Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 16.01.2020, 14:08
Samstag, 11.11.2020

DAMNATION DEFACED - Hamburg, Planetarium

Die größte Herausforderung für die Besucher des DAMNATION DEFACED-Konzerts im Hamburger Planetarium bringt ein Fan in der offiziellen Konzertpause (!) nach 45 Minuten auf den Punkt: „Ey, sonst stehe ich in der ersten Reihe und bange mir die Seele aus dem Leib, aber hier weiß ich gar nicht, wohin mit mir!“ Tja. Death Metal mag ja für viele Gelegenheiten geeignet sein. Aber dafür, in Liegesesseln eingekuschelt in den Sternenhimmel zu schmachten, wurde er nicht erfunden.

Das ungewöhnliche Setting verwirrt nicht nur Teile des Publikums ein wenig, sondern auch DAMNATION DEFACED. Sänger Philipp Bischoff derwischt angemessen adrenalinbesoffen durch das innenliegende Rund der Projektionskuppel, das eingelullte Publikum drumherum lümmelt sich jedoch gemächlich ins Polstermobiliar und starrt mondsüchtig in den künstlichen Kosmos über seinen Köpfen, so dass sich Bischoff zu Weckrufen genötigt sieht: „Hey Hamburg, wo seid ihr?!?“

Diese leichte Irritation schmälert aber kaum den Erfolg dieses Event-Experiments der ursprünglich aus Celle stammenden Formation. Wer von den rund 250 Besuchern in dem ausverkauften Sternentheater wirklich will und sich darauf einlässt, der kann einen Trip mitmachen in jene grässlich kalten Außerwelten, die Damnation Defaced mit ihrem für das Death-Genre ja eher nischigen Space & Gore-Themen und ihrer durchproggten, dehumanisierten Brutalität in den Kuppelbau aus den 1910er-Jahren drücken. Unterstützt von dem Irgendwie-Neo-Klassik-all-female-Quartett EKLIPSE, das – gewandet in eine geschmacklich diskussionswürdige Garderobe aus Straps, Steampunk und Spitzenglitzer - ein paar Streicherteppiche ausrollt, krawummst die Band Nacken- und Willensbrecher wie 'The Blackening', das Entombed-Cover 'Wolverine Blues' oder 'Invader From Beyond' (Zugabe) vom aktuellen Album durch die Donnerkuppel.

Das eigentlich Besondere des Auftrittsorts, also die Himmelsprojektionen, nutzen die Macher unterschiedlich effektiv: geometrische Pixelspielereien, die ein bisschen zu sehr an aufgepimpte Bildschirmschonergrafiken erinnern, kunstnebelbezüngelte Lasershots oder drei gescreente Bandvideos sind zwar kurzweilig, aber vor allem das schlichte Standardsternenprogramm des Planetariums, also strahlende Himmelstupfer, die durch ewige Weiten wandern und wandern und wandern, unterspülten die Musik mit ahnungsvoller Tiefe und subtilem Grauen. Gegen Ende erheben sich schließlich doch einige Banger aus den Liegesitzen und schüttelten Haupt und Glieder, es folgen Standing Ovations vom gesamten Publikum. Das tröstlich trostlose Fazit dieser Sci-Fi-Schauder-Show lautet: Auch im All hört Dich jemand schreien.


DAMNATION DEFACED-Setlist:

Intro – Re-Entering the Void
Between Innocence And Omnivores
Race For The Grail
The Observer
Tiefenrausch
Through Asteroids And Cosmic Dust
Unbound The Prophecy
Mark Of Cain
The Key To Your Voice
Rendezvous With Destiny
All Comes To Its End
Stargazer
The Blackening
Hunter And The Vermin
Palace Of Dead Souls
The Dark Companion
Goddess Of Machines
Wolverine Blues
Invader From Beyond (Zugabe)

Foto: Tobias Trettin

Bands:
DAMNATION DEFACED
Autor:
Thorsten Dörting

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos