Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.10.2012

HELSTAR , THE ORDER OF CHAOS , EMERALD - Dornbirn, Conrad Sohm

Trotz erbärmlicher Kulisse rocken die trinkfesten Kanadier THE ORDER OF CHAOS gleich mächtig los. Die Band aus der Metal-Town Edmonton (u.a. Striker, Mortillery) zeigt Kämpferqualitäten, bangt vor 20 Mann, als ginge es um ihr Überleben, und die hübsche Frontsirene Amanda stolziert und robbt beständig über der Bühne wie Angus Young in den seligen Siebzigern - Publikumsausflüge inklusive.

Stücke wie ´Victim Of Circumstance´ oder der geniale Schlusspunkt ´Dark Lord´ erinnern an Bands wie Forbidden, Flotsam And Jetsam oder Huntress. Und während Amanda bangend und kreischend auf dem Rücken des Gitarristen Simon über die Bühne getragen wird, ist klar, warum genau diese Lady Stu Block (Iced Earth) bei Into Eternity ersetzt. Unkonventionell und genial!

Nach dieser Steilvorlage möchte man meinen, dass es EMERALD schwer fallen würde, das Level zu halten. Weit gefehlt! Die stilistisch zwischen Medieval Steel, Omen und Maiden zu „Powerslave"-Zeiten angesiedelten Songs der Schweizer sind nicht nur erfrischend effektiv. Die Jungs verstehen es auch wie Helloween in den Achtzigern, den unglaublichen Spaß, den sie auf der Bühne haben, ins Publikum zu transportieren. Und tatsächlich klingt Sänger Thomas Winkler wie Michael Kiske mit Eiern. ´Tears Of A Warrior´, ´Witches Tower´ und die Bandhymne ´Emerald Knight´ drücken das Stimmungsbarometer gnadenlos nach oben, und ich frage mich ernsthaft, warum diese Band nicht schon längst besser gebucht ist. Zu wenig exotisch? Scheiß drauf! Emerald - that´s Metal!

HELSTAR feiern ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, haben eine eigene Stilrichtung des Heavy Metal begründet und sind eine der ganz wenigen Bands, die auf ihren aktuellen Alben mindestens so geile Songs am Start haben wie anno dazumal. Live fahren Stücke wie ´Pandemonium´, ´Angels Fall To Hell´ oder die Abrissbirne ´Alma Negra´ jedenfalls genau so geil ins Gebein wie ´The King Is Dead´, ´Evil Reign´ oder das epische ´Winds Of War´. Und nach einer Ermahnung von James in Richtung Mischer („The sound is as dry as a 90 year old pussy!") ist auch klanglich alles im Lot. Natürlich dürfen Klassiker wie ´Baptized In Blood´ oder das unsterbliche ´Run With The Pack´ nicht fehlen, aber die Kirsche auf der Torte sind definitiv Perlen wie ´To Sleep Per Chance To Scream´ oder das selten gespielte ´Good Day To Die´ von der unterbewerteten „Multiples Of Black"-Scheibe. Im Gegensatz zu vielen anderen „alten" Bands sind Helstar in der Form ihres Lebens. Rob und Larry sind ohnehin Gitarrengötter, Drummer Mickey ist eine Wucht, und James Rivera singt von Jahr zu Jahr noch besser. Keiner merkt, dass James eine Beinschiene unter der Lederhose trägt, weil er einen Unfall hatte. Und Basser Jerry - auf der Bühne ein grinsender, dauerbangender Aktivposten - leidet an bösartigem Magenkrebs. Für Helstar kein Grund, nicht auch vor 50 Nasen alles zu geben.

Setlist HELSTAR:

Angels Fall To Hell
Dark Queen
The King Is Dead
Toward The Unknown
The Plague Called Man
Pandemonium
To Sleep Per Chance To Scream
Winds Of War
Good Day To Die
Trinity Of Heresy
Evil Reign
Baptized In Blood
Alma Negra
King Of Hell
Run With The Pack

Pic: Kerstin Brümmer

Bands:
EMERALD
THE ORDER OF CHAOS
HELSTAR
Autor:
Bruder Cle

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos