Interview


Pic: Scott Kinkade

Interview 19.09.2019, 13:53

CRYPT SERMON - Ausnahmezustand in Philadelphia

Mit ihrem Debüt haben CRYPT SERMON in der Doom-Szene mächtig Eindruck hinterlassen und die Erwartungshaltung an das zweite Album dementsprechend hochgeschraubt. Glücklicherweise ist „The Ruins Of Fading Light“ wieder eine Scheibe geworden, welche jedem, der seinen Doom episch mag, Gänsehautmomente beschert. Mit Steve Jansson, Brooks Wilson und Enrique Sagarnaga geben uns gleich drei Bandmitglieder Auskunft über den Stand der Dinge.

Was sind eure Gefühle zu den überwältigenden Kritiken zu eurem ersten Album?

Steve: »Das war eine angenehme Überraschung. Als wir „Out Of The Garden“ aufnahmen, hatten wir gar keine Erwartungen, wie die Reaktionen ausfallen würden. Bei den Aufnahmen zum neuen Album bestand deshalb natürlich ein gewisser Druck, denn wir wollten das Niveau halten und niemanden enttäuschen.«

Jetzt wo das neue Album veröffentlicht ist, wie würdest du eure beiden Scheiben vergleichen?

Steve: »Wir hatten diesmal eine wesentlich klarere Richtung, in die wir wollten und wie wir klingen wollten. Ich denke, das neue Material ist gewachsener, strukturierter und ausgefeilter. Und natürlich haben wir uns auch als Musiker weiterentwickelt. Unabhängig davon werden manche Fans das erste Album bevorzugen.«

Das Album ist pünktlich zum Herbstanfang erschienen. Kann man eure Musik als „Herbst-Musik“ bezeichnen?

Steve: »Eine interessante Frage. Das Album wurde aus pragmatischen Gründen jetzt veröffentlicht. Ja, eigentlich machen wir Musik, die gut in den Herbst passt und auch die meisten Bands, die ich mag, passen zur Stimmung dieser Jahreszeit. Letztlich passt der Veröffentlichungszeitpunkt wunderbar.«

Brooks: »Das Cover habe ich unabhängig vom Veröffentlichungszeitpunkt gedanklich in den September terminiert. Der September ist ein besonderer Monat - er geht in den Herbst über, hat aber oftmals noch die Wärme und Sonne des Sommers.«

Alle Mitglieder der Band sind noch in anderen Acts aktiv. Wo liegen die Prioritäten?

Steve: »CRYPT SERMON genießt mittlerweile unsere Priorität. Da wir alle einen weitläufigen Musikgeschmack besitzen und keine Scheuklappen haben, ist es uns wichtig, noch andere Musikfelder zu beackern. Niemals könnten wir unsere Interessen und Gefühle in nur einer Band abdecken und ausleben. Bands wie Daeva und Ancient Flame stehen für unseren breitgefächerten Geschmack. Da drei von uns auch bei Daeva aktiv sind, teilen sich die beiden Bands passenderweise den gleichen Proberaum.«

Enrique: »Das Entscheidende ist, dass all die Bands, in denen wir aktiv sind, bestimmte Bereiche unserer Persönlichkeit repräsentieren. Bei CRYPT SERMON geht es um ganz andere Gefühle und Ausdrücke als beispielsweise bei Daeva, deshalb sind mir beide Bands wichtig.«

Ein Ritterschlag war euer Beitrag zum Metal-Massacre-Sampler aus dem Jahre 2016 mit der Nummer 'The Will Of The Ancient Call'. Wie kam es dazu?

Steve: »Es war definitiv eine Ehre für uns auf diesem renommierten und prägenden Sampler vertreten zu sein. Dabei haben wir die Nummer dafür gar nicht selber ausgewählt. Das tat Alan Averill von Primordial, der uns auf dem Sampler haben wollte und diesen Song dafür passend fand.«

Auch das neue Album hat wieder ein liebevolles und schönes Cover. Was steckt dahinter?

Brooks: »Die beiden Cover stammen von mir. Wir halten die Covergestaltungen für Mosaiksteine unserer Identität, die die Lyrics sowie die Stimmung der Musik widerspiegeln müssen. Zudem soll uns die Covergestaltung etwas von anderen Bands abheben.«

Enrique: »Eine bedeutenden Rolle spielt auch unser neues Logo. Als ich das neue Material hörte und das Cover fertig hatte, spürte ich, dass das alte Logo die düstere Grundstimmung nicht repräsentiert. Das neue Logo passt mit den Spinnweben und der Farbwahl einfach besser.«

Nach dem Debüt gab es einen Wechsel am Bass. Was könnt ihr uns dazu sagen?

Steve: »Mit dem alten Bassisten gab es terminliche Schwierigkeiten und nicht mehr die nötige Übereinstimmung über die Ausrichtung der Band. Frank (Chin, ex-Vektor - wk) ist ein enger Freund von uns und hing schon oft in unserem Proberaum rum. Da war es naheliegend, ihn an Bord zu holen, zumal seine Einstellung wunderbar passt.«

Sind die Lyrics auf dem neuen Album ebenso wie beim Debüt von der Beschäftigung mit der Bibel geprägt?

Brooks: »Durch meine Erziehung bin ich stark durch die Bibel geprägt. Beim neuen Album sind die Lyrics allerdings etwas esoterischer und persönlicher als in der Vergangenheit ausgefallen.«

Wenn man eure Cover anschaut und auf die Lyrics achtet, ist klar, dass ihr euch für Burgen interessiert. Habt ihr Favoriten?

