Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 23.02.2021, 11:39

CROWBAR - Live aus dem OCD Recording And Production Studio

CROWBAR ließen nach ihrem letzten Quarantäne-Livestream am 3. Oktober des vergangenen Jahres nicht lange auf sich warten und bitten gerade einmal vier Monate später erneut vor die virtuelle Bühne. Dabei verzichtet Kirk Windsteins Sludge-Kommando auf großartige Effekt-Spielereien und bündelt seine spielerischen Stärken in einer kurzweiligen und im Kontext der Bandhistorie abwechslungsreichen Stunde musikalischer Unterhaltung.

Während andere Formationen, etwa Architects oder Behemoth, für ihre Streaming-Events die ganz großen Produktionsgeschütze auffahren, gehen CROWBAR ihr insgesamt drittes Online-Konzert eine Nummer kleiner an. Übertragen wird am Samstagabend des 20. Februar 2021 – wie schon bei den vorhergegangenen Shows im Mai und Oktober 2020 – aus dem überschaubaren OCD Recording And Production Studio in Metairie, Louisiana. Pure Effizienz also, anstelle von ausschweifend-extravaganten Örtlichkeiten wie der Londoner Royal Albert Hall oder einer nicht mehr genutzten Kirche. Aufwändige Kamerafahrten, große Lichtspektakel, Videoeinspieler oder den exzessiven Einsatz von Pyrotechnik sucht man deshalb auch vergeblich. Lediglich ein gelegentlicher Schwarz-Weiß-Filter sowie Blackscreen-Überblendungen zur Ankündigung der Songtitel kommen zum Einsatz. Durch die konstante Nähe zur Band und die aus mehreren Kamerawinkeln gefilmte Darbietung bekommt man als Zuschauer das Gefühl vermittelt, im Proberaum mit dabei zu sein und ein Privatkonzert zu erleben.

Schlussendlich zählt neben dem optischen Aspekt aber vor allem die Musik. Trotz der relativ kurzen Spielzeit können der stimmlich gut aufgelegte Kirk Windstein und seine Mannen gerade in dieser Hinsicht punkten. Mit Ausnahme von "Time Heals Nothing" (1995) und "The Serpent Only Lies" (2016) sind alle Alben der Amis mit mindestens einem Song vertreten, wobei der Schwerpunkt auf den Neunziger-Scheiben liegt und bis zu ganz frühen Stücken wie dem "Obedience Thru Suffering"-Kracher 'Waiting In Silence' zurückreicht. Besonders positiv sticht an diesem Abend der erstklassig produzierte und abgemischte Soundrahmen hervor, der in seiner kraftvoll austarierten Knarzigkeit größtenteils Studio-Alben-Niveau erreicht. Gesprochen wird von Kirk jedoch nur das Allernötigste und auch der Bewegungsradius der vier Bandmitglieder beschränkt sich auf ein Minimum.

Mit einer Laufzeit von einer knappen Stunde und seiner reduzierten Darstellung setzt der dritte CROWBAR-Livestream zwar keine neuen Maßstäbe in Sachen Inszenierung und Online-Erlebnis, bietet aber zumindest einen kleinen Farbtupfer in der grauen Tristesse der noch immer vorherrschenden Konzertlosigkeit. Quasi ein "Old-School-Streaming-Event", wenn man diese Bezeichnung nach einem Jahr der Pandemie schon bemühen möchte. Die Show war im Nachhinein noch für zwei weitere Tage auf Abruf verfügbar. Bleibt noch zu hoffen, dass wir CROWBAR auf der für kommenden November und Dezember angekündigten Europatour mit Sepultura und Sacred Reich auch tatsächlich wieder in Fleisch und Blut erleben können.

Setlist CROWBAR

Self-Inflicted
High Rate Extinction
New Dawn
Conquering
Waiting In Silence
I Feel The Burning Sun
The Lasting Dose
New Man Born
To Carry The Load
Walk With Knowledge Wisely
The Cemetery Angels
Thru The Ashes (I've Watched You Burn)
Planets Collide
All I Had (I Gave)

Bands:
CROWBAR
Autor:
Simon Bauer

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