ToneTalk

ToneTalk 20.10.2010

CHILDREN OF BODOM - »Anderen Leuten die Gitarren zu klauen, ist das Niederste, was es gibt«

Namen: Alexi Laiho & Roope Latvala
Instrument: Gitarre
Band: Children Of Bodom

Alexi, Roope, in welchem Alter habt ihr angefangen, Gitarre zu spielen, und was war der Auslöser?

Alexi: »Ich war elf Jahre alt und liebte den Klang der Gitarre. Bereits mit vier Jahren mochte ich Rockmusik und Bands wie z.B. die Dire Straits.«

Roope: »Ich war zwölf, als ich anfing, Gitarre zu spielen, und ca. ein Jahr später habe ich die ersten Stunden genommen. Ich mochte die Sex Pistols und fand den Sound von Steve Jones cool.«

Gab es damals Songs, Riffs oder Soli, die euch beim Üben in den Wahnsinn getrieben haben?

Alexi: »Ich gebe niemals auf. Wenn ich etwas können wollte, habe ich einfach so viel geübt, bis es irgendwann geklappt hat.«

Roope: »Natürlich muss man irgendwann mit irgendetwas anfangen. Als ich mich damals für Punk interessierte, war ich natürlich ein ziemlich übler Gitarrist. Aber als ich mir das „Bark At The Moon“-Album von Ozzy Osbourne kaufte, war ich wie vom Blitz getroffen. Es hat mir ein Ziel gegeben, was es zu erreichen galt.«

Gibt es noch Songs oder Soli, die eine Herausforderung für euch sind?

Alexi: »Vielleicht einige Dinge von Steve Vai.«

Roope: »Ich denke, die Leute, die gewisse Dinge spielen, mussten zum Zeitpunkt der Komposition oder der Aufnahme nicht so viel Aufwand betreiben. Warum soll ich dann viel Aufwand betreiben, um sie nachzuspielen? Den stecke ich lieber in Dinge, die ich mir selbst ausdenke.«

Alexi: »So sehe ich das auch.«

Wie viele Gitarren besitzt ihr?

Roope: »Ich glaube, es sind ca. 15.«

Alexi: »Ja, in dem Bereich liege ich auch ungefähr.«

Würdet ihr euch als Gitarrensammler bezeichnen?

Roope: »Nicht wirklich, man kann ja eh immer nur auf einer spielen.«

Alexi: »Ich möchte irgendwann mal eine vernünftige Les Paul haben und eine anständige Stratocaster, aber einfach nur zum Spaß. Die würde ich nicht live spielen.«

Roope: »Ja, mit unseren Bühnengitarren ist es manchmal schon ein bisschen schwierig, einen wirklich guten cleanen Sound hinzubekommen.«

Alexi: »Ach, den brauchen wir doch eh nicht.«

Besitzt ihr Gitarren, die für euch aus irgendeinem Grund eine besondere Bedeutung haben?

Roope: »Ja, meine Jackson Randy Rhoads Custom habe ich ca. 15 Jahre lang gespielt, von daher hat sie einen speziellen Platz in meinem Herzen. Die ist unbezahlbar. Allerdings verbinde ich mittlerweile auch mit einigen meiner ESP-Modelle schon etliche sehr coole Erinnerungen.«

Alexi: »Die ersten Modelle, die ich von ESP bekommen habe, bedeuten mir viel. Aber nichts kann die beiden Jackson Randy Rhoads ersetzen, die mir vor ein paar Jahren gestohlen wurden, an ihnen hängen einfach zu viele Erinnerungen.«

Roope: »Anderen Leuten die Gitarren zu klauen, ist das Niederste, was es gibt, weil man als Musiker oft eine emotionale Bindung zu seinem Instrument hat.«

Ihr spielt ja mittlerweile eure eigenen Signature-Modelle von ESP. Unterscheiden sich diese Gitarren nur vom Design her von den Seriengitarren, oder habt ihr euch spezielle technische Features einbauen lassen?

Alexi: »Sie unterscheiden sich eigentlich nicht von den normalen Modellen. Es ist wichtig, dass sie sich sehr gut spielen lassen. Sie sind handgefertigt, was sie entsprechend teuer, aber eben auch qualitativ sehr gut macht. Auf der anderen Seite unterscheiden sie sich dadurch untereinander ein kleines bisschen in Details, was die Bespielbarkeit und den Sound anbelangt.«

Roope: »Ich habe mir ein paar spezielle Pick-ups einbauen lassen, die wirklich alles wiedergeben, was sich irgendwo auf der Gitarre abspielt. Und der Hals ist ein klein wenig nach vorne gerückt, so dass ich die oberen Bünde einfacher erreichen kann.«

Welche eurer Gitarren sind am wertvollsten?

Alexi: »Ich habe da nichts Spezielles, aber ich denke, die Custom-Modelle, die wir spielen, werden im Laden so ca. 4.500 Euro kosten, was ja schon eine Menge Geld ist.«

Roope: »Ja, meine Custom-Modelle sind wahrscheinlich die wertvollsten Gitarren, die ich besitze.«

Wie wichtig ist das Design einer Gitarre für euch?

Roope: »Sie muss natürlich cool aussehen.«

Alexi, ich glaube, ich habe mal ein Foto von dir mit einer anderen Gitarre als dem Randy-Rhoads-Design gesehen. Könntest du dir vorstellen, irgendwann mal mit einer anderen Gitarre auf der Bühne zu stehen?

Alexi: »Nicht wirklich. Es fühlt sich für mich so natürlich an, auf ihr zu spielen, dass ich gar nicht das Bedürfnis habe, etwas anderes auszuprobieren. Aber ich denke, das ist alles eine Frage der Gewöhnung.«

Roope: »Das Design meiner Gitarre ist an das von der Klampfe von Akira Takasaki (Loudness) angelehnt. Das ist für mich das typische ESP-Design. Als Kind habe ich mir immer die Bilder von ihm mit seiner Gitarre angeschaut und fand, dass das unheimlich cool aussah.«

Bevorzugt ihr eine bestimmte Farbe?

Alexi: »Ich mag es, Farben unsinnig miteinander zu vermischen. Ich habe z.B. eine Schwarze mit pinken Streifen. Ansonsten mag ich leuchtende Farben. Meine nächste Axt wird wohl eine schwarze mit einem hellen Grün werden.«

Roope: »Ich mag hauptsächlich Weiß und Schwarz. Einige von den Gitarren, die ich habe, sollten eigentlich schneeweiß sein. Dann sagten mir die ESP-Leute, dass sie irgendein Problem in ihrer Fabrik gehabt hätten, und sie sahen aus...«

Alexi: »...wie gelber Schnee, haha.«

Roope: »Haha, nee, das war eher so ein grauer Farbton. Aber das wirklich Seltsame daran ist, dass sie irgendwie einen Grünstich bekommen, wenn sie älter werden.«

Alexi: »Das ist in der Tat ein bisschen schräg.«

Kabel oder Sender?

Alexi: »Auf der Bühne natürlich ein Sender.«

Roope: »Ein Kabel klingt immer besser.«

Alexi: »Ja, aber ich habe keinen Bock, auf der Bühne mit einem Kabel herumzuhantieren.«

Bodenpedale oder 19“-Effekte?

Roope: »Rack-Systeme, aber wir benutzen eh nur sehr wenig Effekte. Vielleicht ein bisschen Chorus, ansonsten ist der Sound sehr trocken.«

Alexi: »Keine Bodentreter. Wenn man irgendwann mal seinen Sound gefunden hat und spielen kann, braucht man das nicht mehr.«

Roope: »Hin und wieder müssen wir Equipment mieten, und da kann es schon mal helfen, ein paar Effekte zu benutzen, um schneller einen akzeptablen Sound zu finden. Manchmal nehme ich dann einen Overdrive, z.B. von Boss.«

Amp Modeling, Röhren oder Transistor-Amps?

