Krach von der Basis

Krach von der Basis 18.11.2020, 09:38

Grave Thoughts: Die Krachkolumne 12/20

Wenn irgendwo jemandem die Sicherungen durchbrennen, stellt sich im Nachhinein immer mal wieder heraus, dass derjenige Metal-Fan ist. Gut, gefühlt noch öfter handelt es sich um Gamer, aber bei zwei Beispielen aus den letzten Monaten waren es offenkundig Freunde der härteren musikalischen Gangart.

Die Rede ist von Yves R., der von der Presse unter anderem „Waldläufer“ genannt wurde, und einem der Typen, der mit anderen geplant hatte, die Gouverneurin des US-Bundestaates Michigan zu entführen. Von dem Waffennarren R., der ein paar Tage lang in Rambo-Manier im Wald abgetaucht war, existiert ein Foto, auf dem er ein Ensiferum-Shirt trägt. Von einem der amerikanischen Verschwörer wurde ein Bild veröffentlicht, auf dem er ein Hate-Eternal-Shirt trägt. Warum haben solche Menschen eigentlich nie beispielsweise Ed-Sheeran-Shirts an? Aber Spaß beiseite: Ausgerechnet Hate Eternal… Das hat Erik Rutan, einer der nettesten und positivsten Death-Metaller, die man sich vorstellen kann, nicht verdient. Leider kann man sich seine Fans eben nicht aussuchen, und fest steht auch: Metal – besonders in seinen extremen Ausprägungen – ist Außenseiter-Musik. Spielte man völlig Unbedarften Hate Eternal vor, würden sie sicher sofort glauben, dass Leute, die so was hören, auch Entführungen planen. Ebenfalls klar ist, dass Black- und Death Metal viel Stoff bereithalten, mit dem sich Wirrköpfe weiter radikalisieren können. Die gute Nachricht hingegen: Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Cannibal-Corpse-Hörer nicht automatisch Serienmörder werden, sodass nicht mal mehr Boulevardmedien dieses Fass aufmachen. Bei Christa Jenal reicht es auch nur noch für den einen oder anderen müden Leserbrief, wenn die Band in ihrer Nähe auftritt. Vermutlich ist sie angesichts des Erfolgs von Deutschrap und seiner Inhalte, die allabendlich in deutschen Großstädten tatsächlich vorgelebt werden, längst (und in diesem Fall zu Recht) vom Glauben abgefallen. Aber das muss uns alles eigentlich gar nicht kümmern. Wir legen jetzt lieber mal ´ne Runde Hate Eternal auf, lassen uns schön die Gehörgänge durchpusten und bleiben dabei ganz cool. Fuck the world!

Autor:
Sebastian Schilling

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