Festivals & Live Reviews


Pic: Christoph Lampert

Festivals & Live Reviews 09.07.2019, 11:14

AMON AMARTH, DIMMU BORGIR, CHILDREN OF BODOM - ROCKHARZ FESTIVAL 2019

Alle Jahre wieder zieht es uns am ersten Juliwochenende zum Rockharz Festival nach Ballenstedt in den Harz, das neben seiner starken Bandauswahl auch durch ein sympathisches Drumherum besticht.

DONNERSTAG

Für uns beginnt der Festivaldonnerstag mit den brasilianischen Thrash-Metal-Damen von NERVOSA, die sich um die Mittagszeit mächtig ins Zeug legen und deren Sängerin Fernanda Lira richtig gute Laune versprüht.

Foto: Christoph Lampert

Danach haben es die Düsterrocker von LACRIMAS PROFUNDERE doch recht schwer, für Stimmung zu sorgen, aber die Band schlägt sich sehr tapfer und insbesondere Sänger Julian Larre punktet durch seinen ebenso sympathischen, wie ausdrucksstarken Auftritt. Hier stimmt die Mischung aus Melodie und Aggressivität, während im direkten Anschluss die Schweden THE UNGUIDED wohl nur ihren Fanclub begeistern können, der sich immerhin lautstark bemüht, die Band abzufeiern.

Auf VAN CANTO sind wir sehr gespannt und die a-cappella-Vokalakrobaten um Inga Scharf und Hagen Hirschmann liefern die erwartet großartige Performance ab, bei der die Coverversionen von 'Ride The Sky' und 'Master Of Puppets' allerdings die Höhepunkte bilden, da sie einfach stärker sind, als das eigene Material.

Die Herren COPPELIUS sind Dauergäste beim Rockharz und man fragt sich jedes Mal auf's Neue, warum das so ist. Die Herren schaffen es sogar 'Killers' von Iron Maiden zu verhunzen und so ist die Freude groß, als FEUERSCHWANZ die Bühne betreten und mit ihren Hits 'Operation Drachensturm', 'Die Hörner hoch' und dem 'Schubsetanz' gleich mächtig Gas geben. Das Publikum gibt alles und geht bereitwillig auf die Animationen von von Mietze und Prinz Hodenherz ein und man merkt, dass hier die Chemie zwischen Band und Fans stimmt.

Auf die Thrash-Metal-Urgesteine OVERKILL haben sich offensichtlich nicht nur wir gefreut, denn die Fans feiern ihre Helden kräftig ab und Blitz und DD Verni haben offensichtlich auch nach knapp vierzig Jahren immer noch Spaß an dem, was sie da tun. Hits wie 'Rotten To The Core' und 'Hello From The Gutter' werden aus tausenden Kehlen mitgegrölt und auch den DOA-Klassiker 'Fuck You' gibt es erfreulicherweise zu hören. Chapeau.

Foto: Christoph Lampert

Bei LORDI kommen dann die Kostüm-Metal-Fans voll auf ihre Kosten und die Finnen mühen sich redlich, die Fans zu begeistern, aber leider will der Funke bei ihren eintönigen Popsongs nicht so recht überspringen.

Foto: Christoph Lampert

Wahrscheinlich weil ein Großteil des Publikums auf HÄMATOM wartet, die dann mit 'Zeit für neue Hymnen' die Bühne stürmen und ihre Fans in Ekstase versetzen. Höhepunkt des kurzweiligen Sets ist sicherlich das Drumcrowdsurfing von Drummer Süd, das man so wohl auch nicht alle Tage sieht.

Die finnischen WINTERSUN werden von vielen Festivalbesuchern seit Jahren auf dem Rockharz Festival erwartet und in diesem Jahr hat es nun endlich mit dem Besuch von Jari Mäenpää und seiner Band im Harz geklappt. Entsprechend enthusiastisch wird die Band abgefeiert und liefert mit 'Death And The Healing' den Übersong ihres großartigen Sets ab.

Foto: Christoph Lampert

Danach spielen CRADLE OF FILTH in der fortschreitenden Dämmerung, so dass der äußere Rahmen bestens zum düsteren Sound der Band passt. Dani Filth keift und quiekt wie man es von ihm erwartet, und die zahlreichen Fans lieben ihn dafür.

Foto: Christoph Lampert

Headliner des ersten Festivaltages sind AMON AMARTH, die ihrem Ruf als großartige Liveband voll gerecht werden und das Publikum zu später Stunde mit Hits aus allen Schaffensphasen und ebenso viel Pyrotechnik begeistern.

Foto: Christoph Lampert

FREITAG

Der Freitag beginnt schon kurz vor zwölf mit den großartigen MILKING THE GOATMACHINE, die trotz der frühen Stunde eine mehr als beachtliche Menschenmenge vor der Bühne versammeln und eine ebenso geile Show wie auch die erste Wall Of Death des Tages abliefern.

