Schwatzkasten

Schwatzkasten 24.05.2017

BLUES PILLS - ELIN LARSSON (BLUES PILLS)

Die Shootingstars von BLUES PILLS existieren erst seit 2011, konnten ihr aktuelles Album „Lady In Gold" aber bereits auf Platz eins der deutschen Albumcharts parken. Einen großen Anteil am Erfolg der schwedisch-amerikanisch-französischen Bluesrock-Gemeinschaft hat Ausnahmesängerin Elin Larsson, die mit ihrer kraft- und gefühlvollen Stimme in der Tradition von Aretha Franklin und Janis Joplin für Gänsehaut sorgt. Im Schwatzkasten gibt die 28-jährige Schwedin etwas von ihrer privaten Seite preis und beweist, dass sie trotz des Erfolgs auf dem Teppich geblieben ist.

Elin, wo bist du aufgewachsen?

»Ich bin in Östersund groß geworden, einer kleinen Stadt im mittleren Norden von Schweden, nah an Norwegen. Seit sechs Jahren wohne ich aber in Örebro. Manchmal vermisse ich einige meiner Familienmitglieder und alte Freunde aus Östersund. Dort oben gibt es viele Berge, ein wirklich schönes Landschaftsbild. Örebro ist hingegen sehr flaches Land.«

Was ist deine schönste Kindheitserinnerung?

»(Überlegt.) Habe ich welche? (Lacht.) Ich erinnere mich gern daran, wie ich mit meiner Mutter und meiner Schwester im Sommer mal Urlaub in Uppsala gemacht habe. Dort haben wir uns die Statue des Kinderbuchcharakters Pelle Svanslös angesehen, eine Katze ohne Schwanz.«

Sind deine Eltern stolz auf dich?

»Ich hoffe (lacht). Ja, ich denke schon. Meine Mutter hat sich auch schon einige Shows von uns angesehen.«

Warst du in der Schule ein ruhiges Kind, oder hast du zu den Troublemakern gehört?

»Ich sorgte immer für Ärger. Ich hatte in der Schule eine schwere Zeit. Einige der Jungs ließen mich einfach nicht in Ruhe, weshalb ich mich nicht konzentrieren konnte. Zudem waren wir sehr viele Schüler in einer Klasse, und die Lehrer konnten das Chaos kaum bändigen. In dem damaligen Alter ärgerten dich die Jungs, weil sie heimlich in dich verliebt waren. Ich fand sie aber alle doof, weil sie sich mir gegenüber als totale Arschlöcher aufspielten (lacht). Ich war immer mehr ein Troublemaker und schwänzte auch später oft die Schule. Das änderte sich erst, als ich zur Musikschule ging, wo ich dann eher die Streberin war (lacht). Dort habe ich viele andere Außenseiter kennengelernt, mit denen ich mich viel besser verstand.«

Was ist deine beste Charaktereigenschaft?

»Ich bin ein geselliger Mensch, mit mir kann man gut rumhängen. Jetzt willst du wahrscheinlich auch meine schlechteste Eigenschaft erfahren?«

Genau.

»Ich bin manchmal wohl zu ehrlich und sollte ab und zu besser meine Klappe halten.«

Kannst du dich an den schlechtesten Gig deiner Karriere erinnern?

»Da gab es einige. Der schlimmste war wohl, als wir auf dem Metaldays in Slowenien gespielt haben. Das ist noch nicht sonderlich lange her. Es war so warm, dass ich die ganze Show über das Gefühl hatte, gleich zu sterben. Jeder Atemzug schmerzte in den Lungen, und ich bekam nicht genügend Sauerstoff. Ich wäre fast in Ohnmacht gefallen und musste mich nach der Show von einem Arzt durchchecken lassen, weil ich mich überhitzt hatte. Ich bin ein bleiches skandinavisches Mädel, das es nicht gewohnt ist, in der prallen Sonne auszuharren (lacht).«

Welche Songs singst du unter der Dusche?

»Eigentlich singe ich jedes Mal andere Lieder. Manchmal entwickle ich beim Duschen meine eigenen Melodien. ´Gone So Long´ basiert zum Beispiel auf einer meiner Melodien, die ich unter der Dusche gesungen habe.«

Hast du ein Idol?

»Ja, eine ganze Menge. Meine Schwester ist ein Idol für mich. Schon seitdem wir Kinder sind, passt sie auf mich auf und unterstützt mich. Sie ist ein sehr cleveres Mädel. Meine Mutter ist natürlich auch sehr wichtig für mich. Und musikalisch sind zum Beispiel Aretha Franklin und Brittany Howard von Alabama Shakes Vorbilder für mich.«

Glaubst du an Gott oder eine höhere Macht?

