Schwatzkasten

Schwatzkasten 22.05.2013

TESLA - FRANK HANNON (Tesla)

FRANK HANNON ist nicht nur einer der Gründer der Hardrock-Band Tesla, sondern auch einer der bodenständigsten und positivsten Musiker, die man treffen kann. Hinter den Kulissen des Shout-It-Out-Loud-Festivals in Duisburg erzählt der 46-Jährige von seinen Hippie-Wurzeln, ekligen Metallica-Fans und seiner Begeisterung für Rap-Musik.

Frank, wie und wo bist du aufgewachsen?

»Ich bin im Norden Kaliforniens in einer kleinen Stadt in der Nähe von San Francisco als Sohn einer Hippie-Mutter aufgewachsen. Zuerst war meine Familie sehr klein, doch dann heiratete meine Mutter in eine mexikanische Großfamilie ein, in der ich das einzige weiße Kind unter vielen mexikanischen Sprösslingen war. Ich bin mit einer Menge Musik aufgewachsen. Meine Familie feierte ständig Feste, auf denen Musik gemacht wurde. Und ich war mittendrin als Jüngster der Sippe.«

Welche Musik hast du gehört?

»Meine Leidenschaft galt der Musik aus San Francisco: Grateful Dead, Santana und Jefferson Airplane. In den siebziger Jahren habe ich dann begonnen, Gitarre zu spielen.«

Warum hast du dich ausgerechnet für die Gitarre entschieden?

»Jimi Hendrix ist einer der Hauptgründe, warum ich Gitarre spiele. Ich habe ihn damals im Film „Monterey Pop“ gesehen, in dem er seine Gitarre anzündet. Ich war so begeistert, dass ich auf der Stelle beschloss, auch Gitarrist zu werden.«

Wie verlief deine erste Show?

»Ich habe schon als Kind viele Gigs gespielt. Meine erste Show war 1978. Da war ich gerade mal zwölf Jahre alt. Sie fand statt in der „Moose Lodge“ statt, einem typisch amerikanischen Country-Club. Im Publikum standen rund hundert Leute, die natürlich Country-Musik hören wollten, weswegen ich auch einen Cowboyhut trug (s. Foto - cs). In Wirklichkeit spielten wir aber Jimi-Hendrix-Mucke. Ein paar Jahre später habe ich Brian (Wheat; Tesla-Bassist - cs) kennengelernt, und es kam schließlich zur Gründung von Tesla. Und nach 30 Jahren spielen wir immer noch zusammen. Viele der Songs auf unserem ersten Album habe ich geschrieben, als ich noch ein Teenager war.«

Was war die schlimmste Show deiner Karriere?

»Die schlimmste Tesla-Show haben wir im Haus der Schauspielerin Tippi Hedren (bekannt aus „Die Vögel“ - cs) gezockt. Sie hatte uns engagiert, damit wir für die Tiere ihres Privatzoos spielen. Das war total bizarr und verrückt.«

Was war die emotionalste Show, die du je gespielt hast?

»Das war, als ich auf der Beerdigung eines Freundes Gitarre gespielt habe. Er gehörte zu den Opfern der großen Brandkatastrophe, die 2003 während eines Great-White-Konzerts in Rhode Island passiert war. Seine 90-jährige Großmutter war auch auf der Beerdigung. Ich spielte das Lied ´Amazing Grace´. Das war sehr bewegend.«

Kannst du dich an den schlimmsten Job erinnern, den du je hattest?

»Ich arbeite sehr gerne und habe kein Problem mit harter Arbeit. Ich trimme ohne zu murren Bäume und sammle Müll ein. Das ist total okay. Ich habe auch erst vor kurzem Pferdeställe ausgemistet (s. Foto - cs).«

Was war das verrückteste Gerücht, das du je über dich gehört hast?

»Irgendjemand hat mal behauptet, ich würde mit Stevie Nicks ausgehen (US-Sängerin, die 18 Jahre älter ist als Frank Hannon - cs). Sie ist zwar sehr hübsch, aber vielleicht doch ein bisschen zu alt für mich.«

Stell dir vor, du könntest deine Traum-Band mit lebenden und toten Musikern besetzen. Wer taucht im Line-up auf?

