Classic Albums

Classic Albums 16.09.2009

VOIVOD - Dimension Hatröss

Von den vielen Alben, die die kanadischen Sci-Fi-Metaller/Cyberpunks im Laufe ihrer langen, von etlichen Schicksalsschlägen gebeutelten Karriere veröffentlicht haben, gehört ein knappes halbes Dutzend in die Kategorie Klassiker. Dazu zählen neben den herrlich melodischen, stellenweise beinahe wavigen „Nothingface“ und „Angel Rat“ vor allem das Drittwerk „Killing Technology“ und der Nachfolger „Dimension Hatröss“, mit denen die „thinking man´s band“ aus dem kanadischen Quebec Ende der Achtziger frischen Wind in die Thrash-Metal-Szene brachte.

»Ich kann mich noch sehr gut entsinnen, dass 1987 ein sehr intensives, ereignisreiches Jahr für uns war«, beginnt Alt-Hippie Michel „Away“ Langevin (dr.) seine Ausführungen. »Unter anderem waren wir mit Kreator in den USA und Europa ausgiebig auf Achse, um „Killing Technology“ gebührend zu promoten. Und zwischen den beiden Tourneen komponierten wir die Songs für „Dimension Hatröss“, weil wir die Scheibe direkt im Anschluss in Berlin aufnehmen mussten.«
Und zwar im Musiclab-Studio von Harris Johns, der sich in den Monaten davor einen guten Ruf als Metal-Produzent von Acts wie Kreator („Pleasure To Kill“), Helloween („Walls Of Jericho“) und Sodom („Persecution Mania“) erarbeitet hatte.

»Mit Harris kamen wir prima klar. Er hatte ja auch schon „Killing Technology“ produziert. Außerdem waren wir eine Art Traumband für ihn, weil wir schon seit jeher sehr experimentierfreudig waren. Vor allem Blacky und Piggy haben viel ausprobiert, und Snake hat das Intercom-System des Studios für seinen Gesang verwendet. Das war im Vorfeld aber auch so beabsichtigt, weil „Dimension Hatröss“ ein Konzeptalbum über ein Experiment in einem Labor ist.«
Die abgefahrene Story gehört noch heute, also über zwei Dekaden später, zu den ambitioniertesten der Metal-Geschichte und ist inzwischen sogar - zumindest teilweise - von der Realität eingeholt worden.
»In der Geschichte geht´s um diesen gigantischen Teilchenbeschleuniger, der durch einen Mini-Urknall ein Mikrouniversum im Labor kreiert, in das dann der Voivod reist, um die Evolution zu studieren. Leider endet die ganze Chose in einem Krieg mit apokalyptischen Ausmaßen, woraufhin der Voivod versucht, das Experiment abzubrechen, weil es ein völliger Fehlschlag ist. Inspiriert zu der Geschichte wurde ich vor allem durch die beiden Wissenschaftsmagazine „Omni“ und „Discover“, die sich seinerzeit mit Vorliebe damit beschäftigten, was in 20 oder 25 Jahren technisch alles möglich sein könnte. Diese riesigen Teilchenbeschleuniger existieren mittlerweile wirklich«, fasst Away, der auch das Albumcover von „Dimension Hatröss“ gezeichnet hat, das Konzept des vierten VOIVOD-Longplayers kurz zusammen.
»Ob ich mit dem Artwork zufrieden bin? Ich denke, es passt gut zur Musik. Das Cover von „Dimension Hatröss“ ist übrigens das letzte von insgesamt nur vier Bildern, die ich je gemalt habe. Wenig später bin ich nämlich auf Computer-Art umgestiegen, weil ich begriffen habe, dass ich extrem viel üben muss, bevor aus mir ein richtiger Maler wird. Und dazu fehlte mir einfach die Zeit. Außerdem war, bin und bleibe ich in erster Linie Drummer.«
...der ebenso wie seine Bandkollegen schon anno 1988 Kultstatus genoss, wenn man dem fetten Sticker auf der Original-Langspielplatte - damals war Vinyl noch die Regel und nicht die Ausnahme - glaubt, auf dem der reißerische Slogan „Canada´s Nuclear Metal warriors. More psychedelic than ever. The cult lives!“ zu lesen ist.