Danach haben es NAILED TO OBSCURITY schwer und können trotz aller Bemühungen das Publikum mit ihrem schwermütigen Sound kaum begeistern.

Kostüm-Metal geht da schon eher und so verwundert es nicht, dass WARKINGS am frühen Nachmittag mit ihrem klassischen Speedmetal und Schlachthymnen gut abräumen. Bei 'Sparta' tritt Melissa Bonny von RAGE OF LIGHT als Gastsängerin auf und kann die Fans sofort für sich begeistern.

Foto: Christoph Lampert

Die Italiener ELVENKING sind schon über 20 Jahre am Start und entsprechend routiniert präsentieren sie ihren Mix aus Folk- und Powermetal, der die Fans zahlreich vor die Bühne lockt.

Foto: Christoph Lampert

Auf den ersten Blick scheinen MR. IRISH BASTARD auf einem Metal-Festival ja falsch zu sein, aber dass Metaller auf Folkpunk stehen, weiß man ja nicht erst seit den Pogues, und so haben die Münsteraner mit der feierwütigen Meute leichtes Spiel. Der Circle Pit bei 'Black Eye Friday' ist jedenfalls so groß, dass es vor der Bühne zu Staubildungen kommt.

Die Finnen OMNIUM GATHERUM geben im Anschluss mit ihrem melodischen Death Metal Vollgas und hätten sicherlich noch mehr Zuspruch verdient gehabt, wohingegen man sich fragt, warum eigentlich THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA vom Publikum so sehr geliebt werden. Rockmusik, wie sie schon in den Siebziger Jahren von Van Halen oder Journey gespielt wurde, ist einfach nicht unsere Tasse Bier und so begeben wir uns lieber zum Getränkestand, um dasselbige zu trinken.

Bei KISSIN' DYNAMITE liegt die Sache anders, denn die Band um den großartigen Entertainer Johannes Braun spielt ihren Glam Rock mit voller Überzeugung und weiß durchaus zu begeistern.

Bei CALIBAN übernehmen wieder die Freunde der härteren Gangart die Regie vor der Bühne und lassen sich freudig den Metalcore ihrer Helden um die Ohren hauen. Ein durchaus gelungener Auftritt mit viel Publikumszuspruch, der nur durch die aufdringlichen Mitmachanimationen von Sänger Andreas Dörner getrübt wird.

Mit SOILWORK geht es direkt heftig weiter und die Herren um Sänger Björn Strid legen sich gleich zu Beginn mit 'Arrival' und 'Nerve' mächtig ins Zeug. Das Publikum geht beim Death-Metal-Brett der Band voll mit und die Band dankt es mit großer Spielfreude.

Hyperspeed-Metal mit den herausragenden Doppelsoli des Festivals gab es von DRAGONFORCE zu hören. Unglaublich, was Herman Li und Sam Totman auf ihren Gitarren zaubern und selbst die gewöhnungsbedürftige Stimme von Sirene Marc Hudson tut dem unglaublichen Auftritt der Band keinen Abbruch, die mit Hits wie 'Cry Thunder' einfach nichts falsch machen kann.

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Bei HYPOCRISY geht es dann wieder heftiger zur Sache und Peter Tägtgren ballert seinen Fans Hit auf Hit um die Ohren, bevor die Chartstürmer SALTATIO MORTIS die Regie auf der Dark Stage übernehmen und ein Feuerwerk an Hits und Pyroshow abbrennen. Zwischen Bühne und Mischpultturm drängen sich tausende von Fans und feiern eine Band, die auf der Bühne großes Kino abliefert. 'Wo sind die Clowns?', 'Spielmannschwur' und natürlich das wichtige 'Besorgter Bürger' begeistern Fans und solche, die es werden wollen.

Foto: Christoph Lampert

Danach betreten Headliner DIMMU BORGIR die in stimmungsvolles Licht getauchte Bühne und zelebrieren ihre Version von norwegischen Black Metal. Sänger Shagrath und seine Mitstreiter spielen vielschichtige Songs und profitieren von einen atmosphärisch dichten Sound, der an diesem Abend voll zum Tragen kommt. Die Hits 'Progenies Of The Great Apocalypse' und 'Mourning Palace' gibt es auch zu hören und so sind an diesem Abend alle Fans vollauf zufrieden mit ihren Helden.

Foto: Christoph Lampert

SAMSTAG

Am Sonnabend müssen wir noch früher aus den Federn, denn als erste Band stehen FOLLOW THE CIPHER bereits um 11:20 Uhr auf der Bühne, um einigen hundert Frühaufstehern kräftig einzuheizen. Festivals sind und bleiben die Hölle, wenn man möglichst viele Bands sehen will. Die Schweden lösen ihre schwere Aufgabe mit viel Leidenschaft und haben sicherlich einige neue Fans gewonnen.

