Crossfire

Crossfire 28.01.1998

STRATOVARIUS , RUNNING WILD , JIM MARTIN , FAITH NO MORE - Crossfire

Zum Duell USA vs. Deutschland kommt es bei der Fußball-WM erst im Sommer. Rock Hard schickte mit Jim Martin und Jörg Michael schon mal zwei Vertreter der beiden Länder ins knallhart geschiedste Crossfire. Entscheidet selbst, wer als Sieger daraus hervorging.

SAVATAGE - ´Turns To Me´

Jim:» Sorry, das ist absolut nicht mein Stil. Ich kann zwar raushören, daß da ausgezeichnete Musiker am Start sind, aber irgendwie habe ich diese Art von Haarspray-Rock noch nie sonderlich gemocht. Der Song klingt etwas nach Rainbow, und meine musikalischen Einflüsse stammen eher von Punk- und Hardcore-Bands oder den "Godfathers of Metal", Black Sabbath. Ich glaube nicht, daß diese Art von Musik in den Staaten besonders erfolgreich ist: Da stehen die Kids momentan fast ausschließlich auf Rap-Acts und laufen in diesen riesigen, sackartigen Hosen herum...«

Jörg: »Sehr geil - auf so was stehe ich total. Oh, Savatage sind das? Hm, wenn John Oliva noch singen würde, hätte ich das mit Sicherheit sofort erkannt, aber mit dem neuen Material der Band bin ich noch nicht so vertraut wie mit „The Dungeons Are Calling“ oder „Power of The Night“. Trotzdem: sehr gute Musiker, deren momentaner Erfolg mich wirklich freut, denn abgesehen von „Fight For The Rock“ haben Savatage eigentlich immer exzellente Scheiben abgeliefert und an ihrem ureigenen Stil festgehalten. Zehn Punkte!«

KREATOR - ´Phobia´

Jim: »Oh, das kenn' ich. Sind das KREATOR? Im Bay Area-Underground waren die Jungs immer ziemlich angesagt, und auch als die Band keinen US-Deal mehr hatte, haben sich einige Leute die Scheiben von ihren Freunden in Europa schicken lassen. Ich war nie ein großer Kreator-Fan, muß aber zugeben, daß der Song wirklich gelungen ist. Die Texte gefallen mir, denn Paranoia ist heute mehr denn je ein Thema...«

Jörg (lacht): »Das sind doch meine Freunde aus Altenessen - cool! Die Scheibe ist etwas punkiger ausgefallen als die vorherigen, aber Milles Stimme bleibt natürlich unverkennbar. Ich finde es gut, daß Ventor wieder hinterm Schlagzeug sitzt, und Tommy ist für diese Art von Musik eh einer der besten Gitarristen. Klasse!«

GEEZER - ´Man In A Suitcase´

Jim: »Der totale Hammer! Das klingt richtig "sick". Ich war auf die Scheibe echt gespannt, denn ich muß zu meiner Schande gestehen, das erste Solo-Album mit Fear Factorys Burton C. Bell nie gehört zu haben. Anyway, der Song kickt mächtig. Ich glaube, so einen guten Song haben Black Sabbath nicht mehr auf der Pfanne. Schenkst du mir die CD?«

Jörg: »Sehr gut. Da sind zwar auch einige „zeitgemäße“ Einflüsse auszumachen, aber der Track hat trotzdem Aggressivität und knallt. Klasse ist auch, daß die Jungs versuchen, ihrem Sänger einen eigenen Sound zu verpassen, indem sie ihn durch eine Art Radiomikrophon singen lassen. Können wir das noch mal hören?«

BLACKSTAR - ´Game Over´

Jim: »Gefällt mir. Ich fand Carcass schon ziemlich interessant, aber das ist noch um einige Klassen besser. Was mir wie bei Geezer echt gut gefällt, ist die Art, wie die Gitarren produziert wurden. Der Track ist zudem gradlinig arrangiert und verzichtet auf jeglichen Produktions-Bombast. Das ist etwas, was jeder Musiker von den Bands der 70er lernen kann: Besinnt euch auf das Wesentliche und erliegt nicht den Versuchungen des Produktions-Overkills.«

