Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 23.04.2014

BATTLEAXE , GASKIN , CAULDRON , FIST , WARRIOR , JAGUAR - Brofest (UK) #2

Too much, too soon? Wird sich erweisen. Die zweite Auflage des vom Rock Hard präsentierten Brofest im nordostenglischen Newcastle upon Tyne wuchs innerhalb eines Jahres von einem kleinen, aber feinen Two-Dayer zu einem dreitägigen Event. Zählt man die inoffizielle Warm-up-Show (mit Andro Coulton von Witchfynde; ausführlicher Bericht im nächsten Rock Hard) sowie den Aftershow-Gig hinzu, gab´s für die internationale Headbanger-Elite in Geordieland satte fünf Tage traditionellen Metal auf die Ohren.

Freitag

Gleich darauf erfolgt eine Premiere: VOLTURE ist die erste nicht-britische Formation auf dem Brofest. 2013 hat die Band aus Richmond in Virginia mit „On The Edge“ über High Roller Records eine passable Platte veröffentlicht, von der heute Abend ausreichend Material präsentiert wird. Ein solider, wenn auch alles andere als herausragender Auftritt, der mit der gelungenen Weapon-Coverversion ´Set The Stage Alight´ seinen Höhepunkt findet.
Schnell runter in den Studenten-Pub und noch einmal für 1,75 englische Pfund (umgerechnet knapp über zwei Euro) ein Pint Lager-Bier nachgetankt. Es steht nämlich schon der erste kleine Höhepunkt meines Lieblingsfestivals bevor: WARRIOR. Nicht die Warrior aus den Staaten, auch nicht Warrior aus Kent oder den Midlands (beide aus der NWOBHM-Ära), sondern die semi-legendären Warrior aus der Nähe von Newcastle. Lokale Heroes also. Mit Sean Taylor von Satan sitzt eine lebende Legende hinter der Schießbude. Allerdings nur für den halben Gig. Das hat seinen Grund: Die Band hatte wenig Zeit zum Einstudieren des Materials, weshalb Paul Atkinson von Battleaxe den zweiten Teil des Sets absolviert (allerdings erst, nachdem eine halbe Ewigkeit das Schlagzeug umgebaut wurde – wenig professionell). Sean selbst hat es nach dem Gig eilig, ins Bett zu kommen, denn bereits ein paar Stunden später geht sein Flug nach Hamburg zum Auftritt mit Satan beim Hell Over Hammaburg. Keiner weiß so recht, wann Warrior das letzte Mal live aufgetreten sind – es mag um 1984 herum gewesen sein. Und genau das ist es, was den unwiderstehlichen Charme des Brofest ausmacht: Die drei Stus („Long Hair“, „Short Hair“ und „No Hair“) graben immer wieder längst verschüttet geglaubte Kultbands aus. Und Warrior sind in der Tat exzellent in Schuss. Ihr Auftritt ist unkonventionell strukturiert: Die Hits setzt es in Form von ´Kansas City´, ´Stab You In The Back´ sowie dem famosen ´Dead When It Comes To Love´ gleich zu Beginn. Erst danach wird´s etwas ruhiger, aber ´Breakout´ oder das packende ´Flying High´ sind ebenfalls aller Ehren wert. Ich bin so begeistert, dass ich mir nach dem Auftritt gleich zwei Warrior-Shirts kaufe. Stichwort Merch-Preise: Man muss schon lange suchen, bis man ein Textil findet, das teurer als zehn englische Pfund ist (ca. zwölf Euro). Beispielhaft! Das Brofest-eigene Sortiment besticht dabei nicht nur durch die fairen Preise, sondern abermals durch Ideenreichtum und das Ausloten von Geschmacksgrenzen: Batik-Shirts in Regenbogenfarben, rosa Festival-Shirts, grellrote Hoodies und (Männer-)Slips. Die letzte Jogginghose geht auf den Weg nach Berlin.
Die Umbaupause reicht gerade noch für einen Snack in der Downstairs Bar. Und dann stehen bereits BATTLEAXE auf der Bühne. Mit dem neuen Album „Heavy Metal Sanctuary“, das durchaus ein wenig mit der Zeit geht, erleben die Jungs gerade ihren zweiten Frühling. Vom ersten Ton an hat Originalsänger Dave King (mit modischer Tarnmütze ausgestattet) die Meute fest im Griff und baut gleich einen Rapport zum Publikum auf – ein großer Unterschied zu den vielen alten Bands des Festivals, die sich just zu diesem Event noch einmal zusammengefunden haben und ein wenig eingerostet wirken. Eine wahre Headbanging-Mania bricht bei Klassikern wie ´Ready To Deliver´ oder ´Burn This Town´ aus, aber auch der Titelsong der aktuellen Scheibe wird lauthals mitgesungen. Mit Battleaxe ist wieder zu rechnen, auch außerhalb von Retro-Festivals wie diesem.
Bühne frei für FIST, die Band des ersten Tages, auf die ich mich nach Warrior am meisten freue. Und der Hauptact des Freitags enttäuscht wahrlich nicht. Die Band um Keith Satchfield hat mit den beiden Alben „Turn The Hell On“ sowie „Back With A Vengeance“ NWOBHM-Geschichte geschrieben. Ihr Singlehit ´Name, Rank & Serial Number´ kommt natürlich zu Ehren und wird gebührend gefeiert. ´Turn The Hell On´ rockt ohne Unterlass. Aber – Meckern auf hohem Niveau – mir persönlich fehlen das einfühlsame ´Forever Amber´ sowie der Kracher ´Hole In The Wall Gang´. Das Fazit für den ersten Tag fällt dennoch durchweg positiv aus.

