Interview

Interview 04.12.2020, 12:44

EURYNOMOS - Online-Ergänzung zu Rock Hard Vol. 402

Der ehemalige Desaster-Sänger Okkulto meldete sich 13 Jahre nach seinem Ausstieg bei den Black-Thrashern mit EURYNOMOS zurück. Nach drei EPs steht mit „From The Valleys Of Hades“ nun, sechs weitere Jahre später, das Debütalbum in den Läden. Ergänzend zum Interview in Rock Hard Vol. 402 gibt Okkulto noch mehr Antworten auf seine Zeit nach Desaster, seine Sicht auf den Old-School-Esprit und die Suche nach Erfüllung.

Okkulto, das Thema um den „alten“ Spirit ist gerade im Black Metal aber auch im Heavy Metal als traditionsorientiertes Genre allgemein ein großes Thema. In einem Interview habt auch ihr angemerkt, dass ihr euer Label Iron Pegasus als „conservative metal mayhem“ sehr schätzt. In seinem Ursprung entwickelten sich Heavy Metal und Rock'n'Roll gleichzeitig als Gegenkultur zum Konservatismus der „Mainstream“-Gesellschaft. Wie stehst du dazu?

»Es könnte für EURYNOMOS kein passenderes Label geben, weil wir die gleichen Prinzipien verfolgen und den gleichen Grundsätzen treu sind. Iron Pegasus war immer ein kleines Undergroundlabel ohne besonders aufwendige Strukturen in kommerzieller Hinsicht. Über die Jahre hat man viele Trends, Bands und furchtbar wichtige Leute kommen und gehen sehen. Viele mussten die Segel im Laufe der Zeit streichen, weil sie glaubten, dem nächsten Trend hinterher laufen zu müssen – aber I.P. gibt es immer noch. Auf EURYNOMOS übertragen bedeutet dies, dass wir ebenso konservativ unseren Weg verfolgen und nicht zu viel schauen, was gerade angesagt oder Trend ist, sondern „konservativ“ unser Ding machen. Für uns ist diese Musik eine zeitlose Hommage an die Urväter dieser Musik und eine Band wie wir sie uns als Fans selbst wünschen würden. Und da wir keine 20 mehr sind, gelingt es uns auch, diesen Stil authentisch rüber zu bringen, denke ich. Heavy Metal und Rock bedeutete ja für viele, die Tag für Tag hart in Zechen oder Fabriken arbeiteten, nach Feierabend mal etwas Dampf ablassen zu können. Wenn uns also Leute heute sagen, dass sie unsere Musik als eine kleine Zeitreise in die Achtziger empfinden, ist das doch das größte Lob. Der Begriff konservativ muss also gar nicht negativ belegt sein, sondern kann auch dafür stehen, dass man sich selbst und seinen Grundsätzen treu bleibt.«

Und wie drückt sich das stetige Pendeln zwischen Tradition und Innovation bei EURYNOMOS künstlerisch aus?

»Die Songs kommen bei uns sehr natürlich, wir müssen da nicht lange überlegen. Aethon hat schon durchaus einen eigenen Gitarrenstil und meist schon recht markante Riffs parat, auf die meine eigenen Ideen gut passen. Da ergänzen wir uns sicher sehr gut. Wir könnten auch kaum etwas anderes spielen, da die Musik, mit der wir aufgewachsen sind, uns einfach geprägt hat und die Helden unserer Jungend sind ja heutzutage immer noch stilistische Vorbilder für EURYNOMOS. Natürlich können und wollen wir auch gar nicht das Rad neu erfinden. Wir spielen eine gewisse eigene Mixtur aus verschiedenen Metal-Bereichen, was die Leute an uns wohl auch schätzen. Die Frage nach besonders viel Innovation stellt sich also gar nicht. Ich kann aber sagen, dass wir hier und da sicher noch eine andere musikalische Seite von EURYNOMOS zeigen werden. Das ist für den LP-Nachfolger geplant. Das heißt aber sicher nicht, dass wir jetzt progressiv werden (lacht).«

Desaster schienen damals dein Lebensinhalt gewesen zu sein – hat sich der Ausstieg dementsprechend wie eine Art Trennung angefühlt, die es erstmal zu bewältigen galt?

»Oh ja... Wenn man mit der Art von Musik einen Lebensstil verbindet, dann war ich 110% dabei. Tag und Nacht, Feuer und Flamme! Da gab es auch nie eine Frage, die Band stand immer an erster Stelle. Hinzu kommt, dass wir auch sehr eng miteinander befreundet waren und auch in der übrigen Freizeit so ziemlich alles gemeinsam gemacht haben. Es war wohl auch eine unserer Stärken, dass wir als Band sehr authentisch rüber kamen. Natürlich war das Klima und die Kommunikation vor dem Split insgesamt nicht mehr so gut, aber es gab eben über die Jahre so unzählige Anekdoten, die man gemeinsam erlebt hat – und da möchte ich mich eher dran erinnern. Wenn das alles weg ist, fällt man natürlich mental sehr, sehr tief und es ist schwer den Fokus neu auf etwas anderes zu richten, was einen nur annähernd so ausfüllt.«

Kann man sagen, dass du in EURYNOMOS nun wieder deine Erfüllung gefunden hast?

»Ja, natürlich! Die Band ist für mich auch eine Möglichkeit, den Leuten, die mir persönlich immer die Treue gehalten haben, musikalisch etwas zurückzugeben. Die Band von Anfang an mitentwickelt zu haben und nach all den Höhen und Tiefen die fertige LP zu sehen, ist schon etwas sehr besonderes. Ich kann versprechen, dass wir noch viel vor haben für die Zukunft!«

www.facebook.com/eurynomosofficial

Bands:
EURYNOMOS
Autor:
Mandy Malon

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