Interview


Pic: Franz Schepers

Interview 19.12.2018, 11:47

GOTTHARD - Was reimt sich auf Monroe?

21 Jahre nach ihrer ersten Unplugged-Scheibe „D-Frosted“ bringen GOTTHARD kurz vor Weihnachten den quasi-Nachfolger „Defrosted 2“ in die Läden. Grund genug, Sänger Nic Maeder und Gitarrist Leo Leoni in Köln zu treffen und mit ihnen über Wein, Bier und Gesang zu reden.

Leo, Nic, ihr habt jetzt „Defrosted 2“ rausgebracht, eure zweite Akustikplatte. Wann kam euch die Idee, einen Nachfolger zu „D-Frosted“ zu machen?

Leo: »Erste Überlegungen gab es dafür schon 2005, konkreter wurden die Pläne dann 2010, aber als Steve (Lee, ehemaliger Sänger, starb 2010 bei einem Motorradunfall in den USA, mbl) nicht mehr aus dem Urlaub zurückkehrte, legten wir die Pläne auf Eis. Nach drei Alben mit Nic fanden wir nun, dass es an der Zeit sei, die Idee wieder aufzugreifen.«

Nach welchen Kriterien habt ihr die Songs auf der Platte ausgewählt?

Leo: »Wir wollten ein Potpourri aus Liedern unserer ganzen Karriere zusammenstellen. Es sollte eine Art Best Of werden, aber wir haben auch ein paar Nummern ausgewählt, die wir noch nicht so häufig live gespielt haben.«

Mich hat es gewundert, dass ihr auch einige Songs nochmal aufgenommen habt, die bereits auf „D-Frosted“ vertreten waren.

Nic: »Das liegt daran, dass wir ursprünglich nicht geplant hatten, ein Doppelalbum zu machen, sondern ein Zusammenschnitt mit Songs, die es bis jetzt noch nicht als Akustik-Version gab. Im Laufe des Prozesses stellte sich aber heraus, dass es viel sinnvoller ist, die komplette Show zu veröffentlichen. Die Songs auf der Platte war unsere Setlist auf der Tour, und es sind eben Nummern, die die Fans hören wollen.«

Ihr habt für das Album alle Gigs der „Defrosted“-Tour Anfang des Jahres aufgezeichnet. Sind auf der Platte verschiedene Konzerte zu hören?

Leo: »Auch wenn wir das zuerst ins Auge gefasst hatten, haben wir uns doch dagegen entschieden und ein einzelnes Konzert genommen. Das Konzert im Schlachthof in Bremen war eines der kleinsten Gigs der Tour, aber es hatte die richtige Magie.«

Nic: »Vielleicht hat deshalb alles so gut funktioniert. Es war ein sehr entspanntes Konzert in einem kleinen Rahmen. Viele Leute fragen uns, warum wir nicht die Aufnahmen aus München oder Zürich verwendet haben. Das waren auch tolle Konzerte, aber dieses passte einfach am Besten zu dem Vibe, den wir der Platte geben wollten.«

Zu so einer Unplugged-Scheibe gehört natürlich auch, dass ihr die Songs neu arrangiert. Wie seid ihr da herangegangen? Einige Titel, wie zum Beispiel 'Miss Me', sind recht nah an der Originalaufnahme, einige andere habt ihr ziemlich verändert.

Nic: »'Miss Me' ist, glaube ich, tatsächlich der Track, der dem Original am ähnlichsten ist. Generell wollten wir nicht einfach nur akustische Gitarren statt E-Gitarren nehmen, sondern eine andere Perspektive auf die Titel eröffnen. 'Beautiful' wurde zum Beispiel von einem Rocksong zu einer fast schon jazzigen Ballade. In dieser Besetzung haben wir natürlich auch ganz andere Möglichkeiten, weshalb wir viel mit Gesangsharmonien, Streichern und auch den Percussions gearbeitet haben.«

Leo: »Dadurch hatten wir auch die Möglichkeit, andere Aspekte der Songs zu betonen. 'Heaven' zum Beispiel haben wir viel reduzierter arrangiert, um den Lyrics mehr Raum zu geben, oder bei 'Tequila Symphony No. 5' haben wir mit einigen Beethoven-Zitaten gespielt.«

Neben der Konzertaufnahme habt ihr auch zwei neue Stücke auf der Platte, einer davon ist 'Bye Bye Caroline' mit Francis Rossi von Status Quo.

