Schwatzkasten

Schwatzkasten 17.01.2007

DISTURBED - DAVID DRAIMAN (Disturbed)

Eine Zeit lang spielte David Draiman wirklich mit dem Gedanken, den Weg des Juristen einzuschlagen, bevor die 33-jährige Frontglatze dann doch Rockstar wurde. Übrigens sehr zum Missfallen seiner konservativen jüdischen Familie, die sich in der Zwischenzeit aber mit dem „way of life“ ihres im Sternzeichen Fisch geborenen Sprösslings arrangiert hat.

David, wo bist du aufgewachsen, und wo lebst du im Moment?

»Ich bin in Brooklyn/New York zur Welt gekommen, aber in Chicago groß geworden. Im Augenblick pendele ich zwischen meinen beiden Wohnsitzen Los Angeles und Chicago hin und her.«

Hattest du als Kind ein Idol?

»Nicht wirklich, aber es gab und gibt einige Leute, die ich bewundere. Zum Beispiel Bruce Dickinson, Rob Halford, Ozzy Osbourne und Robert Plant.«

Hast du schon mal im Knast gesessen?

»Ja. Einmal wegen des Besitzes einer illegalen Substanz, und beim zweiten Mal war dummerweise mein Führerschein abgelaufen.«

Wann hast du dich das letzte Mal geprügelt?

»Vor etwa zwei Jahren im Rainbow in L.A. Da kam ein völlig betrunkener Idiot zu mir an die Bar und pöbelte mich an: „Du bist doch der Wichser von Disturbed, oder? You fucked my sister, you fucked my sister!“«

Und? Hast du?

»Keine Ahnung. Vielleicht. Das habe ich dem Typen auch gesagt: „Du, ich weiß noch nicht mal, wer deine Schwester ist. Und falls ich wirklich mal Sex mit ihr hatte, dann habe ich das nicht gemacht, um dich zu verletzen. Komm, ich spendiere dir einen Drink - und gut ist!“ Leider hat der Spinner keine Ruhe gegeben, und als er dann auch noch handgreiflich wurde, hat es geknallt.«

Kannst du kochen?

»Aber hallo! Am liebsten geschmortes Fleisch. Ich esse sowieso ziemlich viel Fleisch. Am Grill bin ich auch spitze.«

Was ist die wichtigste Erfindung der Menschheit?

»Das Rad?«

Was machst du mit deinen Millionen, wenn du Zeit hast, sie auszugeben?

»Ich kaufe mir gerne so nette Sachen wie Autos und Motorräder. Einen großen Teil meiner Kohle investiere ich aber in Grundbesitz.«

Was war der mieseste Job, den du je hattest?

»Ich habe in meiner Zeit vor Disturbed mal als Angestellter im Gesundheitswesen gearbeitet. Wirklich mies war der Job aber nicht. Eher schwierig. Dafür habe ich mal einen Sommer lang geholfen, alte Wohnungen zu entrümpeln. Leider waren da auch einige extrem versiffte Buden darunter. Das war teilweise ganz schön ekelhaft. Vor allem, als einem beim Öffnen von längst abgestellten Kühlschränken die Maden entgegenfielen. Es ist wirklich unfassbar, wie manche Menschen leben.«

Was war das übelste Gerücht, das du je über dich gehört hast?

»Die ganz üblen nenne ich lieber nicht, denn die gehen extrem unter die Gürtellinie. Dass ich dem Teufel huldige und jede Nacht eine andere Frau flachlege, gehört noch zur harmloseren Sorte. Außerdem habe ich mal eine E-Mail von einer Tussi bekommen, die angeblich schwanger von mir war. War sie aber nicht, weil ich Kondome benutze.«

In welcher Epoche würdest du am liebsten leben, wenn du mit einer Zeitmaschine reisen könntest?

»In den späten Sechzigern oder frühen Siebzigern. Warum? Wegen der Mucke und der künstlerischen Freiheit, die man als Musiker damals genossen hat.«

Was ist das Verrückteste, das du je gemacht hast?

»Ich bin mal mit besoffenem Kopf in eine Kirche eingebrochen und habe dann mit meiner damaligen Freundin auf dem Altar eine Nummer geschoben. Gottlob wurden wir nicht erwischt, sonst wären wir direkt in den Knast gewandert. Es war nämlich eine Kirche der Baptisten.«

Würdest du dich für „Playgirl“ ausziehen?

»Nein, das ist überhaupt nicht mein Ding.«

Mit wem würdest du gerne mal eine Nacht in einem Fahrstuhl stecken bleiben?

»Mit der Schauspielerin Jessica Alba.«

Und mit wem noch nicht mal für alles Geld der Welt?

»George W. Bush.«

Welchen Filmhelden oder Schurken hättest du gerne verkörpert?

»Irgendwas Unorthodoxes. Vermutlich einen Charakter aus einem Tarantino-Streifen.«

Welches Buch liest du gerade?

»Ich habe seit einigen Monaten kein Buch mehr angerührt. Allerdings gibt es auch Phasen, in denen ich mehrere Bücher in kürzester Zeit lese.«

Hast du einen Lieblingsautor bzw. ein Lieblingsbuch?

