Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews

SABATON , EXODUS , LAMB OF GOD , GHOST BRIGADE , BLUES PILLS , ARCHITECTS - Finnland, Helsinki

In diesem Jahr statteten wir dem bekanntesten finnischen Festival, dem Tuska Open Air Metal Festival in Helsinki einen Besuch ab. Zu bestaunen gibt es Ghost Brigade, Blues Pills, Lamb Of God, Exodus, Sabaton, betreute Circle Pits und hochpreisige Getränke.

Da wir wegen einer Amorphis-Listening-Session zum neuen Album „Under The Red Cloud" eh in der Stadt sind, hängen wir an unserem Kurztrip noch einen Tag dran, um uns endlich einmal einen Eindruck vom bereits 1998 gegründeten Tuska-Festival zu verschaffen. Im Gegensatz zu den meisten Festivals, die irgendwo in der Wallapampa liegen, wird das Tuska direkt in der Hauptstadt Helsinki ausgetragen. Naja, zumindest ist das im Hafengebiet aufgebaute Gelände mit der Metro innerhalb weniger Minuten zu erreichen. Die umgebenden, teilweise im Zerfall begriffenen Industriebauten verleihen dem Metal-Festival dabei einen rustikalen Charme.?

Befremdlich wirkt hingegen die Art und Weise des Getränkeausschanks: Alkohol darf nur in einem abgegrenzten Ü-18-Bereich verkauft und getrunken werden. Da sich aus diesem Bereich auch die Bühnen einsehen lassen, verharrt ein Gutteil des Publikums tagsüber dort, während vor den Bühnen reichlich Platz bleibt. Naja, immerhin muss man sich im Moshpit nicht um verschüttetes Bier sorgen. Das wäre eh sehr ärgerlich, denn preislich schlagen die Getränkepreise (halber Liter Bier für 7 Euro) ein ziemliches Loch in die Reisekasse.

Dementsprechend halte ich mich mit dem Getränkekonsum erstmal zurück. Die Zeit lässt sich aber auch so wunderbar mit gelungenen Gigs überbrücken: GHOST BRIGADE legen einen gewohnt intensiven Gig auf die Bretter, bei dem dank 1A-Soundbedingungen sämtliche Nuancen der zwischen Melancholie und alles zermalmenden Riffs pendelnden Kompositionen zur Geltung kommen. Und kaum ein Fronter leidet so schön wie Manne Ikonen. Leider hat die Band wieder mal kein Merch im Gepäck und beraubt sich so einer lohnenswerten Einnahmequelle.?

Bei ARCHITECTS vor der Hauptbühne herrscht dann gähnende Leere. Bis auf wenige Die-Hard-Fans lässt das Publikum reichlich Sicherheitsabstand zu dem Metalcore-Gehampel, das hier reichlich Fehl am Platz wirkt.?

BLUES PILLS sind die zweiten Exoten im Billing, ziehen aber wesentlich mehr Leute vor die Bühne. Auch hier ist der Sound hervorragend. Auffallend ist, wie sehr das Quartett mittlerweile auf ihren altbekannten Songs jammt und die Tracks teilweise gar um neue Parts ergänzt ('Little Sun' bekommt zum Beispiel ein neues Ende spendiert). Allerdings macht die Truppe den Fehler, dem Metalpublikum einige ruhige Songs zu viel zu präsentieren, weshalb die Reaktionen recht spärlich ausfallen. Elin Larssons meisterhafter a-capella-Gesang am Anfang vom finalen 'Devil Man' sorgt allerdings wieder für reichlich Gänsehaut und stimmt das Publikum versöhnlich.?

Auf LAMB OF GOD haben heute nicht wenige gewartet: Bereits zehn Minuten vor Showbeginn werden „Lamb Of God"-Sprechchöre angestimmt und die Band bei Betreten der Bühne mit Jubelstürmen begrüßt. Mit 'Desolation' ist der Moshpit eröffnet und wird sich bis zum Ende der Show kaum schließen. Randy Blythe tobt wieder wie ein Derwisch über die Bühne, während der um einige Kilo leichtere Willie Adler hinter seiner Gitarre kaum wiederzuerkennen ist. Sein Bruder Chris sorgt mit seiner Oktopus-Performance hinterm Kit für herunterklappende Kiefer und lässt die Neugier auf seine Performance auf dem neuen Megadeth-Longplayer weiter steigen.?

Es geht direkt mit reichlich Moshpit-Action weiter: EXODUS rufen zum „Good Friendly Violent Fun" auf. Auch wenn die Band ohne ihren Bandleader Gary Holt (der derzeit Verpflichtungen bei Slayer zu erfüllen hat) unterwegs ist, kann sich das Quintett sehen und hören lassen. Kein Wunder, neben der eingespielten Rhythmusfraktion steht neben Lee Altus mit Kragen Lum ein weiterer Heathen-Gitarrist auf den Brettern, der sichtlich Spaß an den EXODUS-Kompositionen hat. Der zurückgekehrte Steve „Zetro" Souza macht seine Sache live ohnehin super und dirigiert die Menge durch die Circle-Pits, an deren Rändern Security-Kräfte darauf achten, dass niemand in die falsche Richtung bzw. Amok läuft.?

Amok laufen würde ich am liebsten im Anschluss: Die Headliner des ersten Festivaltages heißen SABATON und es ist mir immer noch ein Rätsel, wie man den von Billo-Keyboard-Sounds dominierten Schlager-Metal der Schweden länger als zehn Minuten aushalten kann, ohne körperliche Schmerzen, Aggressionen oder Kopfschmerzen zu bekommen. Die Fans fressen der Band trotzdem aus der Hand, was sicherlich daran liegt, dass das Quintett auf der Bühne Vollgas gibt und reichlich Pyro- und Lichtshow auffährt. Ich verzieh' mich aber lieber in den bestens abgeschirmten VIP-Bereich, wo man von SABATON nichts mitbekommt, und trinke überteuertes Bier.?

Um 22 Uhr beenden SABATON ihr Set. Eine Stunde gewährt die Security noch Gnadenfrist, danach werden die letzten Gäste vom Gelände gefegt. Doch wir sind hier schließlich in Helsinki, eine Stadt, die durch und durch den Rock'n'Roll-Spririt atmet. Neben den offiziellen After-Show-Partys stehen noch unzählige Rock- und Metal-affine Bars zur Auswahl. Uns treibt es zur After-Show-Party ins Bäkkäri, wo TO/DIE/FOR ihre Die-Hard-Fans in Verzückung versetzen, glücklicherweise aber mit einer moderaten Lautstärke unterwegs sind, so dass man sich als Nicht-Fan im hinteren Teil des geräumigen Clubs noch gemütlich unterhalten kann. Das tun u.a. auch einige der auftretenden Musiker, Blues Pills sind komplett anwesend, John Campbell von Lamb Of God sowie Samy Elbana von Lost Society werden ebenfalls gesichtet, wie sie die Nacht zum Tag machen. Bis bald, Helsinki!

Pics: Ronny Bittner

Bands:
SABATON
BLUES PILLS
EXODUS
GHOST BRIGADE
LAMB OF GOD
ARCHITECTS
Autor:
Ronny Bittner

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