Festivals & Live Reviews

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PERIPHERY , DEVIN TOWNSEND PROJECT , SHINING - Bochum, Matrix

Devin Townsend erntet derzeit die Früchte der harten Arbeit. Neben einem „Juno“-Award darf der Kanadier sich auch über die erfolgreichste DEVIN TOWNSEND PROJECT-Tournee aller Zeiten freuen, die in Bochum 750 Besucher in die Matrix lockt. Im Vorprogramm musizieren mit SHINING (NOR) und PERIPHERY zwei Bands, die mit dem Headliner wohl am ehesten ihr Avantgarde-Denken gemein haben.

??Dabei fällt der Black Jazz von SHINING immer noch so radikal aus, dass er bei einem Großteil der Zuschauer für Fragenzeichen überm Kopf oder blankes Entsetzen sorgt. Die Combo um Jørgen Munkeby macht es dem Publikum mit ihren fordernden Kompositionen und den völlig abgedrehten Keyboard- und Saxofonpassagen aber auch nicht leicht. Auf Platte kann ich mir die Band auch nur bedingt anhören, live empfinde ich das Soundinferno – auch aufgrund der völlig eigenen Gitarrensounds – als zutiefst originell. Es ist eine Wonne zu sehen, wie die Band in 'The Madness And The Damage Done' den Mittelteil zu einer monotonen Endlosspirale auftürmt, bevor sie das Kartenhaus mit aller Brachialgewalt wieder zum Einsturz bringt. Falls vor der Höllenpforte eine Jazzband spielen sollte, dann klingt sie sicherlich wie SHINING.


Eine wahre Lehrstunde präsentiert im Anschluss das DEVIN TOWNSEND PROJECT. Es ist schon witzig mit Devin: Man wird manchmal das Gefühl nicht los, dass der glatzköpfige Kanadier mit Absicht das Gegenteil des von ihm Erwarteten abliefert. Auf der „Epicloud“-Tour fand neben vertrackten „Deconstruction“- und „Ziltoid The Omniscient“-Songs hauptsächlich Material neueren Datums den Weg ins Set. Nun, da anscheinend viele neue Fans vor Ort sind, hat Devin ordentlich an der Setliste geschraubt und präsentiert mit 'Night', 'Storm' oder 'Namaste' selten oder nie live gespielte Tracks aus den ersten fünf Jahren seiner Solokarriere, die einem Großteil des jüngeren Publikums nicht unbedingt ein Begriff sind. Jüngst etablierte Live-Hits wie 'Grace' werden hingegen ausgespart. Den langjährigen Konzertbesucher freut diese Abwechslung natürlich, auch wenn der Sound in der Matrix heute mal wieder arg zu wünschen übrig lässt. Vor allem die Gitarrenarbeit geht im basslastigen Soundbrei ziemlich unter, weshalb sich am besten noch Ryan Van Poederooyens brillante Schlagzeugarbeit bestaunen lässt, die zum Beispiel bei dem Speedkracher 'Namaste' der Studioversion von Gene Hoglan in nichts nachsteht. Entschädigt wird das Publikum auch durch die sehenswerten Einspieler auf der Leinwand und Devins lustige Ansagen („Gleiche gehe ich Backstage! Koks und Nutten! Ach nee, ich muss ja meine Frau anrufen. Aber ich bin doch Rockstar! Koks und Nutten!“). Nebenbei klärt Devin das Publikum auch über seine schüchterne Blase auf, die sich in Anwesenheit anderer Personen einfach nicht entleeren will, weshalb der Musiker sich auf Tour in bester Pawlow'scher-Hund-Manier antrainiert hat, bei dem Erklingen eines bestimmten Songs Wasser zu lassen (es hat mit Slayers 'Angel Of Death' wohl jahrelang ganz gut geklappt). Auch seine Erklärung, warum er auf das alberne „Ihr müsst jetzt eine Zugabe fordern, obwohl sie eh auf der Setlist steht“-Spiel verzichtet, wird laut bejubelt. Und so zaubert einem zum Ende besonders die Kitsch-Ballade 'Ih-Ah!' ein Lächeln ins Gesicht und lässt einen voller positiver Energie aus der Matrix schreiten.

SETLIST DEVIN TOWNSEND PROJECT
Truth
Deathray
Namaste
Night
Storm
Hyperdrive?
Rejoice
Addicted!
March Of The Poozers
A New Reign
Lucky Animals
Life
Christeen
Ih-Ah!
Kingdom

Pics: Alexandra Michels

Bands:
PERIPHERY
SHINING
DEVIN TOWNSEND PROJECT
Autor:
Ronny Bittner

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