Kolumne

Kolumne 28.08.2013

Gemixt, getrickst, betrogen

Freunde der anatolischen Volksspeise und der ersten Metal-Schatzsuche der Welt! Die zweite Gruppierung dürfte so zirka null bis eine Person umfassen, denn erstens kann ich mir nicht vorstellen, dass die Einladung zu einer Suche nach einem Songdownload der schwäbischen Coverversionen-Gutfinder Atrocity zu einer Völkerwanderung führen wird, zweitens kann man die Relevanz dieser – hui! – Metal-Schatzsuche bereits daran erkennen, dass sie von einem Gothic-Magazin präsentiert wird, und drittens: Wenn ich persönlich (als schüchterne, unheilbar tolerante Privatperson) wählen müsste zwischen der anatolischen Volksspeise und Atrocity, fiele meine Wahl immer und immer wieder auf den Döner.

So, das zur Einleitung. Kommen wir zum Brennpunkt „Mixtapes“, über den ich in einer Sondersendung vor zwei Monaten referiert hatte. Was darauf folgte, waren E-Mail-Fluten sondernormen! Ihr habt mir tolle, manchmal sogar supertolle Playlisten aus eurer bewegten Mixtape-Historie geschickt. Die Auswahl der Gewinner fiel schwer, aber letztlich habe ich mich für folgende zwei Playlisten entschieden:

Ivo aus Wien schreibt: „Neben vier Plattenspielern besitze ich auch noch insgesamt sechs Tapedecks. Jetzt gerade nehme ich Steven Wilsons „The Raven That Refused To Sing“ von CD auf Kassette auf, da ich im Auto zwar auch einen CD-Wechsler habe, mir Kassetten von der Optik und Haptik her aber sehr viel mehr taugen. Ich bewerbe mich mit meinem Mixtape, betitelt “A Small Collection Of The Best Music For Driving”.

Seite A: „Just Listen While Driving Fast...“

Shot Down In Flames - AC/DC
All Through The Night - Axe
Rattlesnake Rock´n´Roller - Blackfoot
Sweet Home Chicago - The Blues Brothers
La Grange - ZZ Top
Accident Prone - Status Quo
Ballroom Blitz - The Sweet
Roadhouse Blues - The Doors
Why Didn´t Rosemary - Deep Purple
Look At Yourself - Uriah Heep
We Wish You Well - Whitesnake

Seite B: „...And Now You Drive Even Faster...“

Kill The King - Masters Of Reality
She Rides - Danzig
Fire Woman - The Cult
Vision Thing - Sisters Of Mercy
Luanne - Foreigner
I Want A New Drug - Huey Lewis And The News
Sometimes A Fantasy - Billy Joel
Wired All Night - Mick Jagger
Truck Me Harder - The Waltons
Living After Midnight - Judas Priest
We Wish You Well - Whitesnake.“

Axel aus Bad Wurzach schreibt: „Alleine schon die Bemerkung zum schwarzen Filzstift (mit dünner Mine!) - haargenau so ist es! Konnte mich in dem Artikel zu 100 Prozent wiederfinden. Scheiß auf USB! Ich nehme auch spezielle CDs für meine Freundin auf. Eher so die „Hobbit-Metal”-Hörerin. So bekommt sie immer mal wieder was von mir untergejubelt – und findet dann plötzlich doch Gefallen an Orchid oder Audrey Horne, hehe.

„Angry Assfire Apocalypse Smiler”

1. Turbonegro - The Blizzard Of Flames/Wipe It ´Til It Bleeds
2. Skid Row - Youth Gone Wild
3. The Hellacopters - Toys And Flavors
4. The Bones - Monsters Prefer Blondes
5. Smoke Blow - Demon Slayer
6. The Darkness - One Way Ticket
7. Misfits - Forbidden Zone
8. Hardcore Superstar - We Don´t Celebrate Sundays
9. One Man Army... - So Grim, So True, So Real
10. Boysetsfire - Walk Astray
11. Mötley Crüe - Live Wire
12. Die Allergie - Kollision
13. Discipline - Hooligans Heaven.“

Tolle Playlisten, Freunde! Da gibt´s nix zu meckern.

Dennoch muss ich meine liebevollen Spätsommer-Ergüsse regnerisch ausklingen lassen, denn ein weniger schönes Thema macht in der Undergroundszene die Runde: Einige von euch haben sich sicherlich gefragt, wieso die US-Blackies Nachtmystium Hals über Kopf die Reißleine gezogen haben. Folgende Fakten dürften zur Aufklärung beitragen: Anfang des Jahres bot Bandkopf Blake Judd Teile seiner CD- und Platten-Sammlung mehreren Firmen an, unter anderem Nuclear War! Now und Hells Headbangers Records. Es handelte sich jeweils um dasselbe Angebot, und mindestens diese beiden Firmen transferierten via PayPal einige hundert Dollar, auf Judds Wunsch verbunden mit dem Transferzweck „Gift/Geschenk“. Doch die Ware kam nie bei den Firmen an. Gleiches widerfuhr vielen Nachtmystium-Fans, die in Blake Judds Onlineshop und per eBay Musik und Merchandise eingekauft hatten. Laut einer Berechnung der Beschwerdefälle in einem Metalforum muss der Bandleader von diversen Firmen und Fans weit über tausend Dollar eingesammelt haben – ohne eine Gegenleistung erbracht zu haben. Nachdem der Nachtmystium-Chef einige Gläubiger per Mail vertröstet hatte, tauchte er plötzlich unter und ignoriert seitdem alle Anfragen und Forderungen. Nach Angaben diverser Szenekenner aus den Staaten sei in der Folge Judds komplette Begleitband abgesprungen, weil sie sein Geschäftsgebaren nicht mehr mittragen wollte.

Werter Blake: Die Szene zu bescheißen, die dich aufgebaut und unterstützt hat, ist so ziemlich das Mieseste, was ein Musiker bringen kann.

Autor:
Wolf-Rüdiger Mühlmann

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