Samstag

Angeschlagene Gesichter sieht man am nächsten Tag. Hier und da war die Nacht doch sehr kurz (in unserem Bed & Breakfast etwa feierten Dark Forest und Ascalon bis drei Uhr in der Früh). Nur wenige Fans stehen pünktlich um zwölf Uhr mittags bei eben jenen ASCALON vor der Bühne. Tja, wirklich was versäumt. Während 2013 der Preis für die hoffnungsvollste neue britische Band an Amulet ging (die als Resultat einen Deal bei Century Media zu ergattern vermochte), können diesmal Ascalon voll überzeugen. Stilistisch tief verwurzelt in der NWOBHM, zeigen die Mannen um Matt Gerrard (Vocals, Gitarre) auch Einflüsse des klassischen US- und Euro Metal. Klasse Auftritt, eine Band mit Zukunft. Auch das Saxon-Cover ´Princess Of The Night´ kommt absolut stilsicher rüber.
Dass die Öffnung des Brofest gegenüber Formationen von außerhalb der Britischen Krone (und die Ausdehnung auf drei Tage) nicht zwangsläufig auch eine Anhebung des Qualitätslevels bedeutet, beweisen die folgenden Akteure. WITCHTOWER aus Spanien (vielleicht ein Tribut an die vielen angereisten Fans von der iberischen Halbinsel?) kommen kaum über gehobenes Amateurniveau hinaus. Und wer seinen 40-minütigen Set auch noch mit gleich zwei Fremdkompositionen anreichert (´Phantom Of The Opera´ sowie ´Angel Witch´), der hat vielleicht nicht genug Selbstvertrauen in sein eigenes Material.
Anders liegt der Fall bei DARK FOREST (deren Gitarrist Christian Horton nach einer Schlägerei im heimischen Birmingham mit einem netten Veilchen auf der Bühne steht). Die Band präsentiert ihren neuen Longplayer „The Awakening“ (Cruz del Sur). Die Mischung aus alten Helloween und Manowar ist stilistisch nicht unbedingt kompatibel mit dem Gros der teilnehmenden Gruppen und der Erwartungshaltung des Publikums.
RULER (Freunde des NWOBHM-Ultrasammlers Mario Corbella) sind sichtlich nervös. Das merkt man daran, dass Drummer Rosario Alcaro alle Pferde durchgehen und Ruler ihr Material wesentlich schneller spielen als gewöhnlich. Die Burschen sind halt noch jung...
Mittlerweile ist auch der Verkaufsstand des englischen „Iron Fist“ aufgebaut. Die aktuelle Ausgabe des Hefts enthält ein sagenhaftes zwölfseitiges Brofest-Special.
Mit BERLYN stehen dann endlich wieder ein paar ganz alte Säcke auf der Bühne. Während der ursprünglichen Phase der NWOBHM (also zwischen 1979 und 1984) gelang es Berlyn nicht, ein Vinyl zu veröffentlichen. Aber eine interessante Querverbindung sorgte dafür, dass High Roller Records vor ein paar Jahren auf die Gruppe aufmerksam wurden: Gitarrist Maurice Coyne spielte einst an der Seite von Adrian Smith (und kurzzeitig auch Dave Murray) bei Urchin. Nun sind Berlyn also wieder zusammen. Vom Songwriting her ist das alles eher Zweitliganiveau, allein die letzte Single ´Streetfights´ versprüht ein wenig Hitpotenzial.
SPARTA veröffentlichten zu Lebzeiten zwei 7”-Singles. ´Angel Of Death´ ist vielleicht der eingängigste Song, den die Spartaner je geschrieben haben, dementsprechend frenetisch wird das Stück gefeiert. Das Material der neuen Studio-LP „Welcome To Hell“ wird dosiert eingesetzt, da der überwiegende Teil des Auditoriums sich die Platte erst noch draufschaffen muss.
