Kolumne

Kolumne

METALLICA , ICED EARTH , SCORPIONS , GORGOROTH , ANTHRAX , MANOWAR , DARKTHRONE , SLIPKNOT - DAS WAR 2008 - Der Rock-Hard-Jahresrückblick

2008 - ein Jahr der Superlative: Die größten Erfolge waren noch größer, die peinlichen Pleiten noch peinlicher und die bemerkenswerten Outings noch bemerkenswerter. Es ist das Jahr von AC/DC, Metallica, Barack Obama und Andrea Ypsilanti. Es ist ein schlechtes Jahr im Sinne von "Nostradamus" und ein tolles im Sinne von "Black Ice" oder auch "Death Magnetic".

Es ist das Jahr, in dem langjährige Bösewichter wie Gorgoroth dank ehrlicher Offenheit so richtig durchstarten, in dem ein Lifetime-Undergroundler namens Fenriz zum Liebling unserer Leser wächst, in dem Legenden wie Ministry und die Hellacopters ihren Dienst quittieren, in dem alteingesessene Rock-Hard-Mitarbeiter ihre zweite Kindheit durchlaufen und auf den Festivals dieser Republik grauenvoll infantiles Verhalten an den Tag legen - und das unter dem Deckmantel unseres 25-jährigen Bestehens. Wir blicken zurück auf unser Jubiläumsjahr.

In der Arena der Einfältigen

Die Monate Januar bis März

Wir beginnen mit Gylve "Fenriz" Nagell. Seit seinem kapitalen Fehler, unserem angeheiterten Götz und dessen Kamerateam Zutritt in seine Butze zu gewähren, wo Herr Kühnemund nach einer kleinen Wühlerei in Fenriz´ Vinylsammlung in des Gastgebers Wäscheständer hineinpurzelt (zu sehen auf der Rock-Hard-DVD und auf YouTube), ist der Schlagzeuger von DARKTHRONE wohl DER Superstar für unsere Leser. In den 2007er Jahrescharts rangiert er denn auch auf Platz fünf, noch vor Persönlichkeiten wie Ronnie James Dio und Homer Simpson, aber knapp hinter Al Gore - und das, obwohl sich Wandererbursche Nagell in Sachen Umweltschutz wahrlich nicht hinter dem US-Demokraten verstecken muss. Denn: Fenriz fährt Ski, Gore jedoch Auto.

Im Interview zum Album "F.O.A.D." verwöhnt uns der Osloer mit drei elementaren Weisheiten, die gut und gerne Bestandteile des deutschen Grundgesetzes werden könnten, wenn sie dürften:

1. Die "Arena der Einfältigen" sind ganz klar die Internet-Foren. Diese sind hassenswert und nicht Metal.

2. Darkthrone kann man heutzutage nur verstehen, wenn man nicht in den blödsinnigen Kategorien der Neunziger denkt.

3. Hört mehr Scorpions!

Bleiben wir beim Schwarzmetall und auch bei unserem Chefredakteur. Dieser reist im kalten, kalten Winter von Oslo direkt weiter nach Bergen, um sich dort mit zwei Herren namens King und Gaahl zu treffen. Bislang weiß man nur so viel von den beiden: Sie feuerten Infernus, also das einzige verbliebene Gründungsmitglied von GORGOROTH, und führen die Band alleine weiter. Gaahl ist ein vorbestrafter, kreuzgefährlicher Menschenhasser, King ist wohl nicht vorbestraft, aber ansonsten auch ´ne ziemlich fiese Type. In einer Bergener Kneipe treffen sich die beiden Nordlichter mit Götz, um an ihrem Image zu feilen: Zunächst berichtet Gaahl, dass er einem geheuerten Killer nicht nur entgangen sei, sondern diesen offenbar so dermaßen heftig aus der Jacke gebolzt haben muss, dass der Mörder fortan nicht mehr als Mörder arbeiten kann, sondern vermutlich umschulen muss - und dass Gaahl wegen schwerer Körperverletzung ins Gefängnis kam. Mit dem gerüchteten Vergewaltigungsvorfall indes habe Gaahl nix zu tun gehabt. Dies sei Sache von Infernus gewesen, der aber mittlerweile freigesprochen wurde. Im Übrigen seien Gorgoroth keine politische Band, alle fragwürdigen Links von der Homepage habe man nach Infernus´ Abgang entfernt, und an allen anderen Gerüchten sei einzig die Presse schuld. King dazu: »Wenn du in einer kontroversen Band wie Gorgoroth spielst, wird dir alles Mögliche angedichtet. Wir sind schwul, Nazis, Kinderschänder, Teufelsanbeter. Mir fällt wirklich nichts ein, was wir nicht schon angeblich gewesen sind.« Das Einzige, was sie aber tatsächlich seien: elitär! Was das ist? Ganz einfach, so Gaahl: »Das ist jemand, der kontinuierlich wachsen will, ohne dabei andere zu missbrauchen. Blinde Gewalt ist nichts, das eine elitäre Person für sich akzeptieren würde.«

Dafür Respekt, Gaahl - aber vor allem für deine faszinierende Vorgehensweise, Texte zu schreiben: »Ich sehe die Musik, die mir King präsentiert, wie eine Art weiße Leinwand, die ich hassen muss. Denn warum sollte man eine weiße Leinwand bemalen, wenn sie bereits für sich selbst "gut genug" ist? Ich füge der weißen Leinwand etwas zu, verletze sie und trage Farbe auf - bis mich das Ergebnis befriedigt.«

Während MANOWAR laut Joey DeMaio ein »fanfreundliches und erschwingliches Festival« vorbereiten, die schwedischen Sleazer CRASHDIET aus dem Tod ihres Sängers Dave Leppard offenbar nicht viel gelernt haben, was allein die Überschrift zu Himmelsteins Artikel deutlich macht ("Leise rieselt der Schnee"), und Ex-Onkel Gonzo Röhr sein Soloalbum "Barra Da Tijuca" auf einen eher kleinen interessierten Teil der Menschheit loslässt, sind Waldemar Sorychta und sein Projekt ENEMY OF THE SUN mit ihrem Debütalbum "Shadows" die ersten Soundcheck-Gewinner des Jahres.