Alexi: »Röhre!«

Roope: »Ja, definitiv. Die haben einfach den wahren Punch.«

Alexi: »Ja, scheiß auf den Line6-Mist!«

Kommt es beim Spielen mehr auf die Technik oder das Feeling an?

Roope: »Geschwindigkeit ist genauso wichtig wie Emotionen, hehe.«

Alexi: »Man sollte erst mal eine gute Technik haben und sich dann auf den musikalischen Ausdruck konzentrieren.«

Roope: »Für mich geht beides Hand in Hand.«

Twin Guitars oder Einzelgitarristen?

Roope: »Mit zwei Gitarristen kann man bessere Harmonien spielen, den anderen unterstützen usw.«

Alexi: »Ja, man ist mit zwei Gitarristen deutlich vielseitiger.«

Roope: »Judas Priest oder Iron Maiden wären mit einem Gitarristen wohl kaum möglich gewesen.«

Was ist das beste oder schönste Gitarrensolo?

Roope: »Es ist schwierig, ein bestimmtes zu nennen, weil es unzählige gibt, aber das Solo von ´Revelation (Mother Earth)´ von Randy Rhoads kommt einem perfekten Solo schon sehr nahe.«

Alexi: »Was mich sehr inspiriert hat, noch tiefer ins Gitarrespielen einzutauchen, war ´For The Love Of God´ von Steve Vai.«

Was ist euer größter Einfluss?

Alexi: »Ganz klar Randy Rhoads, aber auch die anderen Jungs, die bei Ozzy gespielt haben, wie Jake E. Lee oder Zakk Wylde. Als Kind mochte ich die Dire Straits und natürlich die alte Band von Roope, Stone.«

Was ist euer Lieblingssound auf einer Platte?

Roope: »Dimebag Darrell klang fantastisch.«

Alexi: »Das sehe ich genauso. Aber ich liebe auch den Gitarrensound von Jake E. Lee auf „Bark At The Moon“.«

Roope: »Und natürlich das Live-Album „Tribute“ von Ozzy mit Randy Rhoads.«

Und was ist der schlimmste Sound?

Alexi: »Alle, die diese Orange-Amps und solch einen Kram benutzen, oder diese beschissenen White Stripes.«

Die magst du nicht?

Alexi: »Ich hasse diesen Scheiß!«

Roope: »Als ich zum ersten Mal Twisted Sister gehört habe, spielte ich noch gar nicht so viel Gitarre, aber ich habe direkt gemerkt, dass das ein richtig beschissener Gitarrensound ist.«

Übt ihr noch regelmäßig, und wenn ja, in welchem Umfang?

Alexi: »Ich zähle das nicht, aber ich sitze fast jeden Tag ein paar Stunden da und spiele Gitarre.«

Roope: »Vor Touren oder Auftritten spiele ich schon ziemlich viel, und natürlich auch, wenn wir ein neues Album aufnehmen.«

Alexi: »Ich würde das nicht immer Üben nennen, aber ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Gitarre, das macht einfach Spaß.«

Mit wem würdet ihr euch lieber über Gitarren und Spieltechniken unterhalten: Angus Young oder Yngwie Malmsteen?

Alexi: »Hm, Angus Young. Obwohl, Yngwie zu treffen, wäre im Allgemeinen irgendwie unterhaltsamer. Von daher Yngwie. Ich habe ihn noch nie getroffen, aber jede Menge Storys über ihn gehört. Die klangen sehr lustig.«

Welcher Gitarrist sieht auf der Bühne am coolsten aus?

Alexi: »Keine Ahnung.«

„Hetfield!“, meldet sich ein unbeteiligter Zuhörer aus dem Hintergrund.

Roope: »Ja, der sieht schon cool aus.«

Alexi: »Zakk Wylde. Und Steve Vai sah früher auch sehr geil auf der Bühne aus.«

Haltet ihr einen Gitarristen für unterbewertet?

