Schwatzkasten

Schwatzkasten 20.02.2002

FEAR FACTORY - BURTON C. BELL, DINO CAZARES (Fear Factory)

Ihre Band FEAR FACTORY gehört zum Erlesensten, was die Welt des modernen Metal zu bieten hat. Doch nicht ihr Sound macht Sänger Burton und Gitarrist Dino zu Persönlichkeiten. Beiden Musikern war es stets wichtig, sich mitzuteilen, nie mit ihrer Meinung hinterm Berg zu halten und trotz stetig wachsender Popularität den engen Kontakt zu ihren Fans nicht zu verlieren.

Wann und wo wurdet ihr geboren?

Dino: »Ich wurde 1966 in Zentralkalifornien, südöstlich von Los Angeles, geboren. Das Nest liegt etwa zehn Meilen von der mexikanischen Grenze entfernt.«

Burton: »Ich wurde im Februar 1969 in Downtown Houston, Texas, geboren.«

An was erinnert ihr euch zuerst, wenn ihr an eure Kindheit denkt?

Burton: »Wir sind laufend umgezogen. Ständig musste ich Freunde verlassen.«

Dino: »Viel Spaß und harte Arbeit. Einerseits spielte ich sehr viel Baseball, andererseits musste ich täglich meinem Vater helfen. Er war Farmer. Ich sag nur: früh morgens Kühe melken.«

Was war euer Lieblingsspielzeug?

Dino: »Ein Ball.«

Burton: »Mein Fahrrad.«

Wart ihr in der Schule Troublemaker oder liebe Jungs?

Dino: »Ich hatte laufend irgendwelchen Ärger. Das hatte ich meinem Dickkopf zu verdanken.«

Burton: »Ich war eigentlich ein netter Junge, aber ich schwatzte ständig im Unterricht. Das war wie eine Krankheit, laufend hatte ich irgendwas zu tuscheln. Außerdem war ich sehr clever, wenn es darum ging, mich aus Ärger rauszuhalten.«

Welche Schulfächer fandet ihr mies, welche haben euch gefallen?

Dino: »Auch wenn mir das jetzt keiner glaubt: Ich mochte Sport, haha!«

Burton: »Ich mochte Englisch, alles, was mit schreiben zu tun hatte, und den Kunstunterricht. Naturwissenschaften habe ich gehasst.«

Was war euer erstes Abenteuer mit Musik? Welche Band oder welcher Künstler hat euch auf die schiefe Bahn gebracht?

Dino: »AC/DC! Ich mochte zwar schon immer verschiedene Musikstile, aber als ich AC/DC im Fernsehen sah, war es um mich geschehen. Ich wollte plötzlich Rockmusiker werden.«

Burton: »Bei mir waren es die Bee Gees. Was gibt´s da zu lachen? Ich war doch ein Kid. Ich mochte schon immer gute Songs. Deshalb hörte ich mir stets irgendwelche Soundtrack-Sachen wie "Star Wars" oder "Rocky" an.«

Seid ihr als Kinder religiös beeinflusst worden?

Burton: »Meine Mutter wollte immer, dass mein Bruder und ich in die Kirche gehen. Außerdem schickte sie uns einmal pro Woche in eine katholische Schule. Als ich 16 war, erklärte ich meiner Mutter, dass ich keinen Bock mehr auf diesen Mist hätte.«

Dino: »Ich stamme aus einer strikt religiösen Katholikenfamilie. Meine Eltern tragen religiöse Namen. Ich musste laufend in die Kirche gehen. Das coole Ding daran war, dass meine Familie so groß war, dass nicht jeder ins Auto meines Vaters passte. Also fuhr ich immer in der Kiste meines älteren Bruders mit. Auf dem Weg zur Kirche qualmten wir einen Joint und hörten Black Sabbath. Black Sabbath! Hahaha! Ich war bei fast jedem Gottesdienst zugekifft.«

Glaubt ihr an Gott?

Burton: »Ich bin nicht religiös. Aber ich bin auf der Suche.«

Dino: »Ich glaube an eine Art Schöpfer, lehne aber die Kirche ab.«

Hattet ihr jemals Ärger mit den Bullen?

Dino: »Oh, ja. Genügend. Als Jugendlicher rauchte und soff ich mit meiner Clique – und war laufend derjenige, der dafür bestraft wurde. Die Bullen waren richtig scharf auf mich und versuchten mir sogar Dinge anzuhängen, die ich nie getan hatte. Ich vermute, dass ich niemals soviel Ärger mit den Cops gehabt hätte, wenn ich ein Weißer wäre.«

Burton: »Ich hatte nie ernsthafte Probleme mit den Bullen. Mir ist es immer gelungen, mich aus Ärger herauszuhalten.«

Angenommen, ihr könntet von eurer Musik nicht leben: Welche Jobs würden euch liegen?

