Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.10.2012

OOMPH! , BLOWSIGHT - Bochum, Zeche

Irgendwie ist es ja schon bitter, dass die Kollegen von Rammstein locker die größten Hallen der Republik füllen, während die Genre-Pioniere Oomph! für ihre aktuelle Tour mit kleinen bis mittelgroßen Clubs vorlieb nehmen müssen. Die Bochumer Zeche ist dafür mit guten 800 Besuchern allerdings rappelvoll.

Den Opener geben - mehr schlecht als recht - BLOWSIGHT aus Schweden. Musikalisch klingen die vier Jungs wie eine seltsame Kreuzung aus Nickelback und Sonic Syndicate, scheinen aber keinen guten Tag erwischt und zu allem Überfluss auch noch kleinere technische Problemchen zu haben. Umso erstaunlicher, dass die Truppe trotz ihrer mageren Darbietung am Ende mehr als nur Höflichkeitsapplaus erntet.

Ganz anders sieht die Sache bei OOMPH! aus: Man kann zu den albernen Bühnenoutfits der NDH-Vorreiter - Fronter Dero betritt im Superschurken-Kostüm mit Maske, rotem Karnevalscape und aufgemaltem Joker-Grinsen die Bühne, während der Rest der Band in den schon von den Sommerfestivals bekannten Matrosenoutfits steckt - stehen, wie man will, aber sowohl musikalisch als auch showtechnisch kann man der Band heute in keiner Weise irgendetwas vorwerfen. Die Setlist ist gut durchgewürfelt und kommt mit einigen Überraschungen wie z.B. ´Wunschkind´ daher. Der Fokus liegt aber erwartungsgemäß auf den Songs des aktuellen Albums. Deros Ansagen und Publikumsinteraktionen pendeln irgendwo zwischen halbwegs witzig (auf einen der Gitarristen deutend: „Und jetzt ist es an der Zeit für etwas Älteres!“) und fürchterlich zum Fremdschämen (Grönemeyer-Chöre, Justin-Bieber-Sticheleien und Fußball-Ansagen), der Fronter ist aber gewohnt agil und singt zudem hervorragend. Zu ´Seemannsrose´ werden vier in Matrosenanzüge gekleidete Mädels aus dem Publikum auf die Bühne geholt, um die Band mit ein wenig Geschunkel zu unterstützen. Mit Deros Aufforderung, während ´Mitten ins Herz´ eine Wall Of Death zu starten, kann hingegen kaum jemand im Saal etwas anfangen, und dementsprechend mager fällt das Ergebnis aus. Zwischendurch gibt´s noch Nachhilfe in Sachen Metal-Geschichte: „Ich erkläre euch jetzt mal, warum Metalheads heutzutage in Leder und Nieten gekleidet rumlaufen. Das liegt an einem gewissen Rob Halford, der vor 30 Jahren ein Bühnenoutfit brauchte und in einem örtlichen Fetischladen einkaufen gegangen ist.“ Okay, das mag zumindest der Ansatz einer Erklärung für die eigenen Outfits sein. Unterm Strich haben Fans und Band jedenfalls sichtlich ihren Spaß, und bei knapp zwei Stunden Spielzeit kann sich auch niemand beschweren.

Pic: Axel Jusseit

Bands:
OOMPH!
BLOWSIGHT
Autor:
Jens Peters

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