»Den Spruch hatte sich unsere Plattenfirma ausgedacht. Dass wir damals schon Kult waren, finde ich im Rückblick amüsant. Ich dachte eigentlich immer, dass man diesen Status erst nach vielen Jahren erreicht.«
Eigentlich schon, aber VOIVOD waren schon immer anders als andere Bands und ihrer Zeit teilweise weit voraus. Das dokumentieren auch die Höhepunkte von „Dimension Hatröss“ wie ´Tribal Convictions´, ´Brain Scan´, ´Chaosmöngers´ und ´Macrosolutions To Megaproblems´, von denen das Kleeblatt inzwischen nur noch die ersten beiden Tracks live spielt.
»Mehr ist leider nicht drin, weil wir einfach aus zu vielen Alben auswählen können. Mir persönlich bedeutet ´Tribal Convictions´ am meisten, weil wir mit dem Song bzw. dem dazugehörigen Videoclip den Durchbruch geschafft haben. Das Pink-Floyd-Cover ´Astronomy Domine´ vom nächsten Werk „Nothingface“ hat dann sogar noch mehr Airplay erhalten. Damals haben wir noch von jeder Platte etwas mehr verkauft als vom Vorgänger, was in den Achtzigern aber ein ganz normaler Prozess war. Dadurch wurden schließlich auch Majorlabels wie MCA auf uns aufmerksam, die „Nothingface“ dann in Nordamerika veröffentlicht haben.«
...während die mal als „Wundertüte“, mal als „Eier legende Wollmilchsau“ apostrophierte Combo in Europa weiterhin beim renommierten Hartwurst-Indie Noise Records (u.a. Helloween, Kreator, Running Wild, Celtic Frost, Rage), sprich: Böhse-Onkelz-„Entdecker“ Karl-Ulrich Walterbach unter Vertrag stand.
»Noise haben sich immer sehr große Mühe gegeben, uns adäquat zu promoten, was nicht ganz einfach war. Dafür war unsere Musik einfach zu schräg. Mit Karl selber hatten wir eine gute Geschäftsbeziehung, und weil Noise ja in Berlin saßen, hat man sich auch des Öfteren gesehen. Damals ging dort richtig die Post ab, was auch daran lag, dass Berlin damals noch durch die Mauer geteilt war. Diese ganz besondere Atmosphäre - aufgrund des neutralen Status der Stadt wimmelte es in Berlin nur so von Künstlern aus West-Deutschland, die nicht zur Armee wollten - hat sich dann auch massiv im Charakter bzw. Sound der beiden Alben niedergeschlagen. Außerdem entsinne ich mich, dass uns Kreator im Studio besucht haben, als wir „Dimension Hatröss“ aufgenommen haben.«
Die Platte wurde über Weihnachten und Silvester 1987 im Musiclab-Studio im Stadtteil Kreuzberg eingestielt. Die Feiertage verbrachten die vier Frankokanadier also erstmals fern der Heimat.
»Das war für uns kein Problem. Im Gegenteil: Das Feuerwerk an Silvester war gigantisch und eine ganz neue Erfahrung für uns, weil es in Quebec zu der Jahreszeit in der Regel minus 30 Grad kalt ist.«


www.voivod.net
www.myspace.com/voivod


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Das Line-up auf „Dimension Hatröss“

Denis „Snake“ Belanger (v.)
Denis „Piggy“ D´Amour (g.)
Jean-Yves „Blacky“ Theriault (b.)
Michel „Away“ Langevin (dr.)

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Fakten, Fakten, Fakten

Songs: 9
Spielzeit: 41:37
Produzent: Harris Johns & Voivod
Studio: Musiclab (Berlin)

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DISKOGRAFIE (nur Studioalben)

War And Pain (1984)
Rrröööaaarrr (1986)
Killing Technology (1987)
Dimension Hatröss (1988)
Nothingface (1989)
Angel Rat (1990)
The Outer Limits (1992)
Negatron (1995)
Phobos (1997)
Voivod (2000)
Katorz (2006)
Infini (2009)

Bands:
VOIVOD
Autor:
Buffo Schnädelbach

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