Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.04.2012

EPICA , STREAM OF PASSION - Bochum, Zeche

So wenig Ansehen Epica in manchen Teilen der Metal-Community auch genießen mögen, so groß ist ihre Anhängerschaft im Rest davon. Die Zeche in Bochum jedenfalls ist bereits rappelvoll, als STREAM OF PASSION die Bühne betreten, nach ein paar Songs gibt es kein Durchkommen mehr.

Wer es nicht bis nach vorn geschafft hat, verpasst aber nicht viel. Marcela Bovio ist klar der Star der einst von Arjen Lucassen mitbegründeten Band. Zwar verfügt sie, im Gegensatz zu ihren Mitstreitern, über viel Charisma und zeigt ebenso viel Einsatz, allerdings überzeugt ihre Stimme nicht immer mit tonaler Sicherheit. Viel schwerer wiegt noch, dass die Songs der Band einerseits recht simpel komponiert und arrangiert sind, andererseits abgesehen von einzelnen Highlights wie ´In The End´ nicht ansatzweise so eingängig tönen wie jene der Konkurrenz. Am Ende ist es kein schlechter Auftritt, den Stream Of Passion abliefern, nur ist es auch keiner, der einer Band gerecht wird, die ihr großes Publikum erst noch finden muss.

EPICA sind da schon viele Schritte weiter. Dennoch lässt sich die quantitative Begeisterung, die das Publikum rein durch sein Kommen ausdrückt, erst mal durch nichts anderes feststellen. Die Niederländer starten nach kurzem Intro mit dem brillanten Eröffnungsdoppel ´Monopoly On Truth´ und ´Storm The Sorrow´ überaus druckvoll in ihr Konzert, treffen jedoch auf eine ausgesprochen zurückhaltende Form der Zustimmung. Man klatscht auf Aufforderung mit, hier und da mosht mal einer, in der Tat jedoch herrscht auf der Bühne regeres Treiben als davor, wobei der große Applaus keinen Zweifel an der insgesamt positiven Stimmung lässt. Vielleicht liegt es daran, dass viele noch nicht vertraut sind mit den zahlreichen neuen Songs im Set, vielleicht eignet sich das komplexe Material am besten zum intensiven Zuhören, vielleicht liegt es aber auch an der großen Routine, die Epica ausstrahlen. Simone Simons z.B. singt geradezu unheimlich perfekt, andererseits wirken ihre Ansagen merkwürdig lustlos; fast klingt sie ironisch, wenn sie einen Song damit ankündigt, dass sie ihn besonders „cool“ oder „geil“ fände.

Eine merkwürdige Entscheidung ist es auch, bereits nach 60 Minuten von der Bühne zu gehen, nur um schnell zurückzukehren und nicht weniger als fünf Zugaben anzukündigen, für die man dann aber auch ordentlichen Jubel erwarte. Immerhin wirkt die überdeutliche Aufforderung: Der geforderte Jubel wird geliefert, die wie versprochen lange Zugabe fällt dank des tollen Materials der letzten beiden Alben und der handwerklichen Makellosigkeit der Band musikalisch hervorragend aus. Dennoch ist es ein Konzert, das alles in allem eher Anerkennung als Begeisterung weckt. Und das wiederum ist gerade für eine Band mit großem Publikum sicher nicht genug.

Pic: Axel Jusseit

Bands:
STREAM OF PASSION
EPICA
Autor:
Tobias Blum

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.