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Die Überraschung des Tages sind allerdings die Finnen HELL BOULEVARD, die nicht nur Misfits-Shirts tragen, sondern mit ihrem Mix aus Punk, Metal und Rock 'n' Roll auch sehr an ihre Helden erinnern. Die Songs haben allesamt Hitpotential, so dass von dieser Band in Zukunft noch einiges zu hören sein wird.

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Bei VISIONS OF ATLANTIS kommen dann die Fans des melodischen Symphonic Metal voll auf ihre Kosten und die Show von Sängerin Clémentine Delauney und Sänger Michele Guaitoli begeistert die Fans am frühen Nachmittag. Etwas mehr Schwung würde der Band zwar gut zu Gesicht stehen, aber die Duette sind einfach zu gut, um dem Publikum nicht zu gefallen.

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FREEDOM CALL kommen äußerst sympathisch rüber und sorgen mit ihrem klassischen Achtziger-Jahre-Speed-Metal für einiges an Bewegung im Publikum.

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Danach ist es an der Zeit, die Schweizer Metal-Queens von BURNING WITCHES abzufeiern, die mit neuer Sängerin Laura Guldemond ihr Debüt beim Rockharz Festival geben und für Begeisterung im weiten Rund vor der Bühne sorgen.

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Die Schweden GRAND MAGUS beweisen im Anschluss eindrucksvoll, dass man nicht immer Vollgas geben muss, um bei den Festivalbesuchern gut anzukommen. Sänger JB ist sichtlich gerührt vom Zuspruch der begeisterten Fans und die Band feuert dankbar Hit auf Hit auf das Publikum ab.

Bei ANVIL ist man sich ja nie sicher, wie ernst sich Sänger Lips eigentlich noch nimmt, aber seine ironischen Kommentare zu seinem Alter machen die Sache dann doch wieder sympathisch. Die Band ist mit Humor bei der Sache und es gibt mit 'Oooh Baby' sogar einen Song vom ersten Album von 1981 zu hören, wobei bei den Songs der Band allerdings auch deutlich wird, warum sie es nie ganz an die Spitze geschafft hat.

Die Hardrocker HARDLINE sind auch schon bald 30 Jahre im Geschäft, haben aber einen schwachen Tag, denn der Funke zu den Fans will einfach nicht so recht überspringen.

Bei GRAVE wird es ernst und die Schweden wissen mit ihrem brutalen Sound voll zu überzeugen. Ein Knaller nach dem anderen wird abgefeuert und die Death-Metal-Urgesteine ziehen das Publikum unweigerlich in ihren Bann.

Foto: Christoph Lampert

Auch LEGION OF THE DAMNED ballern aus vollen Rohren und die Fans feiern die Band für ihre gelungene Mischung aus alten und neuen Hits. Über MONO INC. hüllen wir an dieser Stelle besser den Mantel des Schweigens, denn wenn ich Popmusik hören will, drehe ich das Autoradio an. Immer wieder erstaunlich, warum tausende von Fans eine Band bejubeln, deren bester Song 'After The War' von Gary Moore stammt.

Bei EPICA setzt dann der Regen ein und Ausnahmesängerin Simone Simons bringt dies mit den Worten „Scheiß Wetter, aber was für ein geiles Publikum“ sehr treffend auf den Punkt. Die Band hat richtig viel Spaß und haut dem Publikum einen Hit nach dem anderen um die Ohren, so dass der Regen schnell vergessen scheint.

Foto: Christoph Lampert

Die finnischen Spaßmacher von KORPIKLAANI tun sich zunächst schwer und man hat den Eindruck, als wollten sie es sich mit ihren langsamen Songs mit dem Publikum nachhaltig verscherzen. Dann packen sie aber doch noch die Gassenhauer 'Vodka' und 'Beer Beer' aus, so dass die Welt der regennassen Fans wieder in Ordnung ist.

Foto: Christoph Lampert

Headliner des dritten Festivaltages sind CHILDREN OF BODOM, die trotz des Regens von den knapp 20.000 Festivalbesuchern frenetisch abgefeiert werden. Death Metal ist ja nicht jedermanns Sache, aber die Finnen scheinen eine Konsens-Band zu sein, die irgendwie jeder gut findet. Alte Hits und neue Songs wechseln sich ab, wobei Songs wie 'Hate Me' für den größten Jubel sorgen und 'If You Want Peace... Prepare For War' den Abschluss eine guten, wenn auch nicht überragenden Show markiert, die zufriedene Fans in die dunkle Nacht entlässt.

Drei aufregende Tage neigen sich somit ihrem Ende entgegen und das Rockharz Festival wird sicherlich auch 2020 wieder eine herausragende Mischung aus Bands aller denkbaren Metal Genres präsentieren, so dass wir gern wieder zu Besuch in Ballenstedt sein werden.

Bands:
AMON AMARTH
DIMMU BORGIR
CHILDREN OF BODOM
Autor:
Christoph Lampert

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