Classic Albums

Classic Albums 20.10.2010

URIAH HEEP - Demons And Wizards (1972)

Seit unglaublichen 40 Jahren sind die britischen Hardrocker URIAH HEEP nicht mehr aus der Musikszene wegzudenken, was ihr aktuelles Best-of-Album „Celebration“ eindrucksvoll beweist. Rock Hard versucht, dem Erfolg der Szene-Urgesteine auf die Schliche zu kommen, und analysiert mit Gründungsmitglied und Gitarrist Mick Box die vierte Scheibe „Demons And Wizards“, die URIAH HEEP vor fast 30 Jahren den Durchbruch bescherte. 

Mick, wie fühlt man sich nach so einer langen Zeit im Musikbusiness?

»Es gibt nicht viele Bands, die von sich sagen können, dass sie vier Jahrzehnte dabei sind. Trotzdem kommt es mir gar nicht so lange vor; das wird einem erst dann bewusst, wenn man darauf angesprochen wird. Es ist schon unglaublich - gerade, weil ich die Band mit der Zielsetzung gestartet hatte, wenigstens fünf Jahre zu überstehen. Dann wäre ich schon glücklich gewesen (lacht). Aber jetzt sind 40 Jahre daraus geworden.«

Was ist euer Erfolgsrezept?

»Ich denke, dass wir so lange im Business sind, haben wir vor allem unseren Songs zu verdanken. Einige unserer Stücke sind glücklicherweise Klassiker geworden, so dass wir auch live immer noch gefragt sind. Dadurch, dass wir auch neue Alben aufnehmen und touren können, ist alles rundum perfekt.«

Wenn du auf „Demons And Wizards“ zurückblickst - was fällt dir zuerst ein?

»Ich muss an unsere Aufnahmen im Studio in London denken. Damals passierte jede Menge in der Musikszene, und auch in technischer Hinsicht wurde viel experimentiert, weil man natürlich nicht die heutigen elektronischen Möglichkeiten hatte. Es war zum Teil sehr lustig, wie man gearbeitet hat: Beim Track ´The Wizard´ hört man am Anfang einen hohen Klang, bei dem man denkt, er käme von einer Gitarrensaite, aber es ist das Pfeifen eines Teekessels. Die Idee kam uns, als sich jemand in der Küche einen Tee kochte, also nahmen wir das Pfeifen mehrmals auf und bauten es in den Song ein. Damals hat man aus sehr wenig sehr viel gemacht. Vor kurzem habe ich mir „Demons And Wizards“ wieder mal komplett angehört und muss sagen, dass es immer noch so frisch wie damals klingt.«

Bei diesem Album habt ihr erstmals auf 16 Spuren aufgenommen.

«Ja, aber wir haben uns damit nicht wirklich beschäftigt. Damit durfte sich unser Produzent rumschlagen, während wir nur die Songs schreiben und spielen mussten. Aber es war eine aufregende Zeit, weil es einen industriellen Aufschwung gab und viele Bands großartige Alben veröffentlichten. Das Interesse der Leute galt damals Musik, Mode und Sport, so dass man viele Menschen mit Musik erreichen konnte. Heute sieht das ganz anders aus.«

Fiel es dir damals leichter als heute, Songs zu schreiben, weil du vielleicht noch unbeschwerter warst?

»Ich habe beim Songwriting nie Druck gespürt und bin glücklicherweise in der Lage, solche belastenden Gedanken generell nicht an mich ranzulassen. Ich schreibe die Musik, die mir etwas gibt, und hoffe darauf, dass es anderen Menschen auch so gehen wird. Ich glaube allerdings, dass heutzutage keine Band mehr diesen Erfolg erleben wird, der früher möglich war. Die Anzahl der Plattenfirmen ist dank des Internetbooms zurückgegangen, dafür hat man aber mehr Möglichkeiten, kreativ zu sein und seine Fans zu erreichen. Die Welt ist eine andere als früher; deshalb muss man Wege finden, sich diesen Veränderungen anzupassen, um nicht unterzugehen.«

Was kannst du zum „Demons And Wizards“-Cover von Roger Dean sagen? Er durfte eure Songs hören, bevor er das Cover zeichnete.

