Festivals & Live Reviews

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RAVEN , METAL LAW - Berlin, Comet

„Time to say boodbye". Der Comet wird fortan unter dem Namen „Musik und Frieden" mit veränderter Programmstruktur weitermachen. Metal-Konzerte wird es demnach auf absehbare Zeit an der Oberbaumbrücke schwerlich geben.

Zum Abschied haben sich die Lokalmatadoren METAL LAW noch einmal so richtig schick gemacht und die Lederhosen aus dem Schrank geholt. Der optische Beweis dafür, dass sie alte Traditionen pflegen. Auch musikalisch. Bei Stücken wie ´Hellride Through Steel´ oder der Hymne ´Heavy Metal Is Forever´ scheint die Uhr bei Manowars „Hail To England" stehen geblieben zu sein. Warum auch nicht? Das Highlight ihres kompakten Sets ist ´Crusaders Of The Light´ (mit leichten Querverweisen zu Maiden in ihrer „Seventh Son Of A Seventh Son"-Phase).

Haben die NWOBHM-Heroen RAVEN in ihrer langen Karriere überhaupt schon mal einen schlechten Auftritt hingelegt? Keine Ahnung. Ich habe sie jedenfalls bis dato immer in Höchstform erlebt. Auch an diesem tristen Mittwochabend vor erstaunlich guter Kulisse haben die Exil-Engländer ihr Publikum gleich nach dem Opener ´Destroy All Monsters´ komplett in der Hand. Drum-Monster Joe Hasselvander hatte zwar backstage über Jetlag geklagt, davon merkt man bei ihm und den Gallagher-Brüdern auf der Bühne aber gar nix. Ganz im Gegenteil – Nummern wie ´Live At The Inferno´ und vor allem ´Faster Than The Speed Of Light´ werden so rasend schnell interpretiert, dass John Gallagher deutlich hörbar Mühe hat, sämtliche Textzeilen unterzubringen. Macht Spaß.

Auch Raven sind begeistert. „Forget about the setlist", heißt es auf einmal, „we´ll do something special now." Weiter geht´s mit dem live recht selten gehörten Midtempo-Kracher ´Into The Jaws Of Death´ von „Nothing Exceeds Like Excess" – so viel Spontanität wünschte man sich auch von der einen oder anderen „großen" Band. Das Material vom neuen Album „Extermination" passt sich vorzüglich ins Gesamtbild ein, keine Spur von Spannungsloch bei ´It´s Not What You Got´ und ´Battle March/Tank Treads (The Blood Runs Red)´, der Drumsound ist live um einiges besser als auf der Scheibe. Joe Hasselvander leistet Schwerstarbeit, wirkt geschlaucht, trifft aber trotzdem jeden Schlag. Für die nötigen Kunstpausen sorgt Gitarrist Mark Gallagher mit seinen kurzweiligen Solo-Einlagen. Unzerstörbar. Selbst einstürzende Mauern können diesem Mann bekanntlich nichts anhaben. Der AC/DC-Tribute ´Thunder Down Under´ wird nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Und bei ´Rock Until You Drop´ singt wirklich der komplette Saal mit – eine solche Stimmung findet man heute in keinem Stadion der englischen Liga mehr. Nach ´Break The Chain´ und satten 90 Minuten energiegeladenem „Athletic Rock" sind alle zufrieden. Neben den überteuerten Merch-Preisen die einzige Enttäuschung an diesem Abend: Der anwesende Space-Chaser-Sänger Siggi hatte sein legendäres D.R.I.-Original-Shirt nicht an.

Bands:
RAVEN
METAL LAW
Autor:
Matthias Mader

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