Rechtzeitig zum Auftritt des Liverpooler Fünfers DAMASCUS hat auch Carcass-Gitarrenlegende Bill Steer (in Begleitung seiner farbigen Freundin im originalen Mendes-Prey-Shirt) den beschwerlichen Weg auf der M1 von London nach Newcastle hinter sich gebracht. Noch bevor er zur Bar durchkommt, knipsen ein paar weibliche Anhänger Erinnerungsfotos. Damascus sind eine weitere Band, von der ich vor zehn Jahren nicht gedacht hätte, dass ich sie jemals live sehen würde. Danke, Stu! Die Merseysiders kommen mit ihrem leicht angeproggten Hardrock sehr gut beim Publikum an. Das Material der legendären „Open Your Eyes“-EP blüht auf der Bühne regelrecht auf. Ganz klar das erste Highlight von Tag zwei.       
Und der nächste Hammerschlag folgt unmittelbar. HOLLOW GROUNDs 7“-EP auf Guardian Records zählt (mit Cover) zu den NWOBHM-Raritäten, für die man schnell mal 300 Euro auf den Tisch blättern muss. Und jeder Cent davon ist gut angelegt. Hollow Ground hätten mit ein wenig Glück, mehr Durchhaltevermögen sowie einem professionelleren Label sicherlich den Status von Jaguar oder Raven erreichen können. Es sollte nicht sein. Wie schon beim Headbangers Open Air 2007 können Glenn Coates (Vocals), Martin Metalf (Gitarre), Brian Rickman (Bass) sowie John Lockney (Drums) voll überzeugen. Die Hitdichte ist mit Songs wie ´Rock On´, ´Loser´, ´Fight With The Devil´ und allen voran ´Easy Action´ so groß wie später nur noch beim Hauptact Vardis. Wo bleibt um Himmels willen das Studioalbum von Hollow Ground?
TRUFFLE haben bei ihrem ersten Auftritt in England nach Äonen ein Dauergrinsen im Gesicht. Die Spielfreude, die sich auch schnell auf das Publikum überträgt, merkt man ihnen zu jeder Sekunde an. Über drei LPs ist das Gesamtwerk der Band bei High Roller ausgebreitet worden, in der Spitze bleiben davon die unsterblichen Single-Tracks ´If You Really Want´ sowie ´Round Tower´. Insgesamt fällt das Material von Truffle weitaus melodischer aus als das der meisten anderen Bands des Brofest 2014. Und einen derartig vielstimmigen Background-Gesang kann auch keine andere Gruppe vorweisen. Was allerdings auch daran liegt, dass Truffle taktisch klug einen zusätzlichen Hintergrundsänger im Dunkel des Mischpults stationiert haben. Cheeky!
GASKIN gehören zu den Dauerbrennern des NWOBHM-Revivals. Mit „Stand Or Fall“ sowie „Edge Of Madness“ spielte Paul Gaskin zwei mehr als passable Comeback-Alben ein. Angereichert mit Evergreens wie ´I´m No Fool´, sorgt das für einen runden Auftritt. Da Gaskin indes bereits vor nicht allzu langer Zeit auf dem Headbangers Open Air, Keep It True sowie British Steel zu Gast waren, macht sich unter den Festival-Allesfahrern milde Langeweile breit.
Tja, und dann kommen FAST KUTZ. Es bleibt zu bezweifeln, ob ein mittelmäßiges Album auf Ebony („Burnin´“) wirklich den Headliner-Status für den Partysamstag in Newcastle rechtfertigt. Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander. Die einen fahren voll auf den speedigen Metal von Kenny Nicholson & Co. ab. Andere bemängeln das Fehlen wirklich hochklassiger Songs. Und auch ich bin der Meinung, dass die besten Tracks des Sets von Holland stammen, dem indirekten Vorläufer von Fast Kutz. Pünktlich um 23 Uhr fällt dann die Klappe für Tag zwei des Brofest. Und nur die Standfestesten machen sich noch auf in die Pubs der Innenstadt.

Sonntag

Eine Stunde mehr Schlaf ist allen Beteiligten Samstagnacht gegönnt. Um 13 Uhr eröffnet mit EVIL BLOOD aus Kroatien die härteste der insgesamt 26 Gruppen den letzten Brofest-Tag. Eine Band, die in ein schlecht gezeichnetes Logo gleich Pentagramm UND umgedrehtes Kreuz integriert, kann ich nicht ernst nehmen. Aber zum Glück präsentieren sich die Ex-Jugoslawen auf der Bühne mit sehr viel Selbstironie und wirken daher ausgesprochen sympathisch. Auch die Musik geht absolut okay, wenn man auf das Venom-Demo vor „Welcome To Hell“ und ganz frühe Bulldozer steht.
ELIMINATOR aus Lancaster waren einmal Fenriz´ „Band Of The Week“. Nun, wer war das noch nicht, könnte ich jetzt ketzerisch fragen. Eliminator sind sichtlich bemüht, müssten mit ihrem traditionellen Brit Metal und der Dual Axe Attack eigentlich auch den Nerv des Publikums treffen, aber irgendwie zündet das alles nicht. Viele haben sich eh dafür entschieden, erst einmal den Flohmarkt am River Tyne nach raren Scheiben zu durchstöbern (leider Fehlanzeige).
Rechtzeitig zu SOLDIER trudeln mehr und mehr Fans in der jederzeit gut klimatisierten Halle ein. Soldier haben mit „Dogs Of War“ ein neues Studioalbum am Start und präsentieren daraus einige Songs. Die Meute wartet allerdings auf die Klassiker, allen voran das abschließende ´Sheralee´. Den Smasher ´Man From Berlin´ widmet Sänger Richard Frost auf der Bühne dem Autor und Rock-Hard-Fotografen John Tucker. Vorher hat Gitarrist und Gründungsmitglied Ian Dick für 20 Pfund auf dem Metal Market einen brasilianischen Soldier-Bootleg für sein Privatarchiv gekauft. So unaufgeregt laufen die Dinge in Newcastle...  
BASHFUL ALLEY waren für mich die beste Band des Brofest 2013. Kein Wunder also, dass sie für 2014 eine Wild Card erhalten haben. Die Dichte von Bashful-Alley-Shirts im Publikum (in furchtbarem BVB-Gelb) ist hoch, aber irgendwie scheint die große Erwartungshaltung die Formation um Rob Tidd zu hemmen. Vor zwölf Monaten waren sie jedenfalls eine ganze Klasse besser.
SPARTAN WARRIOR erhöhen im Anschluss den Härtegrad und fahren damit nicht schlecht. Gegen 17 Uhr ist der größte Teil des Publikums wach. Wach für die Rückkehr einer weiteren lokalen Legende...
ATOMKRAFT? Ja, bitte! Nach 1985 (im Vorprogramm von Exodus und Venom in Osnabrück) sowie 1987 (zweites Dynamo Open Air) sehe ich Tony Dolan, den Demolition Man, zum ersten Mal mit akzeptablem Sound. Venoms kleine Brüder werden auf der Bühne von Gitarrengott Mantas verstärkt, und Stücke wie ´Future Warriors´ sind live einfach eine Macht.