Dino: »Entweder würde ich in einem CD-Geschäft arbeiten, oder ich wäre Empfangskraft in einem Hotel. Diesen Job hatte ich übrigens schon mal.«

Burton: »Ich würde irgendwas machen. Ich habe in den letzten Jahren nie über ein Leben ohne Musik nachgedacht.«

Was war euer erstes Sexerlebnis?

Dino: »Ich war 18, sie war älter als ich. Ich lernte sie in einem Club kennen. Es war viel Alkohol im Spiel.«

Burton: »Ich mochte es schon immer, Mädchen zu küssen. Das erste Mal, dass ich eine Art Erregung spürte, war im Alter von sechs oder sieben Jahren.«

Bitte beschreibt die Frau eurer Träume, einen perfekten Tag, euren übelsten Albtraum sowie die spannendste Reise unter Einfluss von Stimulanzien.

Dino: »Ich weiß nicht, wie ich eine perfekte Frau beschreiben soll. Das ist echt schwierig.«

Burton: »Nein, das ist ganz einfach: Die Frau meiner Träume ist die, die mich mag.«

Dino: »Ein perfekter Tag ist, wenn ich 24 Stunden mit der Frau Spaß habe, die mich aushält, haha! Nein, ein perfekter Tag besteht aus einem guten Konzert, leckerem Essen, vielen Freunden und jeder Menge Spaß.«

Burton: »Einer meiner derbsten Albträume ereignete sich erst vor wenigen Nächten. Ich wurde von ekligen Zombies verfolgt und kam nicht von der Stelle.«

Dino: »Bei der spannendsten Reise muss ich passen, da ich außer Alkohol keine Drogen konsumiere.«

Burton: »Ich war von einem Joint mal so stoned, dass ich durch den Raum schwebte, alles von oben sah und wunderbare Musik hörte. Ich dachte, ich sei Stunden unterwegs, aber es waren letztlich nur zwölf Minuten. Völlig abgefahren.«

Habt ihr Feinde? Oder seid ihr erklärte Feinde von irgendwem?

Burton: »Ich glaube nicht, dass ich echte Feinde habe. Feinde bedeuten Zeitverschwendung. Und da ich ein positiv denkender Mensch bin, pflege ich keine Feindschaften.«

Dino: »Sicher gibt es ein paar Typen, die mich nicht abkönnen und die ich ebenfalls nicht leiden kann. Die können mich mal kreuzweise, und das war´s auch schon.«

Interessiert ihr euch für Politik? Könntet ihr euch vorstellen, eine Politikerkarriere einzuschlagen?

Dino und Burton unisono: »Niemals.«

Wie würdet ihr eure generellen Ansichten beschreiben: liberal, linksalternativ oder eher konservativ?

Burton: »Liberal bis alternativ.«

Dino: »Alternativ.«

Seid ihr Vegetarier?

Beide: »Nein.«

Stellt euch vor, ihr müsst euch für eine Sache entscheiden: Bungee-Jumping mit Lemmy Kilmister, ein Liebeslied mit Britney Spears einsingen oder ein Unplugged-Konzert gemeinsam mit Saxon spielen. Was würdet ihr tun, und warum?

Dino: »Ich würde mit Saxon spielen.«

Burton: »Ehrlich?«

Dino: »Nein, war nur ein Scherz. Ich würde mich prostituieren und mit Britney Spears einen Popsong singen.«

Burton: »Ich nehme auch Britney.«

Warum?

Burton: »Sie ist hübscher als Lemmy und viel jünger als Saxon. Außerdem sind ihre Zähne noch echt. Denke ich jedenfalls.«

Mit wem möchtet ihr am liebsten über Hass, über Gott, über Europa und übers Wetter diskutieren?

Dino: »Mit El Duce, wenn er noch leben würde. Ich denke, dass er speziell über Gott viel wusste.«

Burton: »Henry Rollins. Er ist einer der interessantesten Menschen, denen ich je begegnet bin.«

Hat euch ein Fan schon einmal so richtig genervt und an den Rand des Wahnsinns gebracht?

