Festivals & Live Reviews

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WORDS OF FAREWELL , HARASAI , DARK TRANQUILLITY - Bochum, Matrix

Bis vor kurzem war die Europatour der Göteborg-Veteranen Dark Tranquillity noch mit namhaftem Support wie Keep Of Kalessin und Warbringer geplant. Aus organisatorischen Gründen ist das Ganze nun zu wenigen Gigs mit Local Supports in den Niederlanden, Schweden und Deutschland geschrumpft, wobei das heutige Konzert in Bochum hierzulande das einzige ist.

Kein Wunder also, dass der Besucherandrang (mit auffällig hohem Frauenanteil) von vornherein beachtlich ist und im Vorverkauf über 500 Karten an den Fan gebracht wurden. Die Altenessener HARASAI eröffnen den Reigen mit zackigen Riffs und einer abwechslungsreichen Mischung aus Highspeed und cleanen Gitarrenparts. So hat klassischer Schweden-Melodeath zu klingen, wenn eine junge Combo unter Berücksichtigung ihrer Helden (At The Gates, alte In Flames oder eben Dark Tranquillity) frische, zeitgemäße Songs vorlegt. Besonders Sänger Martin ist ein echter Wirbelwind auf der Stage und zeigt sich auch zwischendurch als gesprächiger Kumpeltyp. Der Sound ist insgesamt leider nur mittelmäßig. Gesang und Drums stehen im Vordergrund, während die Gitarren etwas leise, bzw. in den Cleanparts zu saftlos daher kommen, was weniger den Tontechnikern, als der ungünstigen Akustik in der schlauchigen Halle der Matrix zuzuschreiben ist. Insgesamt präsentieren sich HARASAI als toller Anheizer und machen mit 'I - Conception' oder 'The Liquid Everything' Bock auf die nächsten Shows.

WORDS OF FAREWELL aus dem Raum Marl/Münster fahren anschließend mit ausgiebigem Keyboardeinsatz, Core-Anleihen und fast schon zu üppigen Solo-Eskapaden des technisch wirklich begabten Leadgitarristen einen etwas anderen Sound. Es geht von Anfang an agil und vertrackt in die Vollen, wobei die Bassdrum in den vorderen Reihen viel zu laut in die Magengrube donnert. Man merkt der Band, die in diesem Jahr bei AFM-Records ihr Debüt veröffentlicht hat, in jeder Minute den Spaß an ihrem Auftritt vor großem Publikum an. Der größte Teil des Stageacting geht dabei von Frontmann Alex (im stilsicheren The-Ocean-Shirt) und Tastenmann Leo aus. Leider ist auch hier der Sound nicht optimal und besonders die Rhythmusgitarre kann sich im Vergleich zu den dominanten Soli nicht durchsetzen. Auch sonst fällt meine Begeisterung im Vergleich zum Album heute Abend geringer aus, was in erster Linie an der deutlichen Core-Schlagseite inklusive Breakdowns liegt. Das ist natürlich äußerst subjektiv, denn die Jungs kommen blendend beim Publikum an, das während der knappen Dreiviertelstunde amtlich abfeiert.

DARK TRANQUILLITY beweisen sich wenig später als zurecht heiß erwarteter Headliner, der in den letzten beiden Jahrzehten stets Fans hinzugewonnen hat. Zwar füllt man kleinere Hallen als die Kollegen von IN FLAMES, ist dabei aber auch näher an den eigenen Wurzeln geblieben, ohne auch nur ansatzweise unmodern zu klingen. Schon vor Beginn drängen alle nach vorn; entfachen ein enges, warmes Getümmel vor der Bühne. Als die Göteborger dann mit 'Terminus (Where Death Is Most Alive)' starten, hat Sänger Mikael Stanne mit seinem positiven Charisma direkt das Zepter in der Hand. Im Hintergrund werden alle Songs mit einer kunstvollen Beamer-Show begleitet, die mit abstrakt-futuresken Bildern und eingestreuten Textfragmenten auf jeden Track abgestimmt ist. Es ist schwierig, aus der atmosphärisch und soundtechnisch grandiosen Darbietung des Sextetts Einzelnes hervorzuheben. Stanne growlt und singt in allerbester Form, während die Instrumentalfraktion (Klampfer Martin Henriksson neuerdings mit Glatze) mit entspanntem Grinsen und fehlerfreiem Spiel brilliert. Die Setlist ist, den runden Gesamteindruck abschließend, sehr vielseitig und beinhaltet auch manche Hits aus der Zeit zwischen 1995 und 2002 ('The Wonders At Your Feet', 'Lethe', 'The Sun Fired Blanks', 'The Treason Wall'), sowie live-taugliche Kracher aktuelleren Datums, wie das mit weiblichen Vocals vom Band angereicherte 'The Mundane And The Magic', das düster-angeschwärzte 'Inside The Particle Storm', 'In My Absence', sowie das aktuelle 'Zero Distance' bei dem Stanne sich passenderweise mit einem Stagedive auf Tuchfühlung mit der Menge begibt. Bevor DARK TRANQUILLITY mit 'The Fatalist' für heute einen Schlussstrich ziehen, kündigt man für Mai nächsten Jahres den Release eines neuen Albums mit dem Titel „Construct“ an. Ich freue mich jetzt schon drauf!

Setlist Dark Tranquillity

Terminus (Where Death Is Most Alive)
In My Absence
The Wonders At Your Feet
The Treason Wall
Lost To Apathy
The Mundane And The Magic
The Sun Fired Blanks
Monochromatic Stains
Inside The Particle Storm
Zero Distance
Dream Oblivion
Misery's Crown
ThereIn
Final Resistance
Lethe
The Fatalist

Bands:
WORDS OF FAREWELL
DARK TRANQUILLITY
HARASAI
Autor:
Meredith Schmiedeskamp

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