Interview


Pic: Jesse Navarre Vos

Interview 10.06.2020, 12:09

CONSTELLATIA - Der Weg zu neuen Horizonten

Nach dem ersten Release über Isolation Records Ende 2019 haben CONSTELLATIA aus Südafrika einen Deal mit Season of Mist unterschrieben, die das Album „The Language Of Limbs“ im Sommer neu herausbringen. Gitarrist Gideon Lamprecht und Sänger/Bassist Keenan Nathan Oakes waren zuvor bei Crow Black Sky, bzw. Wildernessking aktiv und haben sich nun für ihre eigene Post-Black-Metal-Vision zusammengetan, die hellauf begeistert, insofern man sich mit warmer, positiver Melancholie und klanglicher Weite anfreunden kann, die weit von Kraftlosigkeit oder oberflächlichem Pop entfernt ist.

Was war eure Motivation CONSTELLATIA zu gründen und was gibt die Band euch, das frühere Projekte nicht konnten?

Gideon: »Wir haben uns im Sommer 2018 getroffen und hatten jeweils nicht viel aktive musikalische Projekte. Crow Black Sky und Wildernessking kannten und respektierten wir von Beginn an und hatten nach rund einer Woche schon die Hälfte des ersten Songs fertig.«

Keenan: »Es lief von Anfang an sehr natürlich, aber es war schwierig einen Drummer zu finden, der auf die gleiche Musik Bock hat wie wir. Jemand der Black Metal mag, aber auch gern viele andere Sachen damit kombiniert. CONSTELLATIA fühlt sich für uns differenzierter, vielleicht auch erwachsener an, als das was wir vorher gemacht haben. Es geht nicht darum, aggressive und schwere Musik zu machen, sondern mehr um eine Art Meditation, anstatt headbangen und abzugehen. Für mich ist es eher eine Reise oder ein künstlerisches Projekt, als eine Metalband.«

Gideon: »Es gibt quasi keine Black-Metal-Drummer in Südafrika und auch keine Szene. Früher habe ich in meinen Bands alles allein geschrieben und hier tun wir das gemeinsam.«

Wie habt ihr euren Studiodrummer gefunden?

Gideon: »Er ist der alte Drummer von Crow Black Sky. Wir kennen uns seit zehn Jahren.«

Werdet ihr die Band eines Tages von einem Duo auf eine volle Besetzung erweitern und auf diese Weise neue Musik schreiben?

Gideon: »Wir sind zu viert, aber Keenan und ich schreiben die Musik zu zweit.«

Keenan: »Mit zwei Personen läuft es unkomplizierter und wir wissen alle wie schwierig es ist, in Bands zu sein, wo alle Mitglieder sich kreativ beteiligen wollen. Das kann spannend sein, aber es ist auch eine Frage der besten Arbeitsdynamik und dass man voran kommt.«

„The Language Of Limbs“ - die Körpersprache, die non-verbale Kommunikation. Denkt ihr, wir sollten fürchten sie in der zunehmend digitalen Kommunikationswelt zu verlieren?

Keenan: »Wow (lacht), damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Aber du hast recht. Die Welt ist durch Social Media sehr digitalisiert und ich würde es furchtbar finden, wenn physischer Kontakt immer weniger wird, da ich eine sehr herzliche Person bin, der körperlicher Kontakt wichtig ist. Der Name des Albums steht in etwa dafür, durch seinen Körper zu sprechen. Er steht dafür, wie wir mit Menschen in Kontakt treten, was wir ihnen signalisieren. Es ist wie eine Art von Tanz. Jemanden zu umarmen oder zu küssen, bedeutet mehr als wenn du sagst, du liebst ihn.«

Das bringt uns auch zur besonderen Stimmung des Albums, die schwer in Worte zu fassen ist. Es ist energievoll, es ist zart, es ist tröstend aber auch rätselhaft. Es fühlt sich an wie Lovesongs, die gleichzeitig weit weg von der Erde sind. Ist das Album eure persönliche Balance zwischen nostalgischer und düsterer Vergangenheit und den Chancen der Zukunft?

Keenan: »Also, das Album ist die Konsolidierung von dem was wir vorher an Musik gemacht haben, aber auch wodurch wir in unseren Leben bis hierhin gegangen sind. Alle Dinge die unser Leben beeinflussen, spielen eine Rolle und vielleicht ist es auch ein kleiner Blick in die Zukunft, ja. Es ist ein sehr persönliches Album und entstand in einer für jeden von uns schwierigen Zeit. Wir konnten uns sagen, cool, soweit haben wir diese Probleme gelöst und nun können wir uns neuen Themen widmen. Ich bin sehr froh, dass du diese Einzelheiten hörst und fühlst.«

Gideon: »Es ist recht optimistisch, was du auch an den vielen Dur-Akkorden hören kannst. Hoffen wir, dass das Leben nicht zu einfach wird, weil die Musik sonst uninteressant ist.«(lacht)

Keenan, obwohl du nicht richtig clean singst, ist das Timbre deiner Stimme sehr variabel geworden. Hast du systematisch etwas neues ausprobiert und neues Vertrauen in deinen Gesang gewonnen?

Keenan: »Ja, auf jeden Fall. Ich wollte nicht das Gleiche machen wie in der Vergangenheit und wir wollen auch noch mehr interessante Ideen mit Gesang umsetzen. Ich hatte keine Lust nur typische Black-Metal-Vocals zu verwenden. Die Texte sind sehr persönlich und ich war neugierig, viel neues auszuprobieren.«

Gideon: »Für die nähere Zukunft sind wir noch auf Entdeckungsreise und wissen nicht, wohin es genau geht.«

Keenan: »Wir lieben Metal, aber wollen uns ausprobieren und der immer ähnliche atmosphärische Black Metal wird auch schnell langweilig. Ich höre vieles gerne davon, aber es gibt schon genug Bands, die so klingen.«

Zudem gibt es Guestvocals, die als Dialog bzw. Prolog in zwei Songs vorkommen. Auf 'All Nights Belong To You' hören wir Alison Rachel von der südafrikanischen Band Honeymoan und das Intro von 'The Garden' stammt von der Kapstädter Musikerin Lucy Kruger, die seit längerem von Berlin aus arbeitet. Wie habt ihr die Lyrics und den Gesang in die Arrangements eingearbeitet?

Keenan: »Alison und ich waren mal zusammen, das ist unsere Verbindung. Gewissermaßen ist es ein Duett. Ich hatte eine Idee, wie man diese Bridge vor dem Abschluss des Songs aufbauen kann, aber ich habe ihr zunächst nur den Namen des Tracks mitgeteilt und die Stelle, wo ich mir ihren Gesang vorstelle. Dann hat sie etwas geschrieben und kam damit ins Studio. Da die Phrasen sehr lang waren, haben wir uns geeinigt, sie zu halbieren. Das Prinzip ist aber gleich geblieben, indem ich etwas sage, sie etwas sagt und schließlich sagen wir das gleiche zusammen. Der Teil mit Lucy ist kein Dialog. Ich habe ihr den Text geschickt und sie gebeten, daraus etwas in ihrer Art zu machen. Ich mag ihre eindringliche Stimme und wie sie schreibt. Alison und Lucy leben beide in Europa und könnten live auch dazukommen, wenn es wieder Konzerte geben kann.«

Hat 'All Nights Belong To You' etwas mit dem Loslassen von alten Gefühlen und inneren Dämonen zu tun?

Keenan: »Ja total, der ganze Song lebt von dem Gefühl, sich von jemandem entfernt zu haben und das für sich selbst auch zu akzeptieren und hinter sich zu lassen.«

'The Garden' ist der längste und facettenreichste Track und enthält klassische Gitarrensoli und melancholische Singer-Songwriter Momente. Habt ihr in dieser Zeit bestimmte Musik gehört, oder gibt es vielleicht Inspiration von einem natürlichen Garten mit verschlungenen Blumen und Pflanzen?

Gideon: »Nein, es gibt keine bestimmte Band, die eine Inspiration war, sondern es ist mehr das Ergebnis der drei vorangehenden Songs. Wir haben das Album chronologisch geschrieben und so kamen wir auf die Gitarrensoli und so wurde es der längste Song.«

Keenan: »Du hast schon recht, er greift Elemente auf, die vorher so nicht zu hören waren, und er ist für mich auch die Krönung des ganzen Albums.«

Gideon, was kannst du noch über die Gitarren sagen? Wir hören viele Akustikgitarren und langsame, bewusst gespielte Noten. Auch die E-Gitarren haben nur wenig Verzerrung und dafür jede Menge Sustain und Hall.

Gideon: »Wenn wir die Songs schreiben, nehme ich sie auch direkt auf. Alle Gitarren auf „The Language Of Limbs“ wurden während des Songwritings final aufgenommen. Ich drehe den Gain weit herunter, weil so viel mehr Details zu hören sind und packe auf alle Gitarren sehr viel Hall, wie du schon sagtest. Und die Gitarrensoli…«

Keenan: »Damit habe ich absolut nichts zu tun. Ich kann einfach nur sagen, ob ich es mag oder nicht. Und als ich festgestellt habe, in welche Richtung wir gehen, war ich wirklich begeistert. Es sind keine typischen Metal-Leadgitarren.«

Im Grunde sind es ziemlich klassische Siebziger- und Achtziger-Rockgitarren-Soli.

Gideon: »Keiner von uns hat von Anfang an mit Soli gerechnet. Das wichtigste ist, dass ein Part mit Solo auch tatsächlich davon profitiert, sonst braucht man keins zu spielen. Ich spiele eine einfache Ibanez 7-String, obwohl ich die siebte Saite kaum benutze. Momentan kann ich mir keine andere Gitarre leisten (lacht).«

Könnt ihr noch etwas zum Artwork erzählen? Wer ist Daniel Nel, der es gezeichnet hat? Seine anderen Werke zeigen meistens alltägliche Motive von Menschen in einer blau-weißen Pastell-Optik, während das Cover-Gemälde wie eine Illustration abstrakter Bäume, einem Strand und einem einzelnen Menschen in der Mitte wirkt.

Keenan: »Daniel ist ein guter Freund von mir. Er ist vor ein paar Jahren nach Durban gezogen. Ich liebe seine einzigartigen Arbeiten, wie er alltägliches Leben dokumentiert. Für unser Bild habe ich ihm den Albumtitel genannt und stellte mir ein abstraktes Bild mit Wellen und Wolken vor und einer Person die zwischen diesen Elementen gefangen ist. Das Cover ist der erste Entwurf auf Leinwand und wir haben es genau so behalten.«

Gideon: »Beim nächsten Album werden wir wieder mit neuen Leuten zusammenarbeiten, egal wie gut die Kooperationen dieses mal waren, da wir uns nicht wiederholen wollen.«

www.constellatia.bandcamp.com

www.facebook.com/constellatiaband

Bands:
CONSTELLATIA
Autor:
Meredith Schmiedeskamp

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