»Ich glaube nicht an Gott oder den Teufel. Bezüglich einer höheren Macht bin ich gespalten. Ich glaube eher an Energien und Karma. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass da oben jemand sitzt, der über alles bestimmt. Ich wurde noch nicht mal getauft, bin also nicht sonderlich religiös.«

Hältst du es für wichtig, dass Künstler politische Statements abgeben?

»Ja, besonders in der heutigen Zeit, die von Falschmeldungen und Propaganda geprägt ist, finde ich es wichtig, dass jedermann seine Meinung kundtut. Auch wenn das manchmal Angst einflößend sein kann. Am Ende des Tages sind wir alle keine Künstler, sondern auch nur normale Menschen. Ich finde es frustrierend, wenn Leute behaupten, dass Künstler oder öffentliche Personen mit ihrer politischen Meinung hinterm Berg halten sollten. Sie sind auch nur Menschen, und natürlich haben sie auch eine Meinung zu den politischen Themen, denn sie sind ebenfalls davon betroffen.«

Kannst du dich an deinen ersten Alkoholrausch erinnern?

»Oh ja. Ich habe zu früh damit angefangen, mit 13 Jahren. Ich klaute mit meinen Freunden in einem Geschäft Light-Bier. Davon haben wir zwei getrunken, bevor wir uns übergeben mussten.«

Warst du schon mal in einen Autounfall verwickelt?

»Ja, allerdings waren das immer nur kleine Zusammenstöße. Ich tanzte als Kind mit Freunden in einer HipHop-Tanzgruppe (lacht). Als wir einmal zur Probe fuhren, wurden wir auf einer Kreuzung von einem anderen Fahrzeug gerammt und mussten daraufhin unsere Probe absagen.«

Gibt es etwas, das du nicht ausstehen kannst?

»Rassismus und Sexismus. Und Tyrannen.«

Was war das Dümmste, das du jemals getan hast?

»Ich mache ständig dumme Sachen. Zum Beispiel verlege ich dauernd Gegenstände und behaupte dann immer sofort: „Jemand hat es gestohlen!" Nachdem ich kurz Panik geschoben und alle verrückt gemacht habe, finden sich die Sachen aber meist sehr schnell wieder (lacht).«

Hat dich schon mal ein Mann vor die Wahl gestellt: Ich oder die Musik?

»Nein.«

Gibt es eine Musikrichtung, die du überhaupt nicht leiden kannst?

»Ich kann Pagan Metal nichts abgewinnen, die Flöten gehen mir auf den Keks. Ich habe aber auch generell eine Abneigung gegen Flöten, das ging schon in der Grundschule los, als wir gezwungen wurden, Blockflöte zu lernen. Operngesang im Metal ist ebenfalls nicht meine Welt, für mich funktioniert da nur das eine oder das andere.«

Hast du neben der Musik noch andere Hobbys?

»Ich gehe mittlerweile viel joggen, das ist wohl mein neues Hobby. Derzeit bin ich aber krank und deprimiert, weil ich drei Wochen nicht joggen konnte. Wenn ich fit bin, gehe ich sonst jeden Tag laufen. Mir geht es weniger um den Fitness-Aspekt – wobei ich es schon toll finde, durch den Sport essen zu können, worauf ich Lust habe –, sondern darum, dass es mich mental glücklich macht. Man braucht keine Pillen, du musst nur losrennen. Ansonsten interessiere ich mich sehr für Mode und habe Spaß daran, neue Modeschöpfer und ihre Kreationen zu entdecken. Auf Heim-Dekor stehe ich auch.«

Sammelst du etwas?

»Kleidungsstücke und Platten, wobei das mit den Kleidern langsam überhandnimmt, ich habe viel zu viele. Allerdings stammt das meiste aus Second-Hand-Läden, ich habe also kein Vermögen dafür ausgegeben.«

Würdest du dich als guten Koch bezeichnen?

»Wenn du mich vor einem Jahr gefragt hättest, hätte ich dir gesagt, dass ich am Herd eine absolute Null bin. Aber seit einem Jahr habe ich mich ins Kochen hineingefuchst und bin mittlerweile ein absoluter Chefkoch (lacht). Am besten gelingen mir Tapas, wobei ich nicht weiß, ob sie dem Urteil eines gebürtigen Spaniers standhalten würden. Aber ich mag sie sehr gern. Ich liebe es zu kochen und vermisse das auf Tour sehr. Allerdings sammle ich unterwegs neue Rezepte, die ich dann zu Hause nachkochen kann.«

Was ist für dich das Wichtigste im Leben?

»Glücklich zu sein. Man sollte immer die Zeit haben, sein Glück schätzen zu können. Als unser erstes Album durch die Decke ging, kam ich gar nicht dazu, unser Glück voll auszukosten, weil wir ständig unterwegs waren und so viel um die Ohren hatten. Dabei ist es sehr wichtig für das eigene Glücksgefühl, sich seines Glückes bewusst zu werden. Natürlich klappt das nicht immer, und es gibt auch mal Tage, an denen man deprimiert ist oder sich mit unangenehmen Dingen rumschlagen muss. Aber eigentlich sind das Luxusprobleme der westlichen Welt.«

Wann hast du das letzte Mal geweint?

