Interview


Pic: Cecil Shang Whaley

Interview 27.04.2022, 14:21

DEVIL MASTER - Hirngespinst

Obwohl DEVIL MASTER aktiv gegen Genre-Begrenzungen und sonstige Limitationen und „Trueness“-Ansprüche arbeiten, sind sie gerade im stilbewussten Szene-Underground aktuell der heiße Scheiß: Die Band aus Pennsylvania wandert auf den Pfaden von Venom, Bathory und G.I.S.M., kreiert daraus allerdings eine eigene, unheimlich spannende Identität, der wir uns im Gespräch mit Gitarrist Darkest Prince Of All Rebellion alias Francis Kano versuchen zu nähern.

Für einige von euch stellt DEVIL MASTER die erste Banderfahrung dar. Wie kam es überhaupt zu dem Zusammenschluss?

»Infernal Moonlight Apparition gründete die Band zusammen mit mir, Sänger Disembody Through Unparalleled Pleasure und den jeweiligen Mitgliedern Spirit Mirror und Del, die die Band inzwischen verlassen haben. Unsere ursprüngliche Absicht war es, eine reine Hommage an den dämonischen, metallischen und theatralischen Metal-Punk aus Japan der frühen Achtzigerjahre a la G.I.S.M., Mobs, Zouo, Gastunk, Ghoul usw. zu bilden. Ich habe seit 13 Jahren mein eigenes Soloprojekt Cape Of Bats, das viele Ähnlichkeiten mit dem vampirisch angehauchten Metal-Punk von DEVIL MASTER aufweist. Als sich die jeweiligen Mitglieder kurz vor der Pandemie trennten, rekrutierten wir Festering Terror In Deepest Catacomb alias Chris Ulsh von u.a. Power Trip, Mammoth Grinder und Impalers am Schlagzeug sowie an den Keyboards. Disembody übernahm neben den Vocals nun auch den Bass. In dieser Konstellation probten und nahmen wir das neue Album auf, ehe es am 30. April, der Walpurgisnacht und der Nacht, in der die Geister vor dem wiedergeborenen heidnischen Neujahr frei umherstreifen dürfen, im Kasten war. Nun wird die Platte fast auf den Tag genau am 29. April veröffentlicht.«

Die Einflüsse frühen japanischen Hardcore-Punks hört man auch heute noch heraus. Welchen Bezug habt ihr sonst zu Bands und Kulturen aus Japan?

»Es war eine so einzigartige Szene, der man kaum gerecht werden konnte, wenn man von einigen wenigen Bands absieht, bei denen man diesen Einfluss über die Jahrzehnte hinweg erkennen kann. Es scheint, als würde jeder lieber D-Beat spielen bis zum Gehtnichtmehr. Die Ästhetik und der Sound dieser Punkbands war metallisch und satanisch, lange bevor das zu einer breit akzeptierten Mischung wurde. Dieser Geist ist auch heute noch lebendig, wie man am Beispiel moderner Bands wie Sex Messiah, Doraid, Parasite, G.A.T.E.S und den berüchtigten Metal Skull (R.I.P.) hören kann. Nicht zu vergessen sind auch die immerwährenden Sabbat!«

Auf der anderen Seite spiegeln sich auf „Ecstasies Of Never Ending Night“ auch Bezüge zu Venom, Bathory, Motörhead und Midnight wider. Unter einem eurer Videos heißt es in einem Kommentar: „An diesem Punkt sind DEVIL MASTER mehr Venom als Venom oder Venom Inc. es heutzutage sind! Wenn dich das nicht in das Jahr 1984 und den Höhepunkt der ersten Welle des Black Metal zurückversetzt, kann ich dir nicht helfen", und das finde ich ziemlich passend. Wie sehr habt ihr euch musikalisch, aber auch ideologisch mit der ersten Welle des Black Metal auseinandergesetzt?

»Das Beste an der ersten Welle des Black Metal ist, dass es schlicht die erste Welle war: Es gab keine Regeln, und er wurde erst viel später so benannt! Alle Bands aus dieser Zeit schöpften aus ihren eigenen, einzigartigen Einflüssen, anstatt irgendetwas zu befolgen, das dogmatisch „Black Metal“ genannt wurde. Wenn man von meiner Beschreibung des frühen japanischen Punk-Metals ausgeht, könnte man fast behaupten, dass sie in die Beschreibung der ersten Welle passen, und wegen dieser Ähnlichkeiten war es unvermeidlich, dass wir aus diesen Gründen auch mit Black Metal verglichen wurden. Natürlich sind wir große Fans all dieser Bands und Stile, aber wir hatten nie die Absicht, diese zu kopieren.«

Es gibt ja durchaus auch Unterschiede: Der Satanismus bei Venom war beispielsweise nur ein Image, während er für DEVIL MASTER und in eurem persönlichen Leben ein echter, substantieller Bestandteil ist. An anderer Stelle habt ihr erwähnt, dass ihr diesen Satanismus mit Anti-Konservatismus, Progression und Rebellion verbindet. Worauf bezieht ihr euch theoretisch bzw. ideologisch und würdest du sagen, dass Subgenres wie NSBM einen Widerspruch dazu darstellen?