Nic: »Genau. Wir sind auf der Rock-meets-Classic-Tour gut einen Monat zusammen unterwegs gewesen und haben dort gejammt. Leo hat sich dann ein Herz gefasst und meinte zu ihm, dass wir einen Song zusammen machen sollten (lacht). Francis war zuerst etwas skeptisch, aber am nächsten Tag kam er mit seiner Gitarre in unsere Garderobe und zeigte uns einige seiner Ideen. Leo und er spielten dann mit den Ideen herum und ich kam dann etwas später dazu. Der Song ist sehr natürlich entstanden.«

Leo: »Als wir dann wieder zu Hause waren, haben wir die Backing Tracks aufgenommen, ihm diese zugeschickt und dann sind wir nach London gefahren, um seine Spuren einzuspielen und den Song fertigzustellen.«

Das Video zu dem Track habt ihr auch in London gedreht, oder? Das sah nach einer ganz Menge Spaß aus.

Nic: »Das war es auch! Wir haben in Francis' Haus gedreht. Er ist ein sehr lustiger Typ, wir haben die ganze Zeit gelacht! Er ist in der Beziehung ein Clown, man muss nur die Kamera draufhalten und du bekommst etwas.«

In einem Video auf eurer Facebook-Seite erzählt er auch, dass er dich wegen deines australischen Akzentes auf die Schippe genommen hat.

Nic: »Nicht so sehr wegen des Akzentes, sondern weil ich im Refrain den Namen „Van Gogh“ so ausgesprochen habe, dass er sich auf „Monroe“ reimt. (lacht)«

Leo: »In der Schweiz haben wir sowieso den Grundsatz, dass man immer die Sprache oder Aussprache nutzt, die einem am Besten in den Kram passt. (lacht)«

Ich dachte, dass man den Namen in Australien einfach so ausspricht.

Nic: »Wir nutzten beide Aussprachen. Es musste sich halt auf Marilyn Monroe reimen! (lacht)«

Der zweite neue Song auf der Platte ist die Ballade 'What I Wouldn‘t Give', zu dem ihr auch ein schönes Video gedreht habt. Kommt das Konzept von euch selbst?

Leo: »Das Konzept haben Regisseur Ronnie Romero (singt auch u.a. bei Rainbow und Leos Zweitband Coreleoni, mab) und ich gemeinsam erarbeitet. Im Song wie im Video geht es ja um zwei Menschen, die sich von Kindesbeinen an mögen, bei denen es aber nie so richtig zu einer Beziehung kommt. Diese Geschichte wollten wir in dem Video zeigen, und ich glaube, dass es ein einfaches, aber effektives und schönes Video geworden ist.«

Zusammen mit dem Album habt ihr auch ein Bier auf den Markt gebracht, das „Defrosted Ale“. Wer ist der Bierliebhaber in der Band?

Nic: »Das sind wohl eher unsere Gitarristen!«

Leo: »Genau. Es gibt da eine freundliche Rivalität zwischen den Wein- und den Biertrinkern in der Band (lacht). Es kam die Idee auf, eine Biersorte auf den Markt zu bringen, was ja gerade auch eine Mode unter Rockbands ist. Und so kam es eben dazu, dass wir jetzt dieses Pale Ale herausgebracht haben.«

Nic: »Das Bier ist in einer ganz kleinen Brauerei entstanden. Der Kontakt kam zustande, weil uns ein Winzer aus der Schweiz zum 25. Jubiläum eine Kiste mit sechs verschiedenen Weinen geschenkt hat. Wir haben uns angefreundet, und er fragte uns, ob wir nicht Interesse hätten, gemeinsam einen Wein herauszubringen. Als wir uns ein weiteres Mal trafen, hatte er die Idee, auch ein Bier zu machen. Er konnte sich nicht vorstellen, wie Fans bei einem Konzert mit einem Glas Wein im Publikum stehen, aber mit einem Bier schon (lacht). Wir haben dann entschieden, beides zu machen. Der Wein wird nächstes Jahr in die Läden kommen, weil es einfach länger dauert, bis ein Wein fertig ist.«

Zum Abschluss schauen wir noch in die Zukunft. Was steht für Gotthard im kommenden Jahr auf dem Plan?

Nic: »Wir werden nächstes Jahr ein paar Sommerfestivals spielen, von denen einige schon bestätigt sind und einige andere noch angekündigt werden. Es wird einige Akustikshows geben, aber auch einige normale, „elektrische“ Gigs. Abgesehen davon werden wir uns dem Songwriting für das kommende Album widmen, dass definitiv wieder ein Rock'n'Roll-Album werden wird und kein Akustik-Werk (lacht). Genaueres wissen wir noch nicht, weil wir gerade erst angefangen haben, über die Platte zu sprechen.«

www.gotthard.com

www.facebook.com/Gotthard

Bands:
GOTTHARD
Autor:
Maximilian Blom

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