Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.04.2012

LONG DISTANCE CALLING , BLOOD COMMAND , UNEVEN STRUCTURE , PROTEST THE HERO - Bochum, Matrix

Eins und eins, das macht zwei! Tja, wenn das mal so einfach wäre, dann müsste die Bochumer Matrix an diesem Abend auf jeden Fall aus allen Nähten platzen. Tut sie aber nicht. Schade, denn sowohl Protest The Hero als auch Long Distance Calling sollten eigentlich jeder für sich die höchstens 300 Anwesenden wert sein. Bis auf die Show in London, die mit knapp 700 Zuschauern einen bemerkenswerten Ausreißer nach oben darstellte, bewegten sich die Zahlen aber in ganz Europa durchweg auf diesem Niveau.

Die Franzosen UNEVEN STRUCTURE eröffnen den abwechslungsreichen Reigen mit einer fett groovenden Portion Djent Metal. Die kranke Wucht von Meshuggah wird mit der feinen Polyrhythmik von Tool verwoben, von teilweise großen Melodien gekrönt und mit traumhaften Ambient-Soundscapes abgerundet. Bedauerlich, dass die Band bereits eine halbe Stunde vor dem im Internet kommunizierten Beginn auf die Bretter muss. Aufgrund des musikalischen Potenzials hätten die Jungs im Billing sogar gern einen Platz nach oben rutschen dürfen, denn BLOOD COMMAND können dieses Niveau nicht halten. Die Norweger um Frontfrau Silje Tombre geben zwar ordentlich Gas, das eher eindimensionale Aggro-Gekreische von Tombre wirkt aber spätestens zur Halbzeit des halbstündigen Gigs nervig und kraftlos. Die Band selbst sieht sich im Spannungsfeld aus Metalcore, Punkrock, Deathpop, Bloodcore und Artpunk. Klingt lustig, bedeutet aber auch, dass die Truppe auch live keinen besonders eigenen Stil fährt.

Es ist der letzte Tag der dreiwöchigen Tour, dementsprechend gelöst ist die Stimmung bei der rein instrumentalen Dortmund-Münster-Connection LONG DISTANCE CALLING, die viele Fans und Bekannte im Publikum begrüßen darf. Das auf dieser Tour zum Quartett geschrumpfte Quintett (Computer-Künstler Reimut van Bonn konnte nicht mitfahren) schwimmt nach wie vor auf einer feinen Erfolgswelle. Verdient ist das allemal, denn auch live werden die super-atmosphärischen Postrock-Songs von David Jordan (g.), Janosch Rathmer (dr.), Florian Füntmann (g.) und Jan Hoffmann (b.) nie langweilig. Guter Gig, der allerdings wegen des Fehlens von van Bonn und des einmal mehr eher mäßigen Matrix-Sounds nicht seine volle Kraft entfalten kann.

Richtig eklig wird der Sound dann bei PROTEST THE HERO, deren kniffliger Progressive-Metal/Mathcore-Sturm einen deutlich differenzierteren Sound erfordert. Zwar dreht der Mann am Mischpult während des kompletten Gigs nahezu ununterbrochen an seiner Knöpfchen-Batterie; die Tatsache, dass sich mehrmals Fans bei ihm beschweren wollen, prallt jedoch gnadenlos an ihm ab. Leider, denn ein besonders glückliches Händchen mag man ihm heute wirklich nicht bescheinigen, und so gehen viele Feinheiten und Kabinettstückchen der Kanadier gnadenlos unter. Einer ist jedoch nicht zu überhören: Frontsau Rody Walker ist nicht nur ein göttlicher Sänger, sondern auch ein grandioser Entertainer, der mit seinen locker-flockigen Geschichtchen und Anekdoten zwischendurch immer wieder für Gelächter sorgt.

Setlist PROTEST THE HERO:

Sex Tapes
Bloodmeat
Termites
Goddess Gagged
Goddess Bound
Tongue Splitter
Turn Soonest To The Sea
Limb From Limb
Hair Trigger
Blindfolds Aside
Sequoia Throne
C´est La Vie

Setlist LONG DISTANCE CALLING:

Into The Black Wide Open
Black Paper Planes
I Know You, Stanley Milgram!
Arecibo (Long Distance Calling)
Metulsky Curse Revisited

Bands:
LONG DISTANCE CALLING
PROTEST THE HERO
UNEVEN STRUCTURE
BLOOD COMMAND
Autor:
Mike Borrink

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