Krach von der Basis

Krach von der Basis 18.03.2020, 08:15

Grave Thoughts: Die Krachkolumne 04/20

Aktuell spielen Behemoth als Vorband von Slipknot. Das ist aus Sicht der Polen nur folgerichtig. Nergal und seine beiden Sidekicks stehen an der Schwelle zum ganz großen Erfolg.

Das haben sie sich durch harte und fokussierte Arbeit verdient. Sie haben ihr Konzept immer weiter verfeinert und im Prinzip alles erreicht, was man als Extrem-Metal-Act erreichen kann. Nun wollen sie den nächsten Schritt machen und sich einem neuen, größeren Publikum stellen. Doch im Vorprogramm der amerikanischen Megastars werden zwei Dinge deutlich. Erstens: Die Show, die in Clubs funktioniert, verpufft geradezu in der großen Halle. Die Kostüme sind aus 50 Metern Entfernung kaum noch zu erkennen, und außer bedeutungsschwangerem Fackelschwenken passiert eigentlich nicht viel. Zweitens: Behemoth fehlen eingängige Songs, deren Struktur man schnell erfassen kann und die mit ihren Refrains mitreißen. Das ist genau bei zwei Stücken der Fall: ´Blow Your Trumpets Gabriel´ und ´Ora Pro Nobis Lucifer´. Der Rest ist zu sehr auf Atmosphäre getrimmt, die allerdings nicht wirkt, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Man könnte jetzt sagen, dass diese Art von Musik nun mal nicht für die große Bühne und das große Publikum gemacht ist. Aber damit würde man es sich zu einfach machen. Denn Songs zu schreiben, die wirklich hängen bleiben, ist immer noch die größte Kunst. Trotzdem muss man es Behemoth anrechnen, dass sie sich dieser Herausforderung gestellt haben. Man darf gespannt sein, ob sich diese Tour im Songwriting des nächsten Albums widerspiegeln wird.

Autor:
Sebastian Schilling

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos