Interview


George Grigoriadis

Interview 11.02.2020, 15:14

BROTHERS OF METAL - Auf der Überholspur

Spätestens seit Sabatons Erfolg ist die mittelschwedische Kleinstadt Falun ein namhafter Ort auf der Metal-Landkarte. Neuester Export dieses Ortes, der außerhalb der Musik eher für Wintersport und die alte Kupfermine bekannt ist, sind die BROTHERS OF METAL. Thematisch beackert die achtköpfige Band (zwei Sänger, eine Sängerin, drei Gitarristen sowie Bassist und Schlagzeuger) das klischeebehaftete Feld der nordischen Mythologie und packt dieses in mitreißende Power-Metal-Hymnen. Anlässlich ihres im Januar erschienenen zweiten Albums „Embla‘s Saga“ haben wir bei Mats Nilsson, einem der drei Frontleute, durchgeklingelt.

Mats, ihr seid erstmals 2016 mit dem Lyric-Video zu eurem Song 'Prophecy Of Ragnarök' international in Erscheinung getreten, der schon über 3,8 Millionen mal auf Youtube gestreamt wurde. Mittlerweile seid ihr bei AFM unter Vertrag und habt zwei Alben veröffentlicht. Das kann man als rasanten Aufstieg bezeichnen.

»Absolut! Unser Debütalbum haben wir bereits 2015 zusammen mit unserem Kumpel und Produzenten Erik Berglund aufgenommen. Ursprünglich haben wir gar nicht an eine Veröffentlichung gedacht, sondern wollten das eher als Erinnerung haben, die wir irgendwann unseren Kindern vorspielen können (lacht). Wir waren mit dem Ergebnis aber so glücklich, dass wir darüber nachzudenken begannen, ob wir es nicht an einige Plattenfirmen schicken sollten. Ich habe dann mit Pär Sundström (Bassist und Manager von Sabaton, mbl) gesprochen, der mich mit einigen Kontakten versorgte. Daraufhin sprach ich mit einem Label-Vertreter, der uns den Tipp gab, erstmal ein Lyric-Video herauszubringen. Das ist dann durch die Decke gegangen, was verrückt war, weil wir zu der Zeit noch nie außerhalb von Falun gespielt hatten. Im Anschluss haben wir dann Gespräche mit verschiedenen Plattenfirmen geführt, die aber alle im Sande verlaufen sind, weil wir doch sehr wählerisch sind. Nachdem wir dann „Prophecy Of Ragnarök“ 2017 selbst veröffentlicht haben, kamen AFM auf uns zu und boten uns einen passenden Deal an.«

Im Vergleich zu eurem Debüt wirkt „Embla‘s Saga“ nicht nur wie eine Sammlung von Songs, sondern fast wie ein Konzeptalbum.

»Ich würde es nicht als Konzeptalbum bezeichnen, aber es besteht auf jeden Fall ein größerer Zusammenhang. Auf unserem Debüt gibt es einige Songs wie der Titeltrack oder 'The Death Of The God Of Light', die sich mit dem Ende der Welt in der nordischen Mythologie befasst, aber auch viele Nummern mit „generischen“ Wikinger-Lyrics. Dieses Mal haben wir uns vorgenommen, uns eher mit dem Beginn der Menschheit auseinanderzusetzen. Die Saga von Embla beschreibt die Erschaffung des Menschen in der nordischen Mythologie. Einige Songs weichen aber auch von diesem Thema ab, deswegen ist es kein striktes Konzept. Das Songwriting ist aber wesentlich Album-fokussierter, wenn man es mit unserer ersten Platte vergleicht. Wir hatten einen klaren Zeitrahmen, den es einzuhalten galt und wussten außerdem, dass es ein Publikum dafür gibt. Die Songs für unser Debüt sind ohne Druck in einem Zeitraum von drei Jahren entstanden, ohne dass wir jemals die Erwartung hatten, dass jemand außerhalb unseres Freundeskreises die Songs zu Gehör bekommen würde.«

Wir haben gerade schon über den überraschenden Erfolg eures ersten Videos und Debüts gesprochen. Hattet ihr das Gefühl, deswegen unter einem besonderen Druck zu stehen?

»Nicht wirklich, abgesehen von dem bisher ungewohnten Zeitdruck (lacht). Die Situation war natürlich eine andere, weil wir noch nicht alle Antworten hatten. Als unser Debüt via AFM wiederveröffentlicht wurde, wussten wir schon, welche Songs die beliebtesten sind und dementsprechend als Singles ausgekoppelt werden sollten. Dieses Mal haben wir uns damit schwerer getan, weil wir dieses Wissen einerseits nicht hatten, andererseits aber auch eine größere Bandbreite an Einflüssen verarbeitet haben.«

Das ist mir auch aufgefallen. 'Chainbreaker' erinnert mich beispielsweise an Judas Priest.

»Das ist definitiv der Haupteinfluss bei diesem Song gewesen. Die Idee war, einen Track über den Fenriswolf zu machen, welcher der Sohn des Gottes Loki ist. Wir hatten zu dem Zeitpunkt bereits 'Hel' und 'Powersnake' geschrieben, die sich mit den beiden anderen Kindern dieses Gottes beschäftigen, nämlich der Totengöttin Hel und der Midgardschlange. Als wir die Nummer schrieben, habe ich viel Old-School-Metal gehört, und für den Refrain stand 'Painkiller' definitiv Pate. Es ist außerdem der einzige Song auf der Platte, bei dem der Text vor der Musik geschrieben wurde und mein absoluter Lieblingssong auf der Bühne.«

Appropos live: Ihr habt Anfang diesen Jahres eure erste Europatour gespielt – und zwar aus dem Stand als Headliner.

»Offensichtlich muss man das so machen, wenn man BROTHERS OF METAL heißt (lacht). Nein, im Ernst: Die Wahrheit ist, dass es sehr schwierig war, einen Supportslot zu bekommen. Wir haben mit einigen namhaften Bands gesprochen, die im Streaming-Bereich genau so groß sind wie wir, aber wesentlich Tour-erfahrener und deshalb bekannter sind. Es scheint aber so, dass diese es sich nicht getraut haben, uns mit auf Tour zu nehmen. Wir haben die abstrusesten Begründungen bekommen, weshalb wir nicht mitfahren durften. Eine Band begründete die Absage zum Beispiel damit, dass wir ja acht Leute seien und der Wechsel zwischen Support und Headliner deshalb so lange dauern würde. Auf der aktuellen Tour haben diese Wechsel nie länger als zehn Minuten gedauert. Deshalb haben wir uns entschieden, gemeinsam mit einer anderen Band eine Co-Headliner-Tour zu spielen, und diese andere Band haben wir mit unseren Labelkollegen von Elvenking gefunden. Die Jungs sind großartig, und es war vor allem deshalb eine tolle Tour, weil es keinen Prestigekampf gab. Jemand sagte, es sei die erste Tour gewesen, auf der sich die Bands um die Opener-Position gestritten hätten (lacht).«

Es grenzt sowieso an ein Wunder, dass ihr es zu acht schafft, alle gleichzeitig für eine Tour Zeit zu haben.

»Das ist tatsächlich schwierig, aber mit genug Vorlauf ist das möglich. Außerdem haben wir immer noch die Möglichkeit, Ersatzmusiker für einzelne Gigs zu fragen. Das funktioniert, bis auf uns drei Sänger, schon sehr gut.«

Du hast generell eine komische Position in der Band, oder? Ylva Eriksson und Joakim Lindbäck Eriksson übernehmen meistens den Gesang, du bist eher Erzähler und Moderator.

»Das stimmt. Auf der Bühne mache ich die ganze Moderation, weil Ylva und Joakim das nicht so gerne machen (lacht). Wobei ich auf „Embla‘s Saga“ schon mehr zu tun habe. Ich singe mehr, habe bei 'Hel' eine Growling-Part und es gibt einen Song, den wir zwar aufgenommen, aber doch nicht auf das Album gepackt haben, in dem ich den Leadgesang übernehme. Meistens bin ich aber ein Ersatzsänger, der quatscht und die Band anführt (lacht).«

Ihr habt euch in den letzten Jahren recht schnell entwickelt. Was sind eure Pläne für die kommende Zeit?

»Aktuell beginnen wir schon mit dem Schreibprozess für das dritte Album. Dafür werden wir neben neuen Stücken vielleicht auch einige bereits aufgenommene, aber noch nicht veröffentlichte Songs überarbeiten. Da sind wir aber noch in den absoluten Grundzügen. Sicher ist aber, dass wir im Sommer einige Festivalshows spielen werden. In Deutschland sind wir bereits für das Wacken Open Air bestätigt, hoffen aber, dass noch ein oder zwei Festivalshows bei euch dazukommen.«

www.facebook.com/brothersofmetalofficial

Bands:
BROTHERS OF METAL
Autor:
Maximilian Blom

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