Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.04.2012

ALCHEMYST , KETZER , ANTICHRIST , DIABOLICAL IMPERIUM , NOCTURNAL - Essen, Turock

Die offizielle Release-Show des neuen Ketzer-Albums „Endzeit Metropolis“ verspricht ein ganz besonderer Event - alle vier „Vorbands“ sind handverlesen - zu werden, und so überrascht es niemanden, dass das Essener Turock heute so gut wie ausverkauft ist.

DIABOLICAL IMPERIUM aus Gummersbach müssen als erste Band um 19 Uhr auf die Bühne (sehr lobenswert, dass man den im Internet angekündigten Zeitplan einhält - bei vielen Clubs ja nicht selbstverständlich) und können die rund 100 zu diesem Zeitpunkt Anwesenden trotz leichter Soundprobleme überzeugen. Technisch anspruchsvollen, sehr roh und heavy gespielten Death Metal hat das Trio zu bieten, das u.a. mit dem coolen ´Requonquering The Throne Of Triumph´ punkten kann. Ein klasse „Opener“!

ALCHEMYST, ein Quartett aus Thüringen (erweitert um einen Nürnberger Bassisten), spielen originellen, teils bewusst atonalen Black Metal mit starken Doom- und Death-Metal-Schüben, der durch seine eigenwillige, hypnotische Atmosphäre gefällt. Hier stimmt so ziemlich alles: die Songs, das Bühnenbild, die Show und der Härtegrad. Das inzwischen gut gefüllte Turock ist der perfekte Ort für den wahrscheinlich wichtigsten Auftritt in der bisherigen Geschichte der Band, die seit 2009 zwei Demos und eine Split-Single veröffentlicht hat.

Auf NOCTURNAL, die ja ziemlich selten live spielen, warten viele der Anwesenden bereits seit dem frühen Abend. Die inzwischen auf Quintettgröße angewachsene Band (Cruel-Force-Gitarrist Teutonic Slaughter an der zweiten Gitarre) erinnert musikalisch und spielerisch an die frühen Sodom, sprich es rumpelt an allen Ecken und Enden, wirkt aber superauthentisch. Auf der Bühne sieht man ein Meer aus Haaren und Nieten; die ganze Band ist ständig in Bewegung und wird vom ersten Ton an wie ein Headliner gefeiert. Optischer Mittelpunkt ist Frontfrau Tyrannizer, die die Fans gut im Griff hat und genauso kompromisslos-souverän wie ihre Mitstreiter wirkt. Beim sehr brutal gespielten Manowar-Cover ´Kill With Power´ schleudert Gitarrist Teutonic Slaughter seine Klampfe im Adrenalinrausch in die Backline - und spielt den Song danach mit völlig verstimmtem Instrument zu Ende. Dass das niemanden auch nur ansatzweise stört, spricht für sich. »Genau so wollen wir das doch! Es muss einfach nur ballern!«, brüllt mein Nebenmann begeistert, während sich die Band unter lautem Jubel verabschiedet.

ANTICHRIST präsentieren sich danach zwar deutlich tighter und sind die spielerisch bessere Band, aber Nocturnal können sie stimmungstechnisch nicht übertreffen. Weil man sich aber darüber freuen darf, die Schweden überhaupt mal live zu sehen (zwischenzeitlich gab es kein stabiles Line-up), verlässt niemand freiwillig den inzwischen rappelvollen Saal. Die mit viel Energie und Speed runtergeschredderten Thrash-Attacken treffen (nicht nur) für meinen Geschmack mitten ins Schwarze und werden auch optisch gut umgesetzt, obwohl die Jungs live deutlich „ungefährlicher“ wirken als auf ihren Promofotos. Authentisch as fuck sind sie trotzdem, das merkt auch der inzwischen glücklich vor sich hin sabbernde Himmelstein.

Und dann können auch KETZER, die den ganzen Tag über nüchtern bleiben mussten, endlich loslassen und Gas geben - was sie getreu ihrem „Endzeit Metropolis“-Motto tun, als gäbe es kein Morgen mehr. Das Bühnenbild ist atmosphärisch und stimmig, aber nicht überladen; die Band selbst wirkt - das weiß ja inzwischen eh jeder - geschlossener als die meisten anderen. Man kann den fünf Black-Thrashern quasi dabei zusehen, wie sie täglich besser werden - was für den sympathisch-souveränen Frontmann Infernal Destroyer genauso gilt wie für alle vier Instrumentalisten. Bei Ketzer spürt und sieht jeder, dass es die Band wirklich wissen will, und der Funke springt sofort auf das Publikum über. Die Jungs nimmt man einfach ernst - egal, ob man 20 oder 40 ist. Sie sind ja auch längst keine Greenhorns mehr, die unsicher auf der Bühne herumhampeln oder albern (sprich wirkungslos) abposen. „Das Ende der Welt“ sehe ich zwar nicht unbedingt auf mich herniederkommen, aber ansonsten wird das „Endzeit“-Motto des neuen Albums gut umgesetzt. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass Ketzer noch ein gewaltiges Wörtchen in der europäischen Black-Thrash-Szene mitreden werden.

Setlist KETZER:

Intro
Endzeit Metropolis
A Requiem For Beauty
The Fever´s Tide
Warlust
Redeemed By Truth
To Each Saint His Candle
Satan´s Boundaries Unchained
Farewell, Fade Away
Collector Of Worlds
Aesthetics And Ecstasy
The Fire To Conquer The World
He Who Stands Behind The Rows

Bands:
DIABOLICAL IMPERIUM
ANTICHRIST
KETZER
ALCHEMYST
NOCTURNAL
Autor:
Götz Kühnemund

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