Tina, die ehemalige gute Fee unseres Familienblättchens, wird Mutter von Drillingen, und Götz beschenkt die drei künftigen Metal-Sängerinnen und -Sänger (Nick, Amy und Vivien) mit einer dicken Maiden-History, einem Sonderheft im Februar-Heft. Super!

Super findet sich auch Scott Ian. Nachdem der ANTHRAX-Boss seinem Sänger John Bush ein Jahr lang gezeigt hatte, dass Respekt und Fairness für ihn eher überbewertete Angelegenheiten sind, und Joey Belladonna nach der Back-to-the-roots-Arschkriecher-Tour für weitere Abenteuer nicht zur Verfügung steht, versucht die Milzbrandkapelle, einen Millionenseller an ihr Mikro zu lotsen. Doch auch Slipknots Corey Taylor sagt nach anfänglichem Interesse ab. Plötzlich ist guter Rat teuer, und es scheint so, als ob Anthrax den wohlverdienten Lohn für ihre missratene Personalpolitik erhalten würden. Doch auf einmal zaubert Herr Ian einen Unbekannten namens Dan Nelson aus dem Zylinder und gibt mit jeder Menge Oberwasser ausgestattet nicht mehr selbstkritische oder gar wehleidige Interviews, sondern schwadroniert in großkotziger Manier: »Wenn Leute in Deutschland, die mit dieser ganzen Sache überhaupt nichts zu tun haben und niemals die wahre Geschichte kennen, an ihrer Wut festhalten wollen, ist das ihre Sache. Wenn ihr darüber wütend sein wollt, dann solltet ihr euch im Leben eine andere Beschäftigung suchen! Es gibt nichts, auf das man sauer sein könnte. Wir reden hier schließlich nur von einer verdammten Heavy-Metal-Band!«

Aber nicht nur Scott Ians Sozialverhalten bedürfte kleinerer Korrekturen, sondern auch das des nach Ted Nugent wohl amerikanischsten Amerikaners und patriotischsten Patriots, ICED EARTHs Jon Schaffer: Kurz vor Weihnachten erhielt Tim "Ripper" Owens eine Mail, in der dem Sänger von Jon mitgeteilt wurde, er sei von nun an nicht mehr Mitglied der Band. »Wenige Minuten später riefen mich die ersten Leute an, die bereits von dem Rausschmiss wussten«, erzählt der Ripper und fügt hinzu: »Mein Basser Dennis Hayes erfuhr von seiner Kündigung nur dadurch, dass auf der Iced-Earth-Website sein Name fehlte.«

Etwa zeitgleich wendet sich Jon Schaffer mit folgender News ans Rock Hard: Ex-Sänger Matt Barlow, einst in Unfrieden von Jon Schaffer gegangen worden, ist wieder an Bord. »Auf der letzten Europa-Tournee unterhielt ich mich mit zahlreichen loyalen Fans, von denen viele Matt vermissten«, weichspült Schaffer in einer Pressemeldung daher. Über eine Verbindung zwischen den mäßigen Besucherzahlen jener Tour und der Sängerfrage verliert der Bandchef dagegen kein einziges Wort...

Das Größte des ersten Quartals 2008 sind allerdings weder stählerne Stimmbänder noch stubenreine Black-Metaller, sondern es ist unser Magazin selbst. Genauer gesagt: unsere März-Ausgabe. Euer Leib- und Magenblatt erscheint zum 250. Mal, wir pimpen zur Feier das Heft auf Doppelformat hoch und lassen Legenden, Beinahe-Legenden, Persönlichkeiten und Leserlieblinge in ihren Erinnerungen schwelgen. »Happy birthday!«, krakeelt Lemmy und lässt uns wissen: »Was ihr leider verpasst habt, sind die grandiosen Sechziger. Das war die beste Zeit überhaupt! Und wisst ihr was? Ich bin froh, dass ihr damals nicht alle dabei gewesen seid. Das wäre sonst ganz schön voll geworden. Und voll waren wir sowieso dauernd, hargh, hargh, hargh!

__________________________________________________________

Den kompletten JAHRESRÜCKBLICK von Götz Kühnemund, Michael Rensen, Boris Kaiser und Wolf-Rüdiger Mühlmann findet ihr im aktuellen ROCK HARD, das im Zeitschriftenhandel erhältlich ist. Weitere Infos zur aktuellen Ausgabe gibt´s hier.

Bands:
SCORPIONS
DARKTHRONE
GORGOROTH
ANTHRAX
MANOWAR
METALLICA
ICED EARTH
SLIPKNOT
Autor:
Wolf-Rüdiger Mühlmann

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.