Krach von der Basis

Krach von der Basis 27.04.2022, 08:00

Grave Thoughts: Die Krachkolumne 05/22

Dass Rammstein die Veröffentlichung ihrer neuen Platte aufgrund von Papiermangel verschieben mussten, mag eine geschickt platzierte PR-Geschichte gewesen sein. Völlig unrealistisch erscheint es jedoch nicht, denn Papier ist schon seit Längerem schwer gefragt. Die Preiserhöhung trifft auch Zeitungen und Magazine, Vinyl-Fans bemerken die Folgen gestörter Lieferketten und steigender Rohstoffkosten.

Während Bands und Labels mittlerweile bis zu einem Jahr warten müssen, ehe die Langrille endlich gepresst wird, haben Hörer:innen saftige Preisaufschläge in Kauf zu nehmen. Dabei ist die Pandemie noch gar nicht vorbei; nach wie vor steigt die Inzidenz, und ob der Sommer so unbeschwert wird, wie wir alle hoffen, steht in den Sternen. Obendrein herrscht nun Krieg in Europa, und obwohl einem solche Überlegungen im Moment wie schäbiges First-World-Geflenne vorkommen, wird Russlands Überfall auf die Ukraine mittelfristig auch die Musik treffen. Hohe Energiekosten treiben die Ticketpreise weiter in die Höhe. Wie sich das Ganze auf den Flugverkehr auswirkt, ist noch nicht absehbar. Sogar die Hersteller von Gitarrenverstärkern sind betroffen und müssen einstweilen auf Röhren aus Russland verzichten. Das ist natürlich nur eine Randnotiz, aber auch ein Beispiel dafür, wie vieles mit vielem zusammenhängt. Angesichts dessen und der generellen Teuerung in fast allen Bereichen stellt sich die Frage, ob die Szene nun auch noch damit kämpfen muss, dass sich manche den ganzen Spaß gar nicht mehr leisten können. Fest steht jedenfalls: Aus dem Gröbsten sind wir noch nicht raus.

Autor:
Sebastian Schilling

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