Interview

Interview 18.12.2018, 13:40

CNTMPT - Online-Ergänzung zum Interview aus Rock Hard Vol. 380

Die Leipziger Black Metaller CNTMPT haben kürzlich ihr zweites Album „Towards Neglect“ veröffentlicht. Sänger und Gitarrist S. verrät uns einiges über das ostdeutsche Bandnetzwerk Into Endless Chaos, den Einfluss Genrefremder Musik und die Reise, die sich durch „Towards Neglect“ zieht und im aktuellen Heft-Interview schon anklingt.

S., ihr seid noch in anderen Projekten aktiv (z.B. II oder Vidargängr) - wo lässt sich CNTMPT da einordnen?


»Wir sind alle über die letzten zehn Jahre in mehreren Projekten involviert gewesen und sind es nach wie vor. Vor allem unser Schlagzeuger M. ist ein regelrechter Tausendsassa, was seine Musikprojekte betrifft. Zu nennen wären hier unter anderem Evil Warriors, The Inner Abyss (sein Soloprojekt), II und Antlers. Unser Bassist B. ist noch in Bands wie Black Salvation und Division Speed vertreten. Ich für meinen Teil spiele aktiv, wie du schon richtig erwähntest, bei II und Vidargängr. Da sich bei unseren Projekten die Mitwirkenden oft überschneiden, fließen unsere Stile natürlich beim Komponieren der Lieder für CNTMPT ein Stück weit mit ein. Dennoch unterscheidet sich CNTMPT musikalisch und konzeptionell von unseren anderen Bands. Für mich stellt sie die konzeptloseste und interpretationsfreieste von unseren Acts dar.«

Euer zweites Album „Towards Neglect“ erscheint via Into Endless Chaos Records, was wie ein Bandnetz für den gesamten Leipziger Underground zu sein scheint?


»Into Endless Chaos wurde vor einigen Jahren von uns als Kollektiv ins Leben gerufen, weil wir Interesse daran hatten, unsere Musik, oder generell unsere künstlerischen Machwerke, unter ein Banner zu stellen und Vertrieb, Promotion und so weiter selbst in der Hand zu haben. Inzwischen hat sich Into Endless Chaos natürlich weiterentwickelt. Nun ist es nicht mehr nur ein Banner für unsere Gruppe, sondern auch Label und Veranstalter von Konzerten und Ausstellungen. Bei Into Endless Chaos steht zwar die Musik im Vordergrund, aber wir haben auch einige bildende Künstler, Grafiker und Filmemacher mit im Kollektiv. Das kommt allen beteiligten zu Gute, da wir dadurch eben relativ unabhängig sind, was einige Prozesse in unserem Tun wesentlich erleichtert.«


Grundsätzlich spielt ihr eher puristischen Black Metal und dennoch spürt man gleichzeitig eine Grenzenlosigkeit in der Musik. Wie fest seid ihr während des Komponierens in diesen puristischen Wurzeln verankert, wie viel Freiraum lasst ihr euch?

»Im Grunde genommen ist es mehr oder weniger ein Zufall, dass CNTMPT nach Black Metal klingt. Natürlich hat das damit zu tun, dass wir dem Metal generell zugetan sind und diesen auch spielen. Allerdings sind unsere Einflüsse von allen Seiten der musikalischen Welt gespickt. Wir alle hören neben metallischen Klängen auch jede Menge Rock, Country, elektronische Musik sowie Rap und Folk. Dementsprechend wäre es für uns unmöglich, mit CNTMPT an puristischen Wurzeln festzuhalten, weil wir uns damit selber limitieren würden. Das freie Entfalten unserer Gedanken und Emotionen in dieser Musik steht für uns beim Komponieren definitiv im Vordergrund.«

Die akustischen Zwischenspiele und andere Melodien auf der Platte wirken warm-melancholisch und erinnern etwas an Schwarze Romantik. Könnt ihr etwas mit dieser Unterströmung anfangen? Kann euch Literatur auch inspirieren?


»Ich habe mich, ehrlich gesagt noch nicht wirklich direkt mit dieser Unterströmung beschäftigt, aber wenn du, oder andere, diese Parallele wahrnehmen, hat sie durchaus ihre Berechtigung. Ich werde mich wohl mal damit auseinandersetzen und vielleicht nimmt das dann Einfluss auf zukünftige Veröffentlichungen. Literatur spielt für uns natürlich eine recht große Rolle. Einen gewissen Einfluss hat das sicherlich auch auf unsere Musik, allerdings ist bei CNTMPT nichts direkt an bestimmte Literatur angelehnt oder versucht, die gelesenen Inhalte widerzuspiegeln. Die Melancholie und die Wärme sind Aspekte, die einfach in uns stecken und gelegentlich die Vorherrschaft ergreifen, weswegen sie dann Verwendung in unserer Musik finden.«

'Magical Herbs' ist ein besonderer Anschluss für das Album. Das Lied wirkt düster, spacy und unterstreicht eine Charaktereigenschaft der gesamten Platte: Es wirkt wie eine Reise in andere Sphären und Universen. Ist das etwas, was Musik deiner Meinung nach leisten soll und was sie auch mit dir macht?

»'Magical Herbs' stellt mehr oder minder den Abschluss der besagten Reise dar. Der Reisende ist an einem Punkt angekommen, der ihn sowohl mit Ruhe, Erkenntnis und Licht, als auch mit Angst, Überforderung und Dunkelheit zurücklässt. Somit stellt er fest, dass diese Reise keinen Abschluss finden kann, sondern nur die Möglichkeiten an Wegen beschreibt, die er gehen könnte. Überdies stellt er fest, dass es keine endgültige Wahrheit oder Unwahrheit gibt. Die Grenzen von Dualismus und der eingeschränkten Vorstellungskraft wurden aufgesprengt und eine noch viel größere Welt liegt vor ihm. Ich verliere mich gerne in Musik und gehe damit auf geistige Reisen. Ein generelles Muss oder Kriterium ist es allerdings nicht. Es gibt so viele Möglichkeiten, an Musik Gefallen zu finden. Es wäre also schlicht und ergreifend schade, wenn man sich selber durch irgendwelche Kriterien limitieren würde.«

www.facebook.com/cntmpt

cntmpt.bandcamp.com

Bands:
CNTMPT
Autor:
Mandy Malon

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.