BLITZKRIEG hatten ein sehr stressiges Wochenende, trafen sie doch erst kurz vor ihrem Auftritt in Newcastle aus Hamburg ein. Akklimatisierungsschwierigkeiten kennt ein Profi wie Brian Ross aber natürlich nicht. Mit ein paar alten Stücken des Klassikers „A Time Of Changes“ sind sowohl die völlig neu zusammengestellte Band als auch die Supporter sofort auf Betriebstemperatur. Es folgen mit dem orientalisch angehauchten ´Sahara´ sowie ´Back From Hell´ zwei starke Stücke des brillanten neuen Albums. Den krönenden Abschluss bildet, wie könnte es anders sein, die vielleicht größte Hymne der gesamten NWOBHM: ´Blitzkrieg´.
Nix gegen US Metal, aber für mich sind CAULDRON aus Kanada im Kontext des Brofest einfach nur deplatziert. Zu allem Überfluss marschiert auch noch Mantas auf die Bühne und intoniert zusammen mit Cauldron den Venom-Klassiker ´Die Hard´, den wirklich niemand anderes als Cronos singen darf.
JAGUAR gelten für viele (mich eingeschlossen) als Erfinder des Speed Metal, und die Interpretation von Nummern wie ´Dutch Connection´ oder ´The Fox´ an diesem schönen Sonntagabend in Newcastle untermauert diese These mit Nachdruck. Aufgrund der kurzen Spielzeit fehlen ´ne Menge Hochkaräter, etwa meine persönlichen Faves ´Ain´t No Fantasy´ und ´War Machine´. Nach wie vor gewöhnungsbedürftig: Sänger Jamie Manton, der in seinem „Piece Of Mind“-Retro-Shirt von der Stange auf der Bühne ständig herumkaspert, aber ganz ohne Frage über ein gutes Organ verfügt.
Alles wartet nun auf DIE Band des diesjährigen Brofest: VARDIS. Auf der Bühne steht eine schwarzhaarige Schönheit und verkündet die Rückkehr der Band nach 27 Jahren. Es ist die Tochter von Drummer Gary Pearson. Vardis treten tatsächlich in Originalbesetzung auf. Gitarrist/Sänger Steve Zodiac trägt zwar mittlerweile naturbedingt eine modische Glatze und steht auch nicht mehr barfuß auf der Bühne, aber das Gitarrespielen hat er definitiv nicht verlernt. Vardis kümmern sich einen feuchten Kehricht um die Erwartungshaltung der Fans und absolvieren einen bluesigen Boogie-Set, der sich gewaschen hat. Stücke wie ´Let´s Go´ oder ´Out Of The Way´ werden anno 2014 wesentlich langsamer interpretiert als auf dem proto-punkigen Live-Album „100 m.p.h.“. Improvisation wird groß geschrieben (was nicht jeder im Publikum versteht). Das abschließende ´If I Were King´ ist eine einzige Gitarren-Jam, die mich sprachlos zurücklässt. Von wem um alles in der Welt soll diese Performance 2015 getoppt werden?