Burton: »Da war mal ein Mädchen, das meine Telefonnummer herausfand, mich mindestens einmal pro Woche anrief und mir laufend Briefe schrieb. Sie tauchte an den unmöglichsten Konzertorten auf und lud mich mehrmals zu einem Kaffee ein. Anfangs fühlte ich mich geehrt, doch irgendwann wurde es mir unheimlich. Ich sagte ihr, dass ich mich von ihr gestört fühle, dass ihr Aufwand sehr übertrieben sei. Von da an hatte ich Ruhe.«

Dino: »Für mich ist es sehr krass, wenn ein Fan mir sagt, dass wir mit unserer Musik sein Leben gerettet hätten und dass er ohne uns bereits Selbstmord begangen hätte. Ich habe so etwas schon mehrere Male zu hören bekommen und könnte jedes Mal ausrasten. Ich habe keinen Bock darauf, einen Gott- oder Elternersatz zu spielen und für mental Schwache die Verantwortung zu übernehmen. Es ist mir auch unangenehm, wenn ein Fan heute ein Autogramm auf seinem Arm haben will und mir morgen dieselbe Stelle zeigt, aber diesmal mit einer Fear Factory-Tätowierung. Ich möchte mit unserer Musik etwas anderes ausdrücken als eine solche Form des Fanatismus´.«

Wie stellt ihr euch das Paradies vor?

Dino: »Jetzt, wo wir gerade auf Tour sind: Los Angeles, mein Zuhause.«

Burton: »Haargenau das tun zu können, was man tun will.«

Und wie stellt ihr euch die Hölle vor?

Dino: »Chemnitz, haha!«

Burton: »England im Winter. Es gibt nichts Trostloseres.«

Habt ihr jemals gedacht, dass ihr mit eurer Musik das Denken von Menschen ändern oder beeinflussen könnt?

Dino: »Nicht ändern. Aber ich habe immer gedacht, dass ich Leute zumindest zum Denken anregen könnte.«

Burton: »Ich habe immer versucht, mit meinen Texten meine Gefühle und Ängste auszudrücken. Mit meinen Ängsten halte ich nie hinterm Berg. Also kann ich auch erwarten, dass sich unsere Hörer mit meinen Texten auseinandersetzen. Auch ich habe mich mit den Texten meiner Lieblingsmusiker beschäftigt, und der eine oder andere Künstler hat sicherlich mein Denken verändert.«

Welches Land ist eurer Meinung nach das spannendste?

Dino: »Australien!«

Burton: »Ich finde Spanien total spannend. Ich könnte mir durchaus vorstellen, in Barcelona oder Madrid zu leben. Übrigens habe ich mir vorgenommen, meinen nächsten großen Urlaub in Europa zu verbringen. Ich möchte mit dem Zug durch mehrere Länder reisen und mir schöne Städte anschauen.«

Welche Alben gehören in die Sammlungen derer, die schön, klug und niveauvoll sein möchten?

Dino: »Slayer "Reign In Blood", Pantera "Vulgar Display Of Power" und Ministry "The Mind Is A Terrible Thing To Taste".«

Burton: »Alles von U2 und Nick Cave, "Karma To Burn" von Karma To Burn und die letzte Scheibe von Spiritualized.«

Welche ist in euren Augen die mieseste Band der Welt?

Dino: »Manowar.«

Burton: »Crazy Town.«

Wie würdet ihr den letzten Tag eures Lebens verbringen, wenn ihr von eurem nahenden Tod wüsstet?

Dino: »Ich hätte sehr viel Sex.«

Burton: »Ich würde alle schönen Dinge im Überfluss machen. Sex, lecker essen, kiffen, trinken. Meine Lieblingsplatten auflegen. Es mag zwar klischeehaft klingen, aber: Ich versuche tatsächlich, jeden Tag so zu verbringen, als sei es der letzte.«

Dino: »Ich würde soviel mexikanisches Essen in mich hineinschaufeln, bis ich platze. Ich würde Unmengen an Corona saufen. Ich würde ficken und das erste Mal seit vielen, vielen Jahren Drogen nehmen. Und ich würde noch mal ficken. Bis in den Tod. Es wäre schön, wenn der letzte Tag ein ganzes Wochenende lang wäre.«

Welcher Song sollte während eurer Beerdigung gespielt werden?

Dino: »"Electric Funeral" von Black Sabbath.«

Burton: »Irgendwas von U2.«

Dino: »Oder "The Final Countdown" von Europe, haha!«

Wer möchtet ihr in eurem nächsten Leben sein, wenn es eins gäbe?

Burton: »Ich wäre gern der Bassist von Van Halen, denn er hat den einfachsten Job der Welt.«

Dino: »Dann wäre ich gern der Drummer von Def Leppard, denn sein Job ist noch einfacher.«

Burton: »Oder ich wäre gern die Katze eines Milliardärs.«

Wer seid ihr in eurem vorangegangenen Leben gewesen?

Burton: »Ich war ein Vogel. Ich habe mir in Ruhe die Welt von oben angeschaut.«

Dino: »Eine Limone in einer Coronaflasche.«

Habt ihr ein Lebensmotto?

Burton: »Aus Erfahrung wird man klüger.«

Dino: »If you can’t eat it: Don’t fuck it!«

Bands:
FEAR FACTORY
Autor:
Wolf-Rüdiger Mühlmann

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos