Festivals & Live Reviews


Pics: Grzegorz Gołębiowski

Festivals & Live Reviews 09.09.2020, 13:34

BEHEMOTH - „In Absentia Dei“-Live-Streaming-Event

BEHEMOTH wissen, wie man sich ins beste Licht rückt und so durfte man durchaus gespannt sein, was Nergal und Co. bei ihrem Live-Streaming-Event aufbieten würden. Im Vorfeld wurde nicht mit Superlativen gespart. „Immersiv“ sollte die Show werden und in einer „geheimen“ Kirchen-Location stattfinden. Und tatsächlich, mit „In Absentia Dei“ legen BEHEMOTH die Latte für künftige Live-Streaming-Konzerte hoch. Doch der Reihe nach.

Zu Beginn sehen wir düstere Gestalten mit Totenkopfmasken, die in stimmungsvollem Schwarzweiß durch eine karge Landschaft reiten. Atmosphärische Einspieler dieser Art werden im Folgenden immer mal wieder zwischen den Songs gezeigt. Kurz darauf sehen wir dann die Band in einer nicht mehr genutzten Kirche, die aufwendig beleuchtet ist. Mehrere Kameras filmen das Quartett. Statt wie ein Konzert ohne Publikum hat das Gezeigte eher eine Videoclip-Ästhetik, was deutlich besser funktioniert, als ein Konzert vor imaginären Fans zu simulieren. Abwechslung wird auch durch – vermutlich vorab gefilmte, aber geschickt eingeflochtene – Showeinlagen erzeugt. Nichts für zarte Gemüter und polnische Moralapostel ist der Auftritt einer Frau, die sich Haken durch die Haut am Rücken treiben und daran aufhängen lässt.

Währenddessen spielen BEHEMOTH ein Best-Of Set in gutem Sound. Ans virtuelle Publikum wendet sich Nergal nur kurz, und vermeidet dabei peinliche Momente, wie es sie bei anderen Streaming-Konzerten schon des Öfteren gegeben hat. Kritisieren könnte man, dass man nicht erkennen kann, ob das nun wirklich live ist, oder aufgezeichnet. Andererseits würden etwa eingeblendete Facebook-Kommentare oder ähnliches zu dieser Art von Show nicht passen und die durchaus dichte Atmosphäre stören.

Im Abspann kann man an der langen Liste der Beteiligten erkennen, welchen Aufwand BEHEMOTH hier getrieben haben. Und der hat sich gelohnt. Die Band hat mit „In Absentia Dei“ gezeigt, wie man mit viel Kreativität und Einfallsreichtum ein Streaming-Konzert gestalten kann, das wirklich sehenswert ist und über die Spielzeit von zwei Stunden fesselt. Die dafür aufgerufenen 18 Euro sind ein fairer Preis, auch wenn das Fazit dennoch lautet, dass selbst ein gutes Online-Konzert nur ein schaler Ersatz für das analoge Erlebnis ist. Aber wenn, dann so!

Bands:
BEHEMOTH
Autor:
Sebastian Schilling

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