»Stephen King. Den letzten Schinken, den ich gelesen habe, war aber „Sakrileg“ von Dan Brown. Zu meinen absoluten Favoriten gehört „Der Fänger im Roggen“ von J.D. Salinger.«

Könntest du ohne Fernseher leben?

»Ja, aber das wäre hart.«

Hast du einen Lieblingsfilm?

»„Uhrwerk Orange“.«

Und deine Lieblingsfernsehserie?

»„Die Sopranos“.«

Hast du irgendein merkwürdiges Hobby?

»Nicht wirklich. Ich fahre aber gerne Motorrad und gehe tauchen.«

Als was würdest du gerne wiedergeboren werden?

»Als Jim Morrison.«

Hast du dich auf dem Schulhof häufiger geprügelt, oder warst du Mamas Liebling?

»Ich war definitiv kein Mamakind. Im Gegenteil: Ich konnte mich gut wehren, wenn es sein musste. Und weil ich häufiger die Schule gewechselt habe, ist das recht oft passiert. Einmal hat mir ein Mitschüler im Fitnessraum eine 45 Pfund schwere Scheibe vor die Brust gedonnert, weil ich mehr Kilos stemmen konnte als er. Als ich wieder auf den Füßen war, habe ich den Typen aus dem nächstbesten Fenster befördert, woraufhin er die nächsten Tage im Krankenhaus verbringen musste. Im Laufe der Jahre habe ich mir bei solchen Auseinandersetzungen dreimal die Nase gebrochen. Dabei bin ich eigentlich gar kein gewalttätiger Mensch, aber wenn man meine Familie beleidigt oder ich tätlich angegriffen werde, sehe ich rot. Und das war ungelogen in neun von zehn Fällen der Fall.«

Kannst du dich noch an dein erstes Konzert erinnern?

»Ja, das war mit meiner Punkband The Foreskins. Da war ich 14. Leider wurden wir wenig später von einer englischen Band mit ähnlichem Namen verklagt, weshalb wir uns ganz schnell wieder umbenannt haben. Das Konzert war übrigens großartig, obwohl ich ganz schön Lampenfieber hatte.«

Stell bitte die Band deiner Träume zusammen, tote Künstler inklusive!

»Weil ich viele verschiedene Genres mag, nenne ich jeweils zwei Musiker: einen aus dem Bereich Rock und einen aus einer extremeren Richtung. John Bonham und Danny Carey von Tool hinter den Kesseln, Jimi Hendrix und Dimebag Darrell an der Gitarre, am Bass John Paul Jones von Led Zeppelin und Flea von den Chili Peppers. Oder alternativ Les Claypool von Primus. Und als Sänger schwebt mir eine Mischung aus Bruce Dickinson, Rob Halford und Maynard James Keenan von Tool vor.«

Kannst du dich noch an deine erste selbstgekaufte Platte erinnern?

»Das war „Destroyer“ von Kiss.«

Und was war die letzte Scheibe, die du dir geleistet hast?

»Die neue Stone-Sour-CD „Come What(ever) May“.«

Welches sind die drei peinlichsten Platten, die in deiner Sammlung stehen?

»Mir ist nichts peinlich, was ich mag. Auch nicht die Andrea-Bocelli-, Tori-Amos-, Pavarotti- und Die-drei-Tenöre-CDs, die bei mir im Regal stehen. Einzige Ausnahme: „Das Phantom der Oper“.«

Wer hat dich auf den guten Geschmack gebracht, sprich: zum Metaller gemacht? Dein Vater, dein Bruder oder ein Klassenkamerad?

»Weil ich einen jüngeren Bruder habe, war ich es, der ihn in dieser Hinsicht beeinflusst hat. Und mein Vater hat bis auf Johnny Cash nie eine meiner Lieblingsbands gemocht. Die erste härtere Band, auf die ich neben Kiss abfuhr, waren die Sex Pistols. Auf die und Metallica hat mich ein Typ namens Tony gebracht, der damals bei uns in der Straße wohnte.«

Sind deine Eltern stolz auf den Krach, den ihre Brut auf der Bühne fabriziert?

»Inzwischen schon, nachdem sie die ersten Jahre sehr skeptisch waren. Ich finde es schon merkwürdig, wie sehr Erfolg die Meinung mancher Menschen verändert.«

Welche Band ist deiner Meinung nach die mieseste der Welt?

»Ich mag es nicht, andere Bands zu dissen.«

Bei welcher Art von Musik läufst du schreiend davon?

»Bei diesem ganzen neumodischen Emo/Screamo-Zeugs. Da höre ich lieber Pop, R´n´B oder HipHop.«

Singst du unter der Dusche?

»Ständig. Aber keine eigenen Songs, sondern Tonleitern, um meine Stimme zu trainieren.«

Glaubst du an Gott?

»Ja.«

Wann warst du das letzte Mal in einer Synagoge?

»Das ist sehr lange her. Ich schätze mal, vor ca. zehn Jahren.«

Welcher Song sollte auf deiner Beerdigung laufen?

»´Fade To Black´ von Metallica.«

Bands:
DISTURBED
Autor:
Buffo Schnädelbach

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