Festivals & Live Reviews


Pic: Ludwig Krammer

Festivals & Live Reviews 10.04.2019, 16:49

DEVIN TOWNSEND - Köln, Kulturkirche

DEVIN TOWNSEND hat mit „Empath“ nicht nur ein extrem mutiges Album veröffentlicht, sondern wagt auch bei der Live-Präsentation neue, für ihn ungewohnte Wege. Statt wie gewohnt mit großer Show und Backing-Band zu arbeiten, lädt das kanadische Multitalent zu einer Akustik-Tour mit integrierter Q&A-Session. Das Publikum hat das Angebot dankbar angenommen und alle Deutschland-Shows binnen kürzester Zeit ausverkauft.


In Köln bespielt Devin die schöne Kulturkirche, in der einige Tage zuvor noch Long Distance Calling gastiert haben. Lauter Applaus brandet aus den gut gefüllten Kirchbänken auf, als Devin um kurz vor 20 Uhr leger gekleidet die Bühne betritt. Während Kollege Ludwig Krammer vom München-Konzert „von einem bestens aufgelegten Devin“ zu berichten wusste (sein Live-Review findet ihr in Rock Hard. Vol. 385), braucht der Mastermind heute etwas, um warm zu werden. Der Kanadier gibt in seinen Ansagen offen zu, dass heute „ein eigenartiger Tag“ sei, der ihm bisher nicht wohlgesonnen war. Und so gibt es zu Beginn erstmal einen kleinen Jam zu hören, weil Devin noch nicht nach Reden ist. Bei 'Let It Roll' lässt der Künstler dann erstmals seinen extrem facettenreichen Gesang erklingen, und auch das emotionale 'Funeral' sorgt für Gänsehautmomente. Ein absolutes Highlight ist 'Deadhead', das auch in der Akustikversion nichts von seiner Intensität verliert und in der Mitte mit einem Part aus 'Watch You' angereichert wird. Devins Laune erhellt sich zunehmend, das Eis zwischen Künstler und Publikum bricht endgültig, als am Ende des düsteren Strapping-Young-Lad-Stücks 'Love?' auf einmal 'Schnappi, das kleine Krokodil' eingespielt wird, was für den Lacher des Abends sorgt. „Das sollte vor der Show eigentlich als Intro laufen, schön, dass die Technik sich entschieden hat, es jetzt zu bringen“, zeigt sich Devin amüsiert. Der Musiker ist nun aufgetaut und lässt in seinen Ansagen immer wieder in sein Seelenleben blicken. Bei einigen anderen Tracks kann man sich allerdings ein wenig daran stören, dass Devin die Performances immer wieder für lustige Ansagen unterbricht, oder zum Beispiel bei 'Coast' versucht, das fehlende Drum- und Bassarrangement vokal nachzuahmen. So amüsant diese Einlagen sind, sie reißen einen auch immer wieder aus der intensiven Atmosphäre des jeweiligen Tracks heraus. Warum der Musiker sich dieses Mittels bedient, wird in der Frage-und-Antwort-Runde deutlich, für die der Musiker auf einem Stuhl Platz nimmt. Auf eine Frage nach seiner intensiven Gesangsperformance antwortet der 46-Jährige: „Ich finde, dass Kunst immer am besten ist, wenn sie ehrlich ist. Deshalb setze ich ungern 'Masken' bei meiner Performance auf. Wenn man sich so offen gibt, ist man auch sehr verwundbar.“

Nach einer Pause, scheint Devin dann allerdings noch gelöster, weshalb es mit dem wunderbaren 'Terminal' und 'Sister' sogar zwei Tracks ohne jegliche Unterbrechung zu hören gibt. Danach gibt es eine weitere Q&A-Runde, in der Devin über seine Introvertiertheit spricht und in lustigen Anekdoten preis gibt, wie er das Singen erlernt hat. Als Abschluss kommt das federleichte 'Life' zum Einsatz, bei dem das Publikum die Refrain-Zeile 'See you on the other side' übernimmt.

Was bleibt, ist die Erinnerung an einen durch und durch unterhaltsamen Abend, der einem vor Augen führt, dass auch Künstler nur Menschen sind, die ihre Laune und Performance nicht wie eine Maschine abrufen können. Devin hat an diesem für ihn wohl eher trüben Tag das Maximum aus sich herausgeholt und dafür gebührt ihm Respekt - genau wie für seine Ehrlichkeit und den Mut, sich auf dieser Tour so „nackt“ zu präsentieren und eben nicht hinter einer Armada E-Gitarren, Keyboards und Effekten zu verstecken.


SETLIST

Let It Roll
Funeral
Deadhead/Watch You
Ih-Ah!
Hyperdrive
Love?
Coast
Divine
Solar Winds
Q&A Part 1

-- Pause --

Bring Him Home (Les Miserables)
Terminal
Sister
Q&A Part 2
Life

Bands:
DEVIN TOWNSEND
Autor:
Ronny Bittner

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