»Randy Rhoads spielt Gitarre, John Bonham sitzt hinterm Schlagzeug, und John Entwistle zupft die Bass-Saiten. Leider sind alle drei Musiker schon tot.«

Welche drei Alben würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?

»„Diary Of A Madman“ von Ozzy Osbourne, „Frampton Comes Alive“ von Peter Frampton und Heart mit „Dreamboat Annie“. Schließlich muss ich ja auch ein paar Frauen dabeihaben.«

Gibt es einen lebenden oder verstorbenen Menschen, den du gerne mal treffen würdest, um dich mit ihm zu unterhalten?

»Ich mag Johnny Cash. Den hätte ich gerne mal getroffen. Und mit Randy Rhoads, dessen Gitarrenspiel ich toll finde und der ein sehr netter Mensch gewesen sein muss, hätte ich gerne zusammen musiziert. Ich hätte ihn sicherlich auch nach seiner Liebe zu klassischer Musik ausgefragt.«

Erzähl mal eine verrückte Tourstory, die euch mit Tesla passiert ist!

»Generell finde ich es toll, dass wir die Möglichkeit haben, unsere eigenen Helden wie Aerosmith und Brian May zu treffen. Das ist immer super. Damals in den Achtzigern auf den Tourneen mit Def Leppard und Poison ging es so verrückt ab, dass ich kaum noch Erinnerungen daran habe. Ich erinnere mich aber auch an eine alte Geschichte, die uns bei unserer ersten Europatournee in Barcelona passiert ist. Wir waren die Vorgruppe von Metallica. Das war verdammt hart. Das Publikum bewarf uns mit Bechern voller Pisse. Am Ende des Auftritts waren wir klitschnass. Das war echt übel.«

Welche Hobbys hast du neben der Musik?

»Ich reite und betreibe zusammen mit meiner Frau den amerikanischen Cowboy-Sport Cutting. Beim Cutting reitet man mitten in eine Kuhherde, guckt sich eine Kuh aus und versucht, diese für eine Weile von der Herde fernzuhalten. Für diesen Sport muss man sehr gut reiten können.«

Hast du ein Hobby, für das du viel Geld ausgibst?

»Pferde sind teuer. Sie brauchen eine Menge Futter. Meine Frau und ich haben gleich sechs Pferde, in die wir viel Geld und Arbeit stecken. Eine weitere Leidenschaft ist mein eigenes kleines Studio unterm Dach, in dem ich Alben produziere. Momentan arbeite ich mit einem 22-jährigen Rapper aus der Nachbarschaft zusammen, der sehr talentiert ist und verdammt gut rappen kann (er zieht sein Smartphone raus und führt strahlend ein Video des rappenden Nachbarn vor). Ich mag Rap-Musik.«

Gibt es auch einen Musikstil, den du überhaupt nicht magst?

»Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn die Frontmänner wie Schweine grunzen.«

Dann sind Death Metal und Grindcore also nicht so dein Ding.

»Richtig. Mir gefällt zwar die Musik, aber mit dieser Art von „Gesang“ kann ich überhaupt nichts anfangen.«

Wo verbringst du am liebsten deinen Urlaub?

»Ich reise gerne nach Amsterdam und nach Friesland, wo es schwarze Friesenpferde gibt, die mir sehr gefallen. Ich bin auch gerne in Florida. Aber so richtig im Urlaub fühle ich mich erst, wenn ich zu Hause bin.«

Wo lebst du denn inzwischen?

»Immer noch in der Nähe meiner alten Heimat, bei San Francisco in den Bergen.«

Was ist deine beste Charaktereigenschaft?

»Ich arbeite hart, bin ehrlich und versuche immer, alles positiv zu sehen.«

Und was ist dein schlechtester Charakterzug?

»Ich verspäte mich gelegentlich und bin manchmal ein wenig unorganisiert und chaotisch. Ich denke und agiere eben eher kreativ.«

Bist du religiös?

