Kolumne

Kolumne 24.11.1999

Gezz is abba auch gut mitte Verschönerungen!

Ihr Lieben,

da hab´ ich doch innen paar ollen Kolumnen rumgeblättert und blieb so´n bißken an der mit unserer Bürorenovierung hängen...

Es entrang sich mir ein dröges Lachen - DAS waren noch schöne Zeiten! Was fand ich es "damals" schlimm, Möbel zu wuchten, Farbe anne Wand zu klatschen oder T-Shirts "nach unten" (wir hatten uns ja noch die untere Etage gekrallt, weil wir oben mehr oder weniger aus den Räumen quollen - Ihr erinnert Euch) zu schleppen! Und heute? Jaha, Kollegen, da war der Pseudoumzug ein Honigschlecken gegen! Weil nämlich, jetzt hat unser Vermieter (natürlich in bester Absicht, der Gute will ja, daß es klasse aussieht, unser Haus - is ja auch OK) so richtig inne Zauberkiste gegrapscht und uns da´n paar Karnickel hingeknallt, dasses nur so schmetterte!

Als unser Haus eingerüstet wurde, dachten wir alle irgendwie noch nix Böses außer "hmtjaaa, is ja gezz ´n bißken duster, aber wird ja wohl in sechs Wochen weg sein..." Wie würde Lemmy dazu sagen? "Harrrharr!" Seit einer Woche schaue ich wieder so richtig aussem Fenster, ohne den duften Anblick knackiger Maurerhintern zu genießen - aber das letzte dreiviertel Jahr hab´ ich jeden Tag das Vergügen gehabt! (Wobei - unter uns - der Rotblonde mit den Sommersprossen am besten abgeschnitten hat...) Seit neun Monaten haben wir hier jeden Tag zwischen acht und vier Panhas am Christbaum geräuschemäßig... Ich sage nur das Folgende: Hilti, Flex und Kettensäge rulen hier zur Zeit so stark, daß Blackie Lawless durchaus bei uns nochma inne Lehre gehen könnte! Es werden ganze Wände abgerissen und an anderen Stellen wieder aufgebaut, es werden Wasser-, Strom- und wasweißichnoch für -Leitungen durch Steinfußböden verlegt, wir haben neue Fenster gekriegt (und zwar ´ne Menge davon - ca. 40!) - die Nervenkrisen durch den Krach gab´s gratis dazu...

Kinners, ich würd´ hier nicht so rumjammern, wenn wir nicht ein Problem hätten: Beim Rock Hard heißt "normales Tagesgeschehen", daß man reingeottet kommt, sich mit einem Haufen Lebensmittel umgibt und sich den Telefonhörer an die Matte klebt - und das wortwörtlich den ganzen Tag... Es ist natürlich recht undufte, wenn Frank einen ausländischen essenden Interviewpartner mit Nuschelproblem anne Überseeleitung hängen hat, der ihm mit leiser Stimme DEN neuesten Stand der Dinge im Bandlager X erzählen will - und der gute Albi durch das Loslegen des Bohrhammers 34 Zentimeter neben ihm irgendwie ein Aufnahmeproblem hat...

Tina schreit schon seit Monaten nur noch alle zusammen - unfreiwillig, da sie sich so daran gewöhnt hat, in den Hörer zu brüllen: Unsere Abonnenten haben am Anfang immer gedacht, daß wir jetzt einen stark verfremdeten Ministry-Song als Pausenmusik hätten, weil sie die Sounds des Stahltrenners irgendwie mit Mr. Jourgensens Opussen verwechselten. Im Eifer der Abrißbirne wurden durchaus auch mal wichtige Kabel zerstört oder ganze Raumfluchten versiegelt, da die Handwerker uns vor Staub bewahren wollten. (Nett gemeint - aber was is´, wenn hinter dem Siegel der Verdrecktheit der überlebenswichitge Versorgungsraum lagert? Ihr erinnert Euch: Wir kommen rein, umgeben uns mit einem Haufen Fressalien und so weiter...) Das zehrt und zerrt anne fröhliche Veranlagung, vor allem wenn die Sache sich so hinzieht.