Alexi: »Jeff Waters von Annihilator.«

Roope: »Die Jungs, die bei Kind Diamond spielen, sind großartig. Die gehen bei dem Hype um King Diamonds Stimme ein bisschen unter.«

Alexi: »Ja, Andy LaRocque ist klasse.«

Welche Gitarre ist so hässlich, dass ihr niemals mit ihr auf eine Bühne gehen würdet?

Roope: »Ich mag einige von den alten Gibsons nicht so sehr.«

Alexi: »Ich weiß nicht warum, aber mir gefallen SGs überhaupt nicht.«

Roope: »Ja, das ist ´ne Pizza-Schaufel, haha.«

Gibt es einen Unterschied zwischen eurem Equipment im Studio und auf der Bühne?

Roope: »Nein.«

Alexi: »Nein. Wir benutzen neben unseren Signature-Gitarren noch den Lee-Jackson-Pre-Amp. Das ist eigentlich schon das Wichtigste.«

Roope: »Ich habe auch mal einen Sans-Amp benutzt und früher einige Effekte, aber mittlerweile sind wir zurück zu den Basics gegangen. Da gibt´s nicht viel, was besonders erwähnenswert oder wichtig für unseren Sound wäre und über die Gitarren und den Lee Jackson hinausgeht.«

Geht ihr noch in Musikläden, um neue Dinge auszuprobieren?

Alexi: »Dazu fehlt mir einfach die Zeit. Ich habe aber neulich mal in einem Gitarrenladen in Los Angeles ein Interview gegeben. Die hatten da etliche sehr rare Vintage-Gitarren, z.B. Stratocasters, die 100.000 Dollar kosten. Der Besitzer meinte, ich könne mir ruhig mal eine nehmen und sie ausprobieren. Das habe ich dann auch gemacht, es war glaube ich eine Gibson ES aus den 50ern von B.B. King, die ca. 150.000 Dollar wert war. Ich war allerdings mehr damit beschäftigt aufzupassen, dass ich nichts kaputtmache, als darauf zu spielen. Ich habe dann noch eine Strat ausprobiert, die aus welchen Gründen auch immer noch mehr Geld kostete als die Gibson. Diese Klampfen waren schon sehr gut.«

Roope: »Ich habe mal an einer 54er Stratocaster die Saiten gewechselt, weil ich früher in einem Gitarrenladen gearbeitet habe. Ich wollte einfach mal genauer hinschauen, was an diesen Gitarren so besonders ist, und einen Blick auf die Pick-ups werfen, um zu sehen, wie sie von innen aussehen.«

Steht ihr lieber auf der Bühne oder im Studio?

Alexi: »Das sind zwei verschiedene Dinge, aber ich mag die Live-Auftritte schon sehr.«

Roope: »Auf der Bühne darf man so viele Fehler machen, wie man möchte, im Studio geht das nicht so gut, haha.«

Welche Dinge nerven auf der Bühne am meisten?

Roope: »Ein überraschendes Feedback, das dir in die Ohren bläst, ist schon ziemlich übel.«

Alexi: »Ja, oder wenn über den Sender der Gitarre irgendein Scheiß eingestreut wird.«

Roope: »Oder wenn plötzlich aus irgendeinem Grund die Verzerrung oder die Power fehlt.«

Alexi: »Ja, das ist das Nervigste, wenn plötzlich einfach die Verzerrung verschwindet.«

Habt ihr bestimmte Rituale, bevor ihr auf die Bühne geht?

Roope: »Ein paar Bier trinken und mich nackt ausziehen, bevor ich meine Bühnenklamotten anziehe, haha.«

Alexi: „Ich spiele Gitarre zum Aufwärmen, trinke ein Bier und labere Unsinn mit den anderen.«

Auf welchem Klassiker-Album hättet ihr gerne gespielt?

Roope: »Wenn ich drauf gespielt hätte, wäre es kein Klassiker, haha.«

Gibt es einen Song oder ein Solo von euch, auf das ihr besonders stolz seid?

Alexi: »Hm, keine Ahnung. They are all fuckin´ dynamite! Haha.«

www.myspace.com/childrenofbodom

Bands:
CHILDREN OF BODOM
Autor:
Andreas Himmelstein

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