Enrique: »Was klassische Schlösser und Burgen betrifft, ist mein Favorit das Hohenzollern-Schloss auf der Schwäbischen Alb. Das Schloss mit seiner wundervollen Lage und Architektur macht alles für mich aus, was ich mit dem Begriff Schloss assoziiere. Mein Hauptinteresse gilt aber Beinhäusern. Da ist das Sedletz-Ossarium in der Nähe von Prag mein Sehnsuchtsort. In diesem Beinhaus im Untergeschoss der Allerheiligenkirche werden 40.000 menschliche Skelette aufbewahrt und viele Knochen sind zur Dekoration für das Kirchengebäude geformt.«

Brooks: »Natürlich liebe ich Burgen und Schlösser und eine muslimische Festung befindet sich auf dem Cover unserer ersten Scheibe „Out Of The Garden“. Dennoch interessiere ich mich mehr für die Architektur von Tempeln und Kirchen. Meine Lieblingskathedrale ist die in Bourges, die die französische Gotik wunderbar repräsentiert, aber dennoch einzigartig ist.«

Vor kurzem hattet ihr angekündigt, das neue Album in Gänze live zu spielen. Wie ist das gelaufen?

Steve: »Das war zumindest geplant. Am Abend der Show lief aber alles anders als vorgesehen. Beim vierten Song der ersten Band stürmte die Polizei die Bühne und forderte, dass jeder die Halle verlassen müsse. Offensichtlich war der Veranstaltungsort wegen eines Gebietsverstoßes zuvor verwarnt worden, hat aber die ordnungsgemäße Einreichung von Unterlagen nicht erledigt. Es setzte dann Chaos ein und das Konzert wurde kurzfristig in einen anderen Club verlegt. Dadurch mussten alle Bands ihre Spielzeit kürzen, aber trotz der widrigen Umstände wurde es ein toller und unvergessener Abend. Ein Kompliment geht an die anderen Bands Sanhedrin, Plague Dogs und Eternal Champion, die mit der ungewöhnlichen Situation absolut professionell umgegangen sind und das Beste aus der Veranstaltung gemacht haben.«

Euer erster Auftritt in Europa wird im Rahmen des Keep It True im Frühjahr 2020 stattfinden. Was können wir erwarten?

Steve: »Es ist eine große Sache für uns, beim KIT dabei zu sein. Wir werden bei der Warm-up-Show am Donnerstag auftreten und haben so Zeit, uns an den beiden folgenden Festivaltagen andere Bands anzuschauen. Welch außergewöhnliches Festival das KIT ist, hat sich natürlich auch bis zu uns herumgesprochen, wir werden unser Bestes geben und hoffen, auf ein leidenschaftliches Publikum zu treffen.«

Enrique: »Wir planen, dort unser neues Album von Anfang bis Ende zu präsentieren.«

Auf eurer Facebook-Seite schreibt ihr: "Founded on the principles of unwavering Epic Doom Metal". Was kann man unter diesem Manifest verstehen?

Enrique: »Doom Metal und insbesondere der traditionelle Doom Metal unterliegt bestimmten Prinzipen, die die Grundlage dieser Art von Musik bestimmen. Das betrifft zunächst die lyrische Ausrichtung mit Themen, die Bezug auf den Tod, Dunkelheit, negative Emotionen, Religion und Existentialismus nehmen. Auch die musikalische Seite ist mehr oder weniger zementiert: langsam, walzend, ausdrucksstark, aber immer heavy. So klingt nur Doom Metal. Wir halten uns an diese Vorgaben, versuchen aber durch unsere vielseitigen Einflüsse, diese Grundpfeiler mit etwas Eigenem zu verbinden.«

Für eine Beilage des Decibel-Magazins habt ihr eine außergewöhnliche Coverversion des Mayhem-Songs 'De Mysteriis Dom Sathanas‘ aufgenommen, der bei euch passenderweise 'De Mysteriis Doom Sathanas' heißt. Können wir weitere derartige Aktionen von euch erwarten?

Steve: »Das will ich gar nicht ausschließen und würde etwas Ähnliches gerne wieder angehen. Es gibt aber derzeit aber keine konkreten Pläne. Die Nummer war auch das bisher einzige Cover, mit dem wir uns je beschäftigt haben.«

Das Decibel-Mag scheint eh sehr auf euch zu stehen. Was kannst du zur Beziehung zu dem Magazin sagen?

Steve: »Das Heft kommt - wie wir - aus Philadelphia und versucht aus der Gegend kommenden Bands immer eine besondere Unterstützung zu geben. Wir sind sehr dankbar und glücklich, dass uns das Magazin von Anfang an gemocht und gefördert hat.«

Philadelphia hat letztes Jahr durch den Super-Bowl-Sieg der Eagles große Aufmerksamkeit erzielt. Seid ihr Fans der Eagles?

Steve: »Mit Sport kann ich nicht viel anfangen. Als die Philadelphia Eagles den Superbowl gegen die New England Patriots gewonnen haben, herrschte in der Stadt der absolute Ausnahmezustand. Das war gut für die Stadt, denn Menschen aller Herkunft und Milieus waren vereint. Auch für mich war es eine tolle Erfahrung, die Stimmung zu erleben. Vom Namen her gefallen mir natürlich die Pittsburgh Steelers besser.«

www.facebook.com/cryptsermon

DISKOGRAFIE

Out Of The Garden (2016)

The Ruins Of Fading Light (2019)

Bands:
CRYPT SERMON
Autor:
Wolfram Küper

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