Jörg: »Ist nicht so ganz mein Ding, allerdings gefällt mir der Gitarrensound sehr gut. Ich glaube zwar nicht, daß ich mir die Scheibe privat auflegen würde, aber Daumen hoch für den Gitarristen: Der Junge traut sich was.«

DIMPLE MINDS - ´The Best Finish Their Drinks´

Jim: »Gefällt mir überhaupt nicht. Die Idee mit den Sauftexten finde ich ja ganz lustig, aber nicht gerade nach dem Aufstehen. Da ist es noch etwas zu früh für Wein, Weib und Gesang. Heute nacht finde ich die Scheibe bestimmt toll. Ich habe selbst mal in einer Kneipen-Band gespielt, die nur Coversongs von den Pogues im Gepäck hatte. War 'ne ziemlich witzige Sache, denn wir haben keine Gage, dafür aber Freidrinks ohne Ende bekommen. Nach zwei Jahren mußte die Bar bedauerlicherweise Konkurs anmelden (lacht).«

Jörg: »Ganz okay - etwas Rock´n´Roll mit Punkeinflüssen. Ich glaube, zu dem Sound trinkt man Bier und fühlt sich wohl, oder? Nicht schlecht...«

LIFE OF AGONY - ´Heroin Dreams´

Jim: »Grauenvoll! Ich habe mit Alternative Rock seit jeher meine Schwierigkeiten, aber das klingt ja noch schlimmer. Die Gitarren hört man so gut wie gar nicht, und 'ne Menge Nirvana haben sie anscheinend auch gehört. Das verbinden sie jetzt äußerst "innovativ" mit einigen Hendrix-Passagen. Nee, das ist absolut nichts für mich. Die einzig gute Alternative-Band war für mich eh Soundgarden.«

Jörg: »Oha, das ist genau die Art von Musik, die mir ziemlich am Arsch vorbeigeht. Life of Agony sind das? Na ja, bis auf das erste Pearl Jam-Album oder „Nevermind“ von Nirvana gefällt mir im Alternative-Bereich eh kaum etwas. Sehr nervig ist auch dieser Wassergitarren-Sound (? - d.Verf.). Da hat irgendein Klampfer was Neues entdeckt, und alle anderen müssen zeigen, daß sie das auch draufhaben...«

SIX FEET UNDER - ´War Is Coming´

Jim: »Klingt scheiße. Wenn ich solche Musik höre, fallen mir komischerweise immer diese ganzen Grindcore-Combos ein, die ich auch nie gemocht habe. Vielleicht bin ich für diese ganze Sache auch schon zu alt, denn auch der Death Metal-Boom ging spurlos an mir vorbei. Das Beste in diesem Zusammenhang ist noch, daß ich den Namen Jim Martin's Behemoth nicht benutzen durfte, weil es in Polen irgendeine Death Metal-Band mit dem Namen Behemoth gibt. Ist das nicht Ironie des Schicksals?«

Jörg: »Oje! Wenn es einen Wettbewerb für den schlechtesten Gitarrensound gäbe, würden diese Jungs ganz vorne liegen. Ist absolut nicht mein Ding, denn die Vocals sind mir zu extrem, und die eine oder andere Timing-Schwankung habe ich auch herausgehört.«

VOIVOD - ´Mercury´

Jim: »Das knallt! Ich finde es zwar nicht besonders toll, aber die Jungs haben eine Vision, und die setzen sie ziemlich kompromißlos um. Vor soviel Eigenständigkeit habe ich Respekt, denn viele Bands erliegen der Versuchung, ihren Sound einem momentan angesagten Trend anzupassen. So gesehen sind Voivod schon wieder empfehlenswert.«

Jörg (lacht): »Furchtbar! Ich habe lange gewartet, denn der Gesang war anfangs noch recht interessant, aber dann... Ich hoffe nur, daß ich nie mit einem Produzenten zusammenarbeite, der versucht, mir so einen mülligen Drumsound zu verpassen. Klar, zu dieser Art von Musik paßt das ganz gut, aber für mich müssen Drums fett klingen und den Hörer richtig an die Wand drücken.«

Bands:
STRATOVARIUS
JIM MARTIN
RUNNING WILD
FAITH NO MORE
Autor:
Onlineredaktion

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