganz konkrete Gefahr von rechts gibt, sollte die Metalszene besonders genau hinschauen, wem man ein Forum bietet und wem nicht. Mag sein, dass es früher nötig war, Grenzen des guten Geschmacks und der politischen Korrektheit zu überschreiten, um das sogenannte Establishment zu schocken und sich neue Freiheiten zu erkämpfen. Metal steht für eine liberale Gesellschaft und fordert seit jeher individuelle Freiheit ein. Den Feinden einer solchen Gesellschaftsordnung – und deren Sympathisanten – den roten Teppich auszurollen, ist damit nicht vereinbar.

Autor:
Sebastian Schilling

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