Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.04.2012

I AM DYNAMITE , STRAIGHT FRANK - Frankfurt, Ponyhof

Der Ponyhof ist ein winzig kleiner, von außen sehr unscheinbarer Club in der Klappergasse - also mitten im Herzen des Apfelwein-Mekkas Sachsenhausen. Anstatt irgendwelcher Immenhof-Ischen mit Trippel-Trappel-Ponys ist heute Abend handgemachte Rockmusik mit hohem Arschtritt-Faktor angesagt.

Los geht es überraschenderweise direkt mit STRAIGHT FRANK, weil es sich - wie mir Gitarrist Coma später erklärt - um eine Doppel-Headliner-Tour handelt, bei der die Auftrittsreihenfolge je nach Abend und Laune variiert wird. Die vier Schweden legen sofort los wie die Feuerwehr und lassen sich auch von kleineren technischen Problemen - Comas Gitarre kackt beispielsweise gleich nach der Hälfte des ersten Songs ab - nicht aus der Ruhe bringen. Das mit ca. 70 anwesenden Nasen eher spärlich ausgefallene Publikum allerdings auch nicht. Außer artigem Applaus nach den Songs hält sich die Begeisterung noch in überschaubaren Grenzen. Selbst beim durch MTV & Co. bekannten Mini-Hit ´Monster´ ändert sich nicht viel daran - und das, obwohl sich die Band mächtig reinhängt, ultratight wie der sprichwörtliche Entenarsch groovt und die famos riffenden Gitarren eine amtliche, millimetergenau verfugte Soundwand vom Feinsten aufschichten. Darüber thront Tobias Gustavssons wunderbar harmonischer Gesang, der - Chris-Cornell-Vergleiche hin oder her - durch sein Wechselspiel aus schierer Power und tänzelnder Leichtigkeit beeindruckt und Klassenummern wie ´Not Forever´, ´Going Nowhere´, ´We All Die Young´ - hier legt das Frankfurter Publikum dann doch endlich die anfängliche Zurückhaltung ab - oder ´End Of The Day´ weiter veredelt. Ein toller Auftritt einer erstklassigen und extrem sympathisch rüberkommenden Band, die definitiv ein größeres Publikum verdient hätte, sich dieses aber mit Sicherheit noch erarbeiten wird.

Danach ist erst mal zurückhaltendes Abwarten angesagt. I AM DYNAMITE sind mir bis dahin gänzlich unbekannt. Und überhaupt, was soll nach dem tollen Auftritt der Schweden jetzt noch kommen? Tja, so kann man sich täuschen. Denn das nur mit Gitarre und Schlagzeug - also ohne Bass - agierende US-Duo aus Detroit steht dem Stockholm-Vierer qualitativ in nichts nach. Zwar wirkt es zunächst etwas befremdlich, wenn die beiden Herrschaften in ihren vorwiegend weißen Bühnenklamotten und mit Stirnbändern bewaffnet die kleine Bühne betreten und dabei aussehen wie ein extrem nerdiges Krankenpfleger-Duo in der Mittagspause. Doch sobald Chris Martin und Chris Phillips loslegen, ist gute Laune pur angesagt, und etwaige düstere Gedanken werden phonstark weggeblasen. Ganz ehrlich: Wer beim quietschfidelen Zappelsound der Truppe gänzlich still stehen kann, ist seit mindestens einem halben Jahr tot und begraben. Interessanterweise wird der fehlende Bass absolut nicht vermisst, weil die beiden gekonnt jedes noch so kleine Soundloch zukleistern und der Drummer im Fall der Fälle stets mit beeindruckend gutem Harmoniegesang und stimmigen Background-Vocals zur Stelle ist. Musikalisch irgendwo zwischen Pennywise, Led Zeppelin und Buddy Holly verortet, kreieren die beiden mit ihrer Mischung aus unwiderstehlichen Powerchords, Beatles-Harmonien, eingängigen Singalongs und an indianische Gesänge erinnernden Ahaha-Chören - insbesondere bei den beiden Überhits ´Ms. Jones´ und ´Stereo´ - eine unwiderstehliche Goodtime-Atmosphäre, bei der selbst der finsterste Black-Metaller verschämt mitgrooven dürfte. Insofern ein absolut gelungener Abend.

Bands:
I AM DYNAMITE
STRAIGHT FRANK
Autor:
Andreas Stappert

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