»Das war uns wichtig, weil er sich inspirieren lassen sollte. Sein Cover und unsere Musik ergaben eine perfekte Kombination und verschmolzen zu einer Einheit.«

Wodurch hebt sich „Demons And Wizards“ besonders von euren Vorgängeralben ab?

»Wir hatten zwar tolle Songs, aber gerade die Fantasy-Texte waren etwas Besonderes. Ich glaube, wir waren die erste Band, die mit diesen Inhalten gearbeitet hat. Diese Fantasy-Welt spricht bis heute viele Leute an, wie man auch bei Bands wie Blind Guardian oder King Diamond sieht. Manche Combos verleihen dieser Fantasy-Thematik einen düstereren Touch, aber URIAH HEEP haben immer einen positiven Vibe verbreitet.«

Wie war euer Verhältnis zu Produzent Gerry Bron?

»Gerry war nicht nur unser Produzent, sondern auch unser Manager, und es läuft nie gut, wenn einer die komplette Kontrolle hat. Sein Pluspunkt war, dass er sehr offen für unsere Ideen war und keine festgelegte Vorstellung davon hatte, wie URIAH HEEP klingen sollten. Auf seinem Gebiet war Gerry sehr gut. Aber hauptverantwortlich für den Sound von „Demons And Wizards“ war Toningenieur Peter Gallen.«

Kannst du dich daran erinnern, wie viel Geld du damals mit „Demons And Wizards“ verdient hast?

»Leider war Gerry unser Manager, Aufnahmeleiter und Label-Inhaber, deshalb ging der größte Teil zur Förderung der Bandkarriere drauf (lacht). Für uns gab es keine erwähnenswerte Summe. Aber die Platte lief so gut, dass wir es auf die Bühnen der Welt schafften und danach langsam Geld verdienten.«

Für „Demons And Wizards“ habt ihr das erste Mal eine Goldene Schallplatte erhalten.

»Das war zwar unsere erste Goldplatte, aber lustigerweise verkauften sich kurz danach die Vorgängeralben genauso gut, weil die Leute durch „Demons And Wizards“ auf uns aufmerksam geworden waren. URIAH HEEP waren nie eine Band, die unbedingt in den Charts landete. Wir verkaufen unsere Platten dafür kontinuierlich über eine längere Zeit. Und das ist besser, als kurz in den Charts zu sein.«

Wie war das, als ihr erfuhrt, dass ihr eine Goldene Platte erhaltet?

»Wir waren in Deutschland und gerieten völlig aus dem Häuschen, weil man damals als Band von solchen Auszeichnungen träumte. Es war ein wichtiger Moment und ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg waren.«

Mit ´Easy Livin´´ hattet ihr einen Riesen-Hit in vielen Ländern, aber nicht in eurer Heimat. Hast du eine Erklärung dafür?

»England war nie ein leichter Markt für uns, weil wir uns dort kaum blicken ließen. Wir tourten ständig in anderen Ländern, und wenn wir nach Hause kamen, verbrachten wir lieber Zeit mit der Familie und Freunden, als zu arbeiten. Wir haben uns mehr auf alle anderen Länder konzentriert als auf unser Zuhause. Außerdem galt England damals als Ursprung für alle hippen Musikrichtungen. Deshalb war der Markt dort sehr schnelllebig, und die Charts änderten sich jede Woche. Wir waren eine Band, die mehr darauf achtete, ein gutes Album aufzunehmen als eine Single. ´Easy Livin´´ war ein Teil des Albums, es war nicht als Single konzipiert worden.«

Kurz vor den Aufnahmen gab es einen Line-up-Wechsel.

»Wir wollten immer Lee Kerslake in unserer Band haben, doch er war damals bei der National Head Band. Wir konnten ihn aber überzeugen, so dass er eines Tages im Proberaum auftauchte. Ich schickte die anderen nach nebenan in den Pub, jammte eine Stunde mit Lee und teilte den anderen danach mit, dass Lee unser Drummer sei. Ich hatte sofort eine besondere Bindung zu Lee, und bis heute sind wir beste Freunde. Er war damals das letzte fehlende Puzzleteil, um unsere Kreativität zu vervollkommnen.«

Wie war die Stimmung Anfang der Siebziger in der Band?

