Kolumne

Kolumne 20.12.2017

SCORPIONS - Betr.: nette Typen

Neulich stand Black-Metal-Mandy bei mir im Büro. Der Matthias Jabs sei sooooo nett gewesen, das hätte sie nicht gedacht. Ich war perplex.

Dass Jabs okay ist, hatte ich schon mitbekommen, nur nicht gedacht, dass sich Mandy für die Scorpions interessiert. Jabs hatte bei mir schon gewonnen, als er in München plötzlich noch einen Gitarrenladen aufmachte. Man sagt, er sei dort selbst zugegen, wenn er nicht gerade in Peking, Buenos Aires oder Sydney auf der Bühne steht. Nötig wird er´s nicht haben, die Scorpions sollten ihre Schäfchen schon längst im Trockenen haben. Mit Jabs assoziiert man Zurückhaltung, Leidenschaft und Bodenständigkeit. Das unterscheidet ihn von einem anderen Wahl-Münchner, geboren in Leimen, der sich kürzlich in einer Dokumentation bitterlich darüber beklagte, dass ihm die „Bild“-Zeitung so übel mitgespielt habe, und der es fertigbrachte, sein immenses Vermögen in rekordverdächtiger Zeit zu verjubeln. Dabei wissen schon Kinder nach dem Sehen der „Star Wars“-Filme, dass es keine gute Idee ist, mit der dunklen Seite der Macht einen unheilvollen Pakt zu schmieden oder die eigenen Ideale für Geld zu verraten. Nun kann man argumentieren, dass Matthias Jabs ja gar kein allzu großer Star ist. In der Wahrnehmung der Fans und im Ranking der größten Scorpions-Gitarristen aller Zeiten ist die Hackordnung unübersichtlich: Uli Jon Roth ist eine verehrte Gitarren-Legende, Rudolf Schenker als Bandleader „Mr. Scorpion“ himself und selbst Michael Schenker als Bruder, Scorpions-Kurzmitglied und Gitarrengott noch ein namhafter Konkurrent um Ruhm und Ehre, obwohl es Jabs war, der über Dekaden fast alle Welthits der Hannoveraner mit Soli beglückt und zuverlässig auf den Bühnen der Welt intoniert hat. Beschwert hat er sich nie. Der Unterschied ist einfach der, dass Jabs selbstbewusst und klug genug ist, sich nicht unpassend ins Rampenlicht zu drängen, und es auch nicht nötig hat, dem Boulevard Schlagzeilen zu liefern, um sein Ego zu füttern. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, und es ist davon auszugehen, dass Jabs mit dieser Taktik recht gesund und zufrieden lebt. Natürlich sind Musiker, die mal neben der Spur sind, die interessanteren Typen für uns Journalisten und letztlich auch für die Leser. Davon lebt der Mythos Rock´n´Roll. Man sollte nur nicht die etwas stilleren Vertreter vergessen, deren Teamgeist und Arbeitsethos die Bands am Laufen halten.

Bands:
SCORPIONS
Autor:
Holger Stratmann

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