Außerdem war, was die Parksituation auf unserer Straße anbelangt, auch eine interessante Entwicklung zu verzeichnen: Durch die Einrüstung unserer Bude und den dazu passenden amtlichen Dachkran gingen so lala ma eben vierzehn Parkplätze flöten, die wir durch wirres Anne-Gosse-parken wieder rauszuholen versuchten, dann mußten unsere Handwerksschnuckels (Maurer-, Fliesen-, Sanitär-, Fenster- und Elektrofachhandel) sich ja auch noch mit ihren Bullis, Kleinlastern und Betonmischgeräten irgendwo hinquetschen... Dazu kam dann noch die Tatsache, daß vor unserem Haus zeitweise ein Hobby ausgeübt wurde, welches mir in der Form vorher noch gar nicht bekannt war: nämlich das im Auto abhängen und ca. 6,7 Stunden auf gut Wetter?, ´ne scharfe Mieze?, Godot?, Gehaltserhöhung? warten! Also, man muß sich das so vorstellen: Es kommen drei KFZ die Straße runter, stellen sich zu unserem LIeferwagen-Betonmischmaschinen-und-Rock Hard-Auto-Klumpen - und die Fahrer des jeweiligen Karrens machen die Maschine aus, sitzen drin rum und tun sonst nix (außer atmen). Es wird nicht gesprochen, es wird nicht telefoniert, repariert, getanzt oder was weiß ich. Man sitzt. Ihr kennt bestimmt alle das Spiel "einen ausstarren" - man glotzt seinem Gegenüber so lang und unverwandt inne Pupille, bisser nich mehr kann und runter- oder weggucken muß. Das hab´ ich früher immer mit meinem Kater Eduard gemacht, der natürlich jedesmal gewonnen hat, die Sau - aber egal, Ihr wißt, was ich meine. Vielleicht is das ja ´ne Variante, "einen aussitzen" oder so, wer zuerst aufsteht wegen Blasenschwäche, Rückenschmerzen oder Langeweile, hat verloren und muß hundert Ocken abdrücken! Tolles Spiel - vor allem wenn man total vernagelt is (nich, daß Ihr denkt, ich wär´irgendwie intolerant oder so).

Na ja, das alles zusammen kann einen schon ganz schön raschelig machen; für mich war es wieder mal ´ne Enttäuschung, festzustellen, daß die TV-Leutchen ihre Dialoge echt nich´ aussem Leben nehmen. Ihr denkt jetzt bestimmt "Häää?" - hier Lösung: Ich frag´ wahllos irgendeinen der 54 Handwerker, die in ihren verschiedenen Zunft- und Gildekutten bei uns rumspringen, wann´s denn nun vorbei ist und kriege Antworten wie "Uaahhhhaaaahhaahaha", "Binni Jesus? Weißi alles?", "Jaaa - also ich sach´ ma, wenn wa im Plan bleiben, so zwei bis drei, höchstens abba sechs Monate", "Gute Frau, wir haben doch noch gar kein Material - der Großhändler muß ersma alles anliefern - wer weiß, wann dat kommt, und wenn et dann noch regnet, sieht et mau aus". Im Fernsehen heißt es: "Chief O´Brien, wie lange brauchen Sie, um die Integritätsstruktur der Replikatoren neu zu kalibrieren?" Und der Chief keucht (weil er immer voll im Streß is): "Öh, äh, ja, zwei Tage, Sir..." Und jetzt kommt das beste an dem Dialog, Kinners: "Sie haben drei Stunden, machense hin!" und O´B. nickt sparsam und sacht: "Aye, Sssir!" Und ihr und ich und die ganze Föderation weiß, dasses O´B. packen wird - der Mann, der hält, was er verspricht.

Tja, sonne Jungs haben wir bei uns hier leider nicht am Start - ich hoffe nur, daß die sich als geheimes Arbeitsziel Weihnachten ausgedacht haben und wir dann endlich unter unserer Redaktionstanne hocken und tatsächlich "Sti-hille Nacht" - bzw. "Tag" schmettern können...

Falls ihr hierzu noch was sagen wollt - ich kann euch leider nicht verstehen, da meine Heizung gerade mit ´ner Stichsäge zerhackt wird - oh neee, ´tschuldigung, das is doch nur Stefan, der´n bißchen Industrial-Doom-Metal hört...

Autor:
Dani Lipka

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