Krach von der Basis

Krach von der Basis 21.10.2020, 08:15

Grave Thoughts: Die Krachkolumne

Vor Kurzem begann der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Terroristen, die 2015 die Redaktion des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ stürmten und zwölf Mitarbeiter erschossen.

Da die Attentäter während des Anschlags „Wir haben den Propheten gerächt!“ riefen, darf man wohl annehmen, dass sie an der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen Anstoß genommen hatten. Der letzte Black-Metaller, der Probleme wegen seiner Agitation gegen das Christentum bekommen hatte, dürfte Behemoth-Sänger Nergal gewesen sein. Der musste sich 2010 wegen der Verletzung religiöser Gefühle vor Gericht verantworten, weil er bei einem Konzert eine Bibel zerrissen hatte. Doch selbst im erzkatholischen Polen konnte der Richter nicht erkennen, dass durch Nergals Aktion religiöse Gefühle verletzt worden sind. Auch die skandinavischen Black-Metaller bekamen es erst mit der Obrigkeit zu tun, als sie Kirchen niederbrannten und Menschen umbrachten – also wegen ganz weltlicher Vergehen. Ihre Hetze gegen Gott und Kirche dürfte ihnen hingegen hier und da ein paar böse Blicke und die eine oder andere Konzertabsage in einem Jugendzentrum eingebracht haben. Nicht viel Stoff für Heldengeschichten. Dennoch wird diese Zeit immer noch von manchem verklärt. Sicher kann man das Gebaren von geschminkten und Dekowaffen schwingenden Norwegern in einem bestimmten Alter für „gefährlich“ halten. Tatsächlich hat der Black Metal aber nur die Freiheiten genutzt, die andere schon vorher erkämpft hatten. Seit Bismarck sind in Deutschland Staat und Kirche getrennt, und seit den späten sechziger Jahren geht auch der gesellschaftliche Einfluss der Konfessionen stetig zurück. Gott zu verdammen und dem Teufel zu huldigen, ist in den westlichen Gesellschaften schon seit Jahrzehnten etwa so gefährlich, wie samstags die Straße nicht zu kehren. In zu vielen Ländern dieser Erde ist das aber nicht so. Wer den Kampf gegen die Religion ernsthaft aufnehmen wollte, würde genügend Gegner finden. Dann bekäme er es allerdings mit Leuten zu tun, die im Zweifel mit dem Sturmgewehr vor der Tür stehen.

Autor:
Sebastian Schilling

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