»Das ist genau der Grund, warum ich mich viele Jahre lang naiv geweigert habe, Venom zu hören, als ich als junger Satanist davon las, lange bevor ich den Metal entdeckte. Ich finde schon, dass Satanismus ein Tor zu einer ernsthafteren Spiritualität sein sollte, weg von den Fesseln des sich selbst verleugnenden Todeskults, der das Christentum ist. Auf diese Weise steht er gegen jede konventionelle Moral und für die Erfüllung des Einzelnen. Ich muss sagen, dass ich persönlich nicht an das Wort Progression oder irgendetwas, das mit der Gesellschaft als Ganzes zu tun hat, glaube, da die Menschheit von Natur aus fehlerhaft ist und der spirituelle Weg ausschließlich der des Einzelnen ist. Auf diese Weise sind alle politischen Bewegungen oder Ideologien, wie du sie erwähnt hast, auf dem Weg zur Erleuchtung irrelevant.«

Wie viel rebellisches Potenzial siehst du heutzutage im (Black) Metal oder in der Rockmusik allgemein?

»So wie mir der Glaube an den allgemeinen „Fortschritt“ der Menschheit fehlt, sehe ich auch nicht viel Hoffnung für eine wirkliche Rebellion, vor allem nicht in begrenzten Musikgenres, in denen die Leute scheinbar Angst haben, aus den gesellschaftlich auferlegten Grenzen herauszutreten. Natürlich gibt es viele Bands, die unkonventionelle Dinge tun, aber von Musiktrends, die verblassen werden und jetzt eher aus Gründen des sozialen Einflusses da sind, gesellschaftliche Veränderungen zu erwarten, scheint mir ein Hirngespinst zu sein.«

Außerdem lese ich oft, dass ihr die Meinung vertretet, die Moral sei nur eine Farce, ein soziales Konstrukt und das "Böse" existiere nicht. Worauf stützt sich diese These? Ist der Teufel oder Satan, der in euren Texten eine Rolle spielt, also kein Synonym für das Böse, wie es sonst häufig der Fall ist?

»Satan ist sowohl ein wortwörtliches als auch ein metaphorisches Wesen und eine Bezeichnung für die Kraft, die wir nur unzureichend zu erfassen vermögen. Eben das, was manche gerne auch Gott nennen. Die Realität ist für den Betrachter subjektiv, aber wir alle wissen, dass das biblische Märchen keine Substanz hat, wenn man es wörtlich nimmt. Und natürlich ist Moral ein soziales Konstrukt, wodurch das Infragestellen der Herdenmentalität und dessen, was „gut“ ist, immer als Tabu und somit als „böse“ angesehen wird.«

Zudem spielt ihr mit einer Menge Ästhetik und Visuals, sie spielen eine große Rolle während eurer Liveshows, in euren Videoclips und sie fangen sowohl alte Dead- und Mayhem-Vibes ein, als auch diese neue dunkle, vampirische Ästhetik, die Bands wie Tribulation (re-)etabliert haben. Teilt ihr eine Faszination für eine dieser Bands?

»Ich bin vom Vampirismus fasziniert, seit ich als kleines Kind nahe des Grabs von Abhartach aufgewachsen bin - dem Vampir, den mein eigener Clan erschlagen haben soll. Die Möglichkeit, diese Faszination live zu spielen, bedeutet mir sehr viel. Ich glaube, der beste Kreis, der diese Ästhetik jemals umgesetzt hat, war der Black-Legions-Zirkel aus Frankreich mit Bands wie Vlad Tepes, Mutiilation und Moevot.«

Und wie wurden die Videoclips eigentlich gedreht? Sie sehen ziemlich aufwändig und gleichzeitig nach totalem Oldschool-Horror aus.

»Das Musikvideo zu ´Acid Black Mass´ wurde auf VHS gedreht und in einem Herrenhaus aufgenommen, an dessen Restaurierung ich seit Jahren für eine gewisse magische Frau arbeite – sie war so freundlich, uns dort filmen zu lassen. Die Kulisse ist großartig!«

www.facebook.com/devilisyourmaster

www.instagram.com/devilisyourmaster

Bands:
DEVIL MASTER
Autor:
Mandy Malon

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