Interview mit Brofest-Veranstalter Stu Bartlett

Brofest 2014 war für alle Besucher ein voller Erfolg. Wo man auch hinschaute, überall sah man nur strahlende Gesichter. Aber hat es denn auch mit den Zahlen funktioniert? Es sah für mich voller aus als vor einem Jahr.

»Die Zuschauerzahlen haben sich in der Tat verdoppelt. Wir sind also auf dem richtigen Weg. Ohne die Musiker der immerhin 26 Bands und exklusive der Gästeliste haben rund 400 Leute Eintritt bezahlt.«

Kannst du mal schnell im Atlas nachschauen, aus welcher Herren Länder die Headbanger angereist sind?

»Für dich immer: Australien, Russland, Rumänien, Mexiko, Amerika, Brasilien, Griechenland, Israel, Schweden, Belgien, Deutschland, Holland, Frankreich, Italien, Finnland und Irland. Ein paar Schotten waren auch da, haha.«

Du legst mit dem Brofest immer sehr viel Wert auf „value for money“, die Merch-Preise könnten kaum kundenfreundlicher sein, und der Eintrittspreis von 25 englischen Pfund für alle drei Tage ist eigentlich ein Lacher. Ich denke, die Fans würden auch nicht meckern, wenn du beim nächsten Mal 30 oder 40 Pfund nimmst. Das würde dir vielleicht ein wenig mehr finanziellen Spielraum geben.

»Das haben mir vor dir auch schon andere Besucher gesagt. Es kann sich also keiner über das Preis-Leistungs-Verhältnis beschweren, oder? Vielleicht erhöhen wir für Brofest #3 den Ticketpreis marginal. Vielleicht aber auch nicht...«

War es aus deiner Sicht ein Erfolg, das Festival auf drei Tage auszubauen?

»Es gab natürlich Leute, die aufgrund von Arbeitsverpflichtungen nicht das komplette Wochenende vor Ort sein konnten. Aber damit hatten wir gerechnet. Es waren lange Tage, ohne Frage, aber für mich ist das Konzept aufgegangen. Über drei Tage konnten wir noch mehr Bands unterbringen, und das ist doch Sinn der Sache, oder etwa nicht?«

Brofest #1 war noch ein reines NWOBHM-Event. Mittlerweile sind auch jüngere Gruppen – u.a. aus Italien, Spanien und Amerika – am Start. Verwässert das ein wenig den Charakter deines einmaligen Festivals?

»Auf gar keinen Fall. Nimm doch nur Ruler, die waren für viele Besucher das Highlight des Festivals. Witchtower, die beim nächsten Mal wirklich ein paar CDs mehr mitbringen sollten, habe ich ebenfalls sehr stark gesehen, sie verkörpern den Spirit der damaligen Neat-Bands. Es ist wichtig, diese jungen Gruppen zu unterstützen.«

Wir sind uns aber einig darin, dass es dein größter Coup war, Vardis nach 27 Jahren Abstinenz wieder auf die Bühne zurückzuholen? Und das noch vor dem Keep It True...

»Eine ganz komische Geschichte. Keiner hat geglaubt, dass es wirklich klappt, weil Steve Zodiac sich vor Jahrzehnten aus dem Geschäft verabschiedet hatte. Ich weiß, dass Oliver vom Keep It True schon sehr lange an Vardis dran war. Für uns war es einfach eine glückliche Fügung, die Sterne standen richtig, und das Timing passte. Vardis waren die mit Abstand größte Band, die wir bisher gebucht haben. Die Reaktionen auf ihren Auftritt waren extrem positiv – auch wenn ich selbst nicht alles sehen konnte, weil ich hinter den Kulissen mal wieder etwas regeln musste.«

Bands:
CAULDRON
GASKIN
JAGUAR
WARRIOR
BATTLEAXE
FIST
Autor:
Matthias Mader

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