Festivals & Live Reviews


Pic: Ludwig Krammer

Festivals & Live Reviews 20.11.2019, 16:30

BLACK STAR RIDERS - München, Backstage Halle

„Another State Of Grace“ nennt sich das vierte Album der BLACK STAR RIDERS, auf dem sich die Thin-Lizzy-Nachfolger zwingender als zuvor präsentieren. Kein Wunder also, dass die Backstage Halle beim Gastspiel der Gorham-Gang trotz des Montagstermins sehr gut gefüllt ist. Es wartet ein irisch/britischer Abend mit vielen fröhlichen Gesichtern - und einigen Schönheitsfehlern.

Dies liegt am allerwenigsten an den WAYWARD SONS, die ihren Gig eine halbe Stunde früher als angekündigt starten und vor entsprechend lichten Reihen spielen müssen. Frohnatur Toby Jepson macht gute Miene zum unglücklichen Spiel. Der englische Sänger und Gitarrist, der mit den Little Angels Anfang der Neunziger vergeblich um den großen Durchbruch kämpfte, hat mit seiner neuen Band ein echtes Pfund am Start, das den meisten Classic-Rock-Karren der Neuzeit röhrend den Doppel-Auspuff zeigt. Was auf den beiden Alben wunderbar leichtfüßig daherkommt, klingt live noch um einiges packender. Springsteen trifft auf harte Queen, Bowie auf räudige Aerosmith - von Abkupfern kann angesichts der Qualität der Arrangements trotzdem keine Rede sein. Mr. Jepson singt großartig, das Zusammenspiel ist traumhaft tight. Ein brandheißer Tipp, diese Wayward Sons!

Und nach großer Begeisterung... DIAMOND HEAD. Ich habe die Band schon stark und mittelmäßig erlebt, dieser Gig ist bestenfalls leicht daneben. Weder Vokalist Rasmus Bom Andersen erreicht Normalform, noch ist die Rhythmusfraktion wirklich auf der Höhe. Bei 'It's Electric' sind die Timing-Schwankungen so eklatant, dass einem die Fan-Augen beschämt zu Boden sinken. Sicher: Das logistikbedingte Fehlen von Zweitgitarrist Andy Abberley ist kein unwesentliches Handicap für die NWOBHM-Legende, neue Fans wird Brian Tatler bei diesen Deutschland-Dates allerdings kaum gefunden haben. Immerhin: 'Am I Evil?' funktioniert auch mit einer Gitarre - das dankbare Publikum honoriert den brachialen Abschluss mit kehligen Ovationen. Nochmal Frischluft. Der Headliner kann kommen.

Und enttäuscht nicht. Ricky Warwick ist ein alterslos-souveräner Frontmann, der seine stimmliche Limitiertheit mit Herz und (nord)irischem Straßenköter-Charme aufwiegt. Scott Gorham zu seiner Linken erinnert in seiner dauerlächelnden Gelassenheit an Großmeister Steve Morse. Das Zusammenspiel des 68-Jährigen mit dem seit Jahresbeginn mitswingenden Christian Martucci (Stone Sour) ist ein Genuss - hier sitzt jedes Twin-Lead wie in atlantischen Küstenfels gemeißelt. Geschickterweise platzieren die BLACK STAR RIDERS das schmissige Titelstück der neuen Scheibe gleich zu Beginn - spätestens jetzt kann an der Friedenheimer Brücke von Montagsstimmung keine Rede mehr sein. Und trotzdem klopft der Mokier-Teufel während des anderthalbstündigen Sets immer mal wieder ans innere Ohr. Dem Vergleich mit den Unerreichbaren können die Riders schlicht und einfach nicht standhalten, was gerade bei den frappierend an die Klassiker angelehnten Songs auffällt. Dass auf dieser Tour erstmals keine Lizzy-Perle in der Setlist auftaucht, ist aus Gründen der musikalischen Emanzipation nachvollziehbar. Entsprechende Rufwünsche sind am Ende des Gigs nur dünn gesät. Diskutiert wird vor der Halle natürlich trotzdem genau das.

Ja fuckin’ mei, wie der Bayer sagt...


Setlist BLACK STAR RIDERS

Another State of Grace

The Killer Instinct

All Hell Breaks Loose

Testify Or Say Goodbye

Tonight The Moonlight Let Me Down

Ticket To Rise

Hey Judas

In The Shadow Of The War Machine

Soldierstown

Why Do You Love Your Guns?

Blindsided

Bloodshot

Ain't The End Of The World

When The Night Comes In

Underneath The Afterglow

Dancing With The Wrong Girl

Finest Hour

Kingdom Of The Lost

Bound For Glory

Bands:
BLACK STAR RIDERS
DIAMOND HEAD
WAYWARD SONS
Autor:
Ludwig Krammer

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