Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.03.2015

SISTER , STOP STOP! , CONFESS , PRETTY WILD , DOUBLE CRUSH SYNDROME , THE OTHER , STEVE SUMMERS - Bochum, Matrix

„Das Shout It Out Loud! ist tot, lang lebe das Sleaze Fest!“ – so (oder so ähnlich) lautet das Motto der knapp 500 Besucher, die dem frisch aus der Taufe gehobenen Festival in Bochum zu einem gelungenen Start verhelfen. Rock Hard lässt sich den Besuch in der Matrix ebenfalls nicht entgehen und läuft standesgemäß in Latex (Michels), Leder (Bittner) und Spandex (Peters) auf. (jp)

PRETTY WILD haben es nicht leicht, entsprechend nachzulegen. Anfangs wirken die Hardrocker etwas unaufgewärmt, woran diverse technische Probleme sicher nicht ganz unschuldig sind. Während Kim Chevelles Bass unangenehm laut aus den Boxen dröhnt, vermisst Fronter Ivan seine Stimme auf dem Monitor und ist auch vor der Bühne nur mit Hörrohr klar und deutlich zu vernehmen. Allerdings fangen die Jungs sich schnell und setzen alles daran, ihrem Bandnamen trotz der Tücken alle Ehre zu machen. Musikalisch surft die Band ganz oben auf der Hairspray-Fönwelle, überkritische Zeitgenossen würden den Schweden aber vielleicht fehlende eigene Trademarks ankreiden.

Mit CONFESS spielt die Musik dann eine ganze Ecke ungehobelter und kantiger. Die Newcomer aus Stockholm haben sich mit ihrer letzten Scheibe „Jail“ in der internationalen Hardrock-Szene viele Freunde gemacht und treffen in Bochum auf eine auffallend große, überwiegend weibliche Fangemeinde. Auch Adamsapfelträger lassen sich spätestens beim zweiten Song ´Scream´ von der rotzigen Truppe um Fronter John Elliot anstecken, die zielsicher einen Ohrwurm nach dem anderen rausbrettert und dabei Dampf macht, dass die Kessel flöten. Gitarrist Blomman lässt mit seinen Soli so einige Münder offenstehen, für ähnliche Ergebnisse sorgt Basser und Irokesen-Träger Lucky mit seiner sagenhaften Bühnenpräsenz. Einziger Kritikpunkt der Show: zu kurz!

Während Kollege Peters inzwischen gänzlich dem Sleaze-Wahn verfallen ist und online Tickets für die Mötley-Crüe-Abschiedstour in den Staaten ordert, neigt sich die Umbaupause dem Ende zu und gibt die Bühne für eine waschechte Ruhrpott-Rockinvasion frei. DOUBLE CRUSH SYNDROME haben mit der Weichspül-Facette des Sleaze-Spektrums genau null Komma nichts zu tun: Das Mülheimer Rock-Dreigestirn hat merklich Bock aufs Zocken und rotz´n´rollt sich mit deutlichem Punk-Einschlag ohne Zwischenstopp ins Nackenmuskel-Kontrollzentrum des Publikums. Fronter Andy Brings verscheucht gleich zu Beginn jeglichen Anflug von Fußballderby-Gedanken aus den Köpfen der Matrix-Meute und gibt mit ´Die For Rock´n´Roll´ die Marschrichtung des Abends vor. Die Zeile nimmt man der Combo nicht nur ohne jeglichen Zweifel ab, sie wird aus hunderten Kehlen auch begeistert mitgegrölt. Höchste Zeit fürs neue Album! (am)

THE OTHER stehen, das durfte man bereits im Vorfeld befürchten, mit ihrem fröhlichen Horror-Punk zumindest musikalisch ein wenig auf verlorenem Posten. In Sachen Make-up (schön angegruselt) und Bühnenklamotten (schwarz, klaro) reihen sich die Außenseiter hingegen nahtlos zwischen Confess und Sister ein, die ebenfalls ein wenig düsterer als der Rest des Billings unterwegs sind. Die Truppe lässt sich jedoch vom Publikumsschwund, der im Vergleich zu den vorangegangenen Acts nicht zu leugnen ist, nicht entmutigen und legt einen mehr als soliden Gig auf die Bretter. Schade, dass es sich viele Besucher derweil lieber an der Bar oder am Merch-Stand bequem machen. Ein Blick über den Tellerrand kann von Zeit zu Zeit nicht schaden, sagt man schließlich nicht zu Unrecht.

Bei SISTER sieht die Sache anschließend genau gegenteilig aus: Vor der Bühne ist es brechend voll, und die Schweden dürfen sich mit weitem Abstand über die besten Reaktionen des ganzen Abends freuen, obwohl sie musikalisch etwas „härter“ als der Rest des Line-ups unterwegs sind. Man merkt deutlich, dass der Vierer in der Szene spätestens seit der gemeinsamen Tour mit CrashDiet ein hervorragendes Standing hat. Jamie (v.), Rikki (b.), Tim (g.) und Cari (dr.) sprühen nur so vor Energie und ballern einen Kracher nach dem anderen in die tobende Menge. Insgesamt kommen die Songs noch ein wenig wuchtiger als auf Platte rüber, was hervorragend mit der punkigen Attitüde der Jungs einhergeht. Hervorragende Show!

Die Dame am Mikro von STEVE SUMMERS ist zweifellos die hübscheste Frau des ganzen Festivals findet zumindest Herr Bittner, der sich passend zu ´Leather Boyz With Electric Toyz´ in Schale geschmissen hat. Und um das gewagte Statement noch zu unterstützen, lässt der Kollege seine wilde, auftoupierte Lockenpracht wie verrückt in der zweiten Reihe kreisen. Auf der Bühne ist derweil ebenfalls alles paletti: Steve wird musikalisch von Tod T. Burr (Tuff) und BC Sleaze (Shameless) sowie Andy und Slick (beide von Double Crush Syndrome) unterstützt und liefert ein Pretty-Boy-Floyd-Best-of-Set ab, das für Fans der Kapelle kaum einen Wunsch offen lässt. Dass die Show absolut Headliner-tauglich ist, beweisen die begeisterten Reaktionen des Publikums.

Die anschließende Aftershow-Party zieht sich bis in die frühen Morgenstunden und ist der perfekte Abschluss für den ohnehin schon gelungenen Abend. An den Plattentellern sorgen die DJs Rod Usher (The-Other-Fronter) und Jeff Rotten (Snakebite-Drummer), die auch für das Kölner Partymonium verantwortlich zeichnen, für passende Musik, außerdem gibt´s Bier und professionelle Tänzerinnen (Fräulein Bittner? - Red.). Nächstes Jahr gerne wieder! (jp)

Auf dem Sleaze Fest posten um die Wette: Alexandra Michels (am), Jens Peters (jp) und Ronny Bittner (dank gefühlter 50 Biere nicht im Text)

Pics: Alexandra Michels

Bands:
THE OTHER
DOUBLE CRUSH SYNDROME
SISTER
PRETTY WILD
STEVE SUMMERS
STOP STOP!
CONFESS
Autor:
Alexandra Michels
Jens Peters

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