Kolumne

Kolumne 17.09.2003

SUNN O))) - Der finale Plattmacher

Schon der Bandname SUNN o))) macht stutzig. Das Gefühl, gerade eins mit der Bratpfanne über den Schädel bekommen zu haben, verstärkt sich, sobald die CD im Player zu rotieren beginnt. Unfassbare Geräusche. Nie zuvor gehört und trotzdem seltsam vertraut. Drone (englisch für dröhnen, brummen) - so bezeichnen die Initiatoren dieses Infernos ihren eigenen Sound. SUNN o))) folgen den Pfaden der Drone-Pioniere Earth, die bereits Anfang der Neunziger mit ähnlichen Sounds spielten, allerdings die Extreme niemals so radikal und vernichtend ausloteten wie die US-Amerikaner. Selbst einigen Candlemass-Jüngern bescherte die Mucke bereits blutige Ohren.

Greg Anderson und Steve O'Malley sind die Namen derer, die für solch einen Höllenlärm sorgen. Die Amis sind in der Szene bekannt wie der oft zitierte bunte Hund. Greg betreibt das Label Southern Lord Records, was für Doom-Jünger mittlerweile zur Institution geworden ist, Steve werkelt als Lord-Grafiker und hat zudem mit Burning Witch und Khanate auch noch zwei andere Kaputto-Kommandos am Start. SUNN o))) starteten 1998.

»Wir wollten den ultimativen, alles vernichtenden Sound kreieren, die Welt einer Tieftonmassage unterziehen. Dröhnen selbst ist einer der ältesten Sounds auf diesem Planeten, der Mensch wurde jedoch darauf trainiert, es zu ignorieren. Unter dem Vorwand, es sei schlicht und ergreifend Lärm, drängen es die meisten in den Hintergrund.«

Greg lässt erst gar keinen Zweifel daran aufkommen, wie ernst ihm die Sache ist.

»Drone manipuliert die Zeit und verzerrt die Realität. Drone muss so laut sein, dass man jeden Ton im Körper spüren kann. Der Körper muss beben, zittern und vibrieren. Je mehr Lautsprecher da sind, umso mehr Luft bewegt werden kann, desto besser.«

Dass Gitarren dabei bis an die Kotzgrenze runtergestimmt werden, ist laut Greg eher Mittel zum Zweck.

»Man braucht tiefe Töne, denn je tiefer der Ton, umso heftiger wird das Dröhnen im Körper wahrgenommen. Hohe Töne kann man nur mit den Ohren fühlen. Wir stimmen daher unsere Gitarren so tief es geht.«

Bleibt da noch Raum für Expansion und Fortschritt?

»Mehr, als man sich gemeinhin vorstellen mag. Drone hat nicht so viel mit Musikgeschmack zu tun, sondern es wirkt eher im psychologischen Sinne. Eigentlich könnten wir alles machen, Hauptsache, es ist laut und tief und bringt das Blut in Wallung.«

Man könnte törichterweise auf die Idee kommen, dass man ja eigentlich jede Musik so laut machen kann, dass der Körper zu beben anfängt.

»So etwas sagen nur die Unwissenden. Man wird mit normaler Musik niemals dieselben Effekte erzielen. Wir schlagen Töne auf der Gitarre an und lassen sie oft fast eine Minute lang ausklingen, überlagern dies mit anderen Sounds. Wir haben selten Beats oder anderen Schnickschnack.«

Da stellt sich die Frage, wo inmitten dieses Infernos noch Platz für die Sonne sein soll, die da bereits den Bandnamen durchleuchtet.

»Die Sonne steht für uns weniger für das Licht, sondern vielmehr für die unbändige Energie, die Millionen und Abermillionen Megawatt, die jede Sekunde durch die Kernfusion freigesetzt werden.«

Und was hat es mit der skurrilen Schreibweise des Bandnamens auf sich?

»Unser Name ist eine Art Tribut an einen großartigen Hersteller von Verstärkern, der ebenfalls auf den Namen SUNN o))) hört. Das o))) soll lediglich die Schallwellen verdeutlichen, die physikalische Kraft der Musik. Man braucht das nicht betonen oder mitzusprechen, es ist lediglich in der geschriebenen Version von Belang.«

Klingt einleuchtend, Sunn Kreis Klammer Klammer Klammer wäre ja irgendwie auch ein blöder Bandname...

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www.southernlord.com/sunn.htm

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Discografie:

The Grimrobe Demos (CD, 1999)

00 Void (CD, 2000, Rise Above)

Flight Of The Behemoth (CD, 2002, Southern Lord)

White - 1 (CD, 2003, Southern Lord)

Bands:
SUNN O)))
Autor:
Onlineredaktion

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