»Kreativ. Die Chemie stimmte. Wir hatten das Gefühl, dass wir die Welt erobern können. Unser Selbstvertrauen war riesig, so dass wir nie Angst hatten, auf die Bühne zu gehen. Wir wussten, wie gut wir sind.«

Du sprachst vorhin von der technischen Experimentierfreude. Galt diese auch für Drogen?

»Ich weiß, worauf du hinauswillst. Wir waren neun Monate auf Tour und gingen danach sofort ins Studio. Dieser Druck begünstigte, dass sich Drogen in unsere Band einschlichen. Aber man muss auch die damalige Zeit berücksichtigen: Jeder nahm Drogen. Nicht nur Leute aus der Musikindustrie, sondern auch Anwälte und Angestellte. Es war normal, Drogen zu nehmen. Man braucht sich bloß anzugucken, wie das Rauchen von Zigaretten zwischen den vierziger und sechziger Jahren in Filmen verherrlicht wurde, bis man später herausfand, dass Rauchen Krebs verursacht, die Wellness-Bewegung einsetzte und die Zigarettenschachteln Warnungen aufgedruckt bekamen. Man hat also mittlerweile die Wahl, während sich damals gar nicht die Frage nach einer Wahl stellte, weil man schlicht und einfach keine Ahnung hatte. Niemand sagte, dass man stirbt, wenn man gewisse Sachen weitermacht. Jeder machte es, und es machte Spaß. Erst als Jimi Hendrix und Janis Joplin starben und wir mit Gary Thain und David Byron zwei Bandmitglieder durch Drogen oder Alkohol verloren, wirkte das wie ein Weckruf. Ich hatte das Glück, ohnehin nicht zu sehr in diese Dinge involviert zu sein.«

Was kannst du zum Thema Groupies sagen?

»Wundervoll, hahaha! Je erfolgreicher wir wurden, umso mehr Möglichkeiten gab es. Wenn wir auf Tour waren, boten sich unglaubliche Chancen. Wir wurden aber schnell weiser und haben nie viele davon wahrgenommen.«

Hast du dir schon am Anfang eurer Karriere vorgenommen, ein Rockstar zu werden und von der Musik zu leben?

»Ich habe mir vorgenommen, Musiker zu werden - nicht Rockstar. Und mir war schnell klar, dass ich mein Leben lang Musik machen würde. Als ich mit der Schule fertig war und ein Jahr einen Job machte, um meine Gitarre abzuzahlen, warf ich mit der letzten Rate auch den Job hin und beschloss, nur noch Gitarrist zu sein. Damals ahnte ich noch nichts von URIAH HEEP, aber ich bin froh, dass es so gekommen ist. Wir hatten tolle und weniger tolle Zeiten, aber so ist das Leben. Man muss nur an sich selbst glauben, dann schafft man es immer wieder nach oben.«

www.uriah-heep.com

www.myspace.com/uheep

DAS LINE-UP AUF „DEMONS AND WIZARDS“

David Byron (v.)

Mick Box (g.)

Ken Hensley (keys/g.)

Gary Thain (b.)

Lee Kerslake (dr.)

FAKTEN FAKTEN FAKTEN

Produzent: Gerry Bron

Studio: Lansdowne-Studios, London

Cover: Roger Dean

Spielzeit: 38:26

DISKOGRAFIE (nur Studioalben)

Very ´eavy... Very ´umble (1970)

Salisbury (1971)

Look At Yourself (1971)

Demons And Wizards (1972)

The Magician´s Birthday (1972)

Sweet Freedom (1973)

Wonderworld (1974)

Return To Fantasy (1975)

High And Mighty (1976)

Firefly (1977)

Innocent Victim (1977)

Fallen Angel (1978)

Conquest (1980)

Abominog (1982)

Head First (1983)

Equator (1985)

Raging Silence (1989)

Different World (1991)

Sea Of Light (1995)

Sonic Origami (1998)

Wake The Sleeper (2008)

Bands:
URIAH HEEP
Autor:
Jenny Rönnebeck

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