Krach von der Basis

Krach von der Basis 17.04.2019, 08:00

Grave Thoughts: die Krach-Kolumne

Vor kurzem war eine im Underground sehr geschätzte Death-Metal-Band in einer mittelgroßen deutschen Stadt zu Gast. Die amerikanische Band war zusammen mit zwei anderen Gruppen auf Tour. Eigentlich ein abendfüllendes Programm und angesichts der musikalischen Intensität auch völlig ausreichend.

Leider war der Veranstalter auf die Idee gekommen, zusätzlich noch zwei mehr oder weniger lokale Vorbands spielen zu lassen. Eine gute Idee? Nein. Die Gründe mögen ehrenwert sein. Dem Zuschauer will man für die 23 Euro Eintritt mehr bieten und den Support-Bands eine Chance geben, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Leider funktionierte es für alle Beteiligten nicht. Denn eine der Vorbands war höchstens Kreisklasse, und man war froh, als der Gig endlich zu Ende war. Die zweite Supportband hat stilistisch nicht wirklich zu den anderen Acts gepasst und hatte damit zu kämpfen, dass der Mischer einfach keinen guten Sound hinbekam. Zu allem Übel hatten sich auch nur geschätzte 150 Leute in die relativ große Halle verirrt, was für die Vorbands bedeutete: Außer den Buddies war niemand in Bühnennähe. Für die Zuschauer verlängerte sich der Abend, und zwei Bands vorgesetzt zu bekommen, wegen denen man gar nicht gekommen ist, dürften die wenigsten als Gewinn wahrgenommen haben. Zusätzlich entsteht den Tour-Bands Konkurrenz, was den bitter nötigen Merch-Verkauf angeht, und zu guter Letzt treffen sie, wenn sie selbst endlich auf die Bühne dürfen, auf ein Publikum, das aufgrund der vorangegangenen anderthalb Stunden Geballer schon leichte Verschleißerscheinungen aufweist. Eine Lose-Lose-Lose-Situation also. Mehr Bands bedeuten nicht automatisch einen Mehrwert. Das sollten Veranstalter, aber auch die Fans lernen. Und Letztere müssen sich damit arrangieren, dass heute eben auch schon kleinere Gigs 20 Euro und mehr kosten. Und die 23 Euro aus diesem Beispiel waren für die Top-Performance der drei Tour-Bands auch keinesfalls zu viel verlangt.

Autor:
Sebastian Schilling

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