Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.04.2012

SYLOSIS , TEXTURES , VENOM IN VEINS - Bochum, Matrix

Eigentlich wünscht man ja Bands, vor allem tollen Bands, nur das Beste. Andererseits wünscht man sich manchmal auch, dass Dinge einfach bleiben, wie sie sind. Die kleine Bühne der Matrix ist zunächst mal ein bescheidener Rahmen, wirkt sie doch weniger wie eine Halle, denn wie die Bühne einer kleinen Bar. Und doch stellt sie sich als ein exzellenter Ort für diesen Anlass heraus. Aber man soll ja nicht vorgreifen.

VENOM IN VEINS jedenfalls dürfen sich gerne noch ein wenig entwickeln, was nicht negativ gemeint ist. Dafür, dass es die Band erst seit einem guten Jahr gibt, klingt die Mischung aus modernem Metal(core) und Alternative Rock nicht nur recht originell, sondern auch ausgereift. Es wird spannend sein, zu beobachten, welche Fortschritte die Ruhrpott-Truppe macht.

SYLOSIS hingegen haben sich in die falsche Richtung entwickelt. Nach einem hervorragenden Debüt erwies sich die Entscheidung, Gitarrist Josh Middleton zum Sänger zu machen, schon auf dem Zweitling „Edge Of The Earth“ als unglücklich. Live verhält es sich nicht anders: Der Mann ist zwar ein feiner Gitarrist, aber kein charismatischer oder auch nur leidenschaftlicher Frontmann, zumal ihm die Doppelbelastung ganz offensichtlich höchste Konzentration abverlangt. Durch sein eintöniges Gebelle wirken die komplizierten Songs nicht nur sperriger als nötig, sondern auch noch ausgesprochen grobschlächtig.

Im Gegensatz dazu gehen TEXTURES mit der Präzision und selbstsicheren Kompetenz altgedienter Uhren-Feinmechaniker ans Werk. Glücklicherweise hat sich der kleine Raum mittlerweile bestens gefüllt, die Stimmung ist bereits zu Beginn des eröffnenden Instrumentals blendend. Eine besonders spannende Frage zu diesem Zeitpunkt: Wie schlägt sich das Material des jüngsten Albums „Dualism“? Und wie der immer noch recht neue Sänger Daniel de Jongh? Die Antwort: großartig und großartig. Die melodiösere Ausrichtung der neuen Songs mischt sich blendend mit den schnelleren, härteren Frühwerken und steht in einem kuriosen, aber funktionierenden Kontrast zur Ausstrahlung des Frontmanns. Der ist nämlich ein bärtiges, langhaariges und äußerst schwermetallisches Energiebündel vor dem Herrn und könnte genauso gut die Crowd einer wilden Neo-Thrash-Combo zum Kochen bringen. Da allerdings wäre sein größtes Talent verschwendet: Der Mann hat eine unglaubliche Stimme. Seien es nun die Hooklines des brillanten ´Storm Warning´ oder die komplexen Melodieverläufe eines ´Consonant Hemispheres´: Jede Note sitzt hier nicht nur präzise, sondern auch gefühlvoll, ganz gleich, ob de Jongh einen Takt vorher noch gebrüllt hat wie der Teufel höchstselbst.

Seine Gefährten stehen ihm in nichts nach. Selbst für die Maßstäbe ihres Genres sind die polyrhythmischen Grooves von ´Sanguine Draws The Oath´ (diese Snare!) oder ´Old Days Born Anew´ schlicht spektakulär, dabei klingen Textures jedoch nicht nur sauber, sondern auch sehr organisch. Die Niederländer sind in der Form ihres Lebens und sollten dort noch lange bleiben. Und auch wenn man ihnen allen Erfolg der Welt wünscht: Diese kleine Halle, die mehr wie eine Bar ist, ist ein perfekter Ort für Textures. Genau so möchte man diese fantastische Band noch oft erleben.

Bands:
VENOM IN VEINS
TEXTURES
SYLOSIS
Autor:
Tobias Blum

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