Classic Albums

Classic Albums 17.03.2010

IRON MAIDEN - Classic Albums - Iron Maiden (1980)

Mit „Iron Maiden“ begann mehr oder weniger eine neue Zeitrechnung. Die New Wave Of British Heavy Metal war zwar schon unaufhaltsam als neue Stilrichtung im Gange, was aber fehlte, war ein Album, das diesen Prozess manifestierte. Und genau das sollte das Debüt des Quintetts werden: ein Klassiker, der frischen Wind in die Szene brachte und auch heute niemanden kalt lässt. Mittlerweile kümmert sich um die Live-Präsentation der Nummern vor allem Originalsänger Paul Di´Anno, der uns nach einem Konzert seiner eigenen Band über das Album aufklärt.

Paul, was sind deine ersten Assoziationen, wenn du an „Iron Maiden“ denkst?

»Da ist vor allem die Produktion, die mich ärgert. Es ist aber ein wirklich außergewöhnliches Album, und ich bin glücklich, daran mitgewirkt zu haben. Weil ich einen anderen Background als die anderen Mitglieder hatte, sah es zunächst gar nicht so aus, als ob wir zusammenpassen würden. Bei der ersten Probe wusste ich noch gar nicht, was mich erwarten sollte. Ein Freund, der auch Steve Harris kannte, empfahl mich, und so wurde ich zum Vorsingen eingeladen. Ich tauchte als Punk mit einem Mohawk auf und sollte ´Dealer´ von Deep Purple singen. Eigentlich war schon an diesem Punkt klar, dass das nicht klappen konnte, und ich wollte sofort wieder gehen. Aber es klappte! Ich habe mich mit Steve Harris viel über Musik unterhalten, und es schien so, als ob mein Punk-Einschlag genau das war, was Maiden fehlte. Es war die beste Zeit meines Lebens.«

Wie verlief das Vorspiel zum Album?

»Zunächst gab´s die „Soundhouse Tapes“ als Vinyl-EP. Komischerweise habe ich keine einzige meiner eingesungenen Scheiben zu Hause. Dabei wären gerade diese Aufnahmen heute bestimmt einiges wert. Auf jeden Fall halfen uns die Aufnahmen auf dem Weg zum ersten Album, denn wir wussten nun, dass die Nummern im Studio funktionieren.«

War es nicht überraschend, dass euch ein Majorlabel wie EMI unter Vertrag nahm?

»Wir hatten schon nach den „Soundhouse Tapes“ einen ganz guten Ruf, und viele Labels wie RCA oder Decca zeigten Interesse an uns. Unser Manager Rod Smallwood hatte schon damals einen guten Geschäftssinn und holte mit dem EMI-Deal das Beste für uns raus.«

Hätte man irgendwas anders oder besser machen können?

»Weil meine Stimme noch nicht so gut trainiert war wie heute, hätte ich vielleicht mehr aus ihr rausholen können. Aber wie schon gesagt: Die Produktion des Albums war das Problem. Uns wurde vom Label Will Malone als Produzent vorgesetzt. Er hat unsere Musik nicht verstanden und überhaupt nicht zu uns gepasst. Ich glaube, er hatte zuvor mit Mike Oldfield gearbeitet und da die Triangel gespielt. Hätte unser späterer Produzent Martin Birch die Produktion übernommen, wäre das Album perfekt geworden. So ärgere ich mich noch heute und hoffe, dass Steve Harris irgendwann auf die Idee kommt, die Platte noch mal neu mixen zu lassen. Die Songs hätten es wirklich verdient.«

Wie war die Kooperation mit Steve als Hauptsongwriter?

»Das war nicht einfach. Ich konnte zum Beispiel nur Lyrics für zwei Songs, nämlich ´Running Free´ und ´Remember Tomorrow´, unterbringen. Natürlich habe ich auch beim Songwriting mitgemischt, aber Steve übernahm die Hauptarbeit. Während ich mit Steve eigentlich nie Probleme hatte, war das mit Dennis Stratton anders. Er passte überhaupt nicht zur Band, und sein Input war minimal.«

Habt ihr heute noch Kontakt?

»Eigentlich nicht. Jeder geht seine eigenen Wege. Er lebt in England, und ich bin mittlerweile in Brasilien zu Hause. Manchmal sehen wir uns zufällig am Flughafen. Das letzte organisierte Treffen war die Benefizshow für Clive Burr in London.«

Ein wichtiger Erfolgsbaustein war auch die Covergestaltung. Wie kamt ihr in Kontakt mit Derek Riggs?

»Auch Derek Riggs wurde uns von der Plattenfirma aufgedrückt. Das war aber eine glückliche Fügung. Als wir seinen ersten Entwurf sahen, war klar, dass die Kombination klappen würde. Ohne dass wir ihm Vorgaben machten, hatte er das passende Konzept auf Lager. Gerade bei Vinylscheiben ist das Cover entscheidend. Wenn man im Laden im Regal stöbert, fällt einem das Cover ins Auge. Für mich hatte Eddie etwas Punkiges. Dass daraus eine so lange Kooperation werden sollte, konnte damals niemand ahnen. Für Derek und uns war das der Start zu etwas ganz Großem.«

Hast du einen Favoriten auf dem Album?

»Ganz klar ´Phantom Of The Opera´. Die Nummer hat alles: Sie ist schnell, hat Struktur, ist technisch anspruchsvoll und bietet meinen besten Gesang. Letztlich spiegelt sie all das wider, was IRON MAIDEN damals ausmachte.«

Nach den Aufnahmen kam es gleich zu einer Tour mit Judas Priest in England. Was sind deine Erinnerungen daran?

»Das war ein Traum. Judas Priest waren immer der Inbegriff des Heavy Metal. Von Rob Halford konnte ich sehr viel lernen. Weil ich kein Studiomensch bin, war die Tour genau die richtige Abwechslung.«

Hast du damals ahnen können, dass dich die Songs dein ganzes Leben lang begleiten werden?

»Eigentlich nicht. Aber auf einer Tour in den Staaten habe ich einmal komplett auf Maiden-Songs verzichtet, und auch das hat funktioniert. Meine Fans wissen, dass ich mehr als Maiden-Nummern zu bieten habe. So wechsele ich öfters die Setlist, aber auch nach 30 Jahren haben die Maiden-Nummern etwas Magisches.«

Gibt es noch Geheimnisse rund ums Album?

»Nein. Es handelte sich um ganz normale Studioarbeit. Für uns war es aber wie im Wunderland. Wir spürten, dass wir gerade etwas Großartiges erschaffen.«

Bands:
IRON MAIDEN
Autor:
Wolfram Küper

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