»Ich bin eher spirituell als religiös. Ich habe mich schon sowohl mit dem Leben Jesu als auch mit anderen Religionen eingehend beschäftigt. Ich glaube auf jeden Fall an einen Erschaffer und daran, dass es einen Kampf zwischen Gut und Böse gibt, den das Gute und Gott gewinnen werden. Ich bin sicher, dass negative Kräfte und Dämonen, aber auch Engel real sind. Und ich denke, dass man sich zwischen Gut und Böse entscheiden muss. Ich versuche, mich bei jeder Entscheidung, die ich treffen muss, im Sinne Gottes und des Guten zu entscheiden.«

Hattest du schon mal ein übersinnliches Erlebnis?

»Das passiert mir ständig - vor allem dann, wenn ich loslasse und die Dinge einfach geschehen lasse. Das sind die Momente, in denen ich bete und darum bitte, dass Gott die Kontrolle und Fürsorge übernimmt. Meistens ergibt sich dann von ganz allein eine Lösung. Wenn ich hingegen krampfhaft festhalte und versuche, alles selbst zu kontrollieren, geht schlimmstenfalls alles den Bach runter, weil man Fehler macht, aus Wut oder Angst falsch reagiert und Menschen verletzt. Man muss einfach nur loslassen, damit das Übersinnliche übernehmen kann. Die Menschen werden so schnell abgestoßen von dem Begriff Religion, aber dabei geht es für mich zum Beispiel beim Beten einfach nur darum, dass ein Anliegen oder eine Bitte an Gott übergeben wird. Wenn man das tut, kann man Dinge besser akzeptieren. Man überlässt Gott die Führung, anstatt alle Last selbst zu übernehmen. Das nimmt eine Menge Druck von einem.«

Stell dir vor, du wärst US-Präsident. Um was würdest du dich als Erstes kümmern?

»Ich würde versuchen, unser Schul- und Bildungssystem zu verbessern, und mehr Geld in die Ausbildung unserer Kinder investieren. Die Familien müssen ihre Strukturen zurückbekommen. Momentan gibt es viel zu viele alleinerziehende Mütter und Eltern, deren Erziehung so aussieht, dass sie die Kinder einfach nur vor den Fernseher setzen. Wir haben nicht genug Kindertagesstätten und Freizeitprogramme für die Kinder. Die ganzen Familien und damit natürlich auch die Kinder gehen den Bach runter.«

Wie würdest du den letzten Tag deines Lebens verbringen?

»Ich würde meiner Familie und meinen Freunden sagen, wie gern ich sie habe, und dann würde ich wohl den Großteil des Tages damit verbringen, mein Hab und Gut zu verschenken und dafür zu sorgen, dass sich um alles gut gekümmert wird, wenn ich nicht mehr bin.«

Welcher Song soll auf deiner Beerdigung laufen?

»´Free Bird´ von Lynyrd Skynyrd.«

Stell dir vor, du könntest etwas ins Nirwana mitnehmen. Was würdest du wählen?

»Meine Gitarre.«

www.teslatheband.com

DISKOGRAFIE

mit Tesla:

Mechanical Resonance (1986)
The Great Radio Controversy (1989)
Five Man Acoustical Jam (Live, 1990)
Psychotic Supper (1991)
Bust A Nut (1994)
Times Makin´ Changes - The Best Of Tesla (Best-of, 1995)
20th Century Masters - The Millennium Collection: The Best Of Tesla (2001)
Replugged Live (Live, 2001)
Standing Room Only (Live, 2002)
Into The Now (2004)
Real To Reel (2007)
Real To Reel Vol. 2 (2007)
A Peace Of Time (EP, 2007)
Forever More (2008)
Gold (Best-of, 2008)
Alive In Europe (Live, 2010)
Twisted Wires & The Acoustic Sessions (Compilation, 2011)

als Solokünstler:

Gypsy Highway (2010)
Six String Soldiers (2012)

mit The Frank Hannon Band:

New Year´s Eve 2005 (EP, 2005)
Guitarz From Marz (2005)
100 Proof Live! - Live At Constable Jack´s (Live, 2010)

mit Moon Dog Mane:

Turn It Up (1998)

Pic: Axel Jusseit

Bands:
TESLA
Autor:
Conny Schiffbauer

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.