»Oh Mann, ich heule ständig. Mir kommen schon bei einem traurigen oder süßen YouTube-Clip die Tränen. Ich bin sehr emotional.«

Ist dir schon mal ein Die-hard-Fan auf die Nerven gegangen?

»Ja, aber ich bin sehr schlecht darin, die Leute mit ihrem Fehlverhalten zu konfrontieren. Auf der letzten Tour gab es einige Fans, die mich nicht in Ruhe gelassen haben, auch nachdem ich ihnen alles signiert und ausgiebig mit ihnen gesprochen hatte. Sie waren wesentlich größer als ich, und es hat mir tatsächlich etwas Angst bereitet, alleine vom Venue zum Bus zu laufen. Das hängt aber auch damit zusammen, dass ich es total unheimlich finde, wenn Leute einen anglotzen. Das würde mich auch bei alltäglichen Erledigungen in meiner Heimatstadt Örebro beunruhigen.«

Was war der schlimmste Job, mit dem du deinen Lebensunterhalt bestritten hast?

»Ich hatte immer Glück mit meinen Jobs. Ich habe mal in einem Altenheim gearbeitet. Ich wollte diese Erfahrung machen, aber natürlich gehen damit auch einige unangenehme Arbeiten wie Windeln wechseln einher. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt und finde es auch wichtig, mal einen sozialen Dienst absolviert zu haben. Was mich mehr ausgebrannt hat, waren die Jobs als Barkeeper und Kellner. Ich war damals ein Workaholic – und bin es wahrscheinlich immer noch – und habe eine Zeit lang tagsüber in einem Café und abends in einer Kneipe gearbeitet. Das war ein niemals endender Arbeitskreislauf.«

Wie entspannst du dich?

»Ich relaxe nicht gern. Ich absolviere einige Yoga-Übungen, aber das mache ich mehr als Workout. Mir wurde schon nahegelegt, mich mehr mit Meditation auseinanderzusetzen. Aber mir wird bei so was schnell langweilig. Ich muss mich einfach bewegen und ins Schwitzen kommen. Ich finde es aber entspannend, einen Film zu schauen oder mit Freunden Musik zu hören.«

Was würdest du tun, wenn du einen Tag lang unsichtbar wärest?

»Ich würde mich ins Weiße Haus schleichen und Donald Trumps Sachen durcheinanderbringen. Es wäre sehr lustig, seinen verwirrten Gesichtsausdruck zu sehen.«

Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

»Amy Schumers Autobiografie „The Girl With The Lower Back Tattoo", aber ich bin keine gute Leserin.«

Hast du einen Lieblingsfilm?

»Ich stehe sehr auf Filme. Ich liebe Adam Sandler, den viele Leute total bescheuert finden, u.a. der halbe BLUES PILLS-Tourtross. Dabei gucke ich mir so gern „Happy Gilmore" an, während die anderen daneben sitzen und mich fragen, was zur Hölle daran witzig sein soll. Ben Stiller finde ich auch super. Einen Lieblingsfilm habe ich nicht, aber wir schauen auf Tour immer wieder „Grease" und singen die Songs mit (lacht). „Anchorman" lief auch schon einige Male.«

Wie würdest du deinen letzten Tag im Leben verbringen wollen?

»Mit meinen Liebsten.«

Welche drei Alben würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?

»Graham Nash - „Songs For Beginners", Joni Mitchell - „Blue" und November - „En ny tid är här".«

Was ist die wichtigste Erfindung der Menschheit?

»Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Vermutlich Kopfhörer. Eigentlich könnte ich auch Mikrofon sagen, aber als ich angefangen habe zu singen, geschah das ohne Mikrofon.«

Bist du Vegetarierin, oder isst du Fleisch?

»Ich bin Flexitarierin und versuche, mich so gesund wie möglich zu ernähren. Als wir noch sehr arm waren, hatten wir kein Geld für gutes Essen und mussten uns von billigen Hot Dogs ernähren. Mittlerweile achte ich hingegen auf ökologische Aspekte und stelle sicher, dass mein Essen biologisch angebaut wurde.«
Welcher Song sollte auf deiner Beerdigung laufen?

»Irgendetwas Positives, ich möchte nicht, dass die Leute zu viel weinen. Wahrscheinlich würde ich was von den Beatles wählen.«

www.facebook.com/bluespills

Diskografie

Black Smoke (7", 2012)
Bliss (EP, 2012)
Devil Man (EP, 2013)
Live At Rockpalast (EP, 2014)
Blues Pills (2014)
Blues Pills Live (live, 2015)
Lady In Gold (2016)

Bands:
BLUES PILLS
Autor:
Ronny Bittner

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