Interview


Pic: Jimmy Fontaine

Interview 12.07.2022, 11:19

BEARTOOTH - Der Weg zur Sonne

Die Post-Hardcore-Combo BEARTOOTH wird spätestens seit ihrer im vergangenen Jahr erschienenen Platte „Below“ als musikalische Hoffnung und „Band von morgen“ gehandelt. Das Baby von Frontmann, Multi-Instrumentalist, Komponist und Produzent Caleb Shomo ist mittlerweile im zehnten Jahr seines Bestehens angekommen und bringt mit ‘Riptide‘ heute eine brandneue Single an den Start. Wir schnappten uns Caleb für eine Bestandsaufnahme der aktuellen Gemütslage im Hause BEARTOOTH.

Zunächst einmal Glückwunsch zum zehnjährigen Bandjubiläum, Caleb!

»Yeah stimmt, das ist ziemlich verrückt. Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht.«

Fühlt sich diese Zahl denn besonders für dich an?

»Absolut! Zehn Jahre sind eine verdammte Dekade, das ist eine Menge Zeit. Im Sommer 2012 habe ich den ersten Song veröffentlicht und die Band angekündigt. Aber hey, ich bin zu allem bereit, gebt mir die nächsten zehn Jahre!«

Pünktlich dazu habt ihr mit ‘Riptide‘ heute eine neue Single veröffentlicht. Du bezeichnest den Song als neues Kapitel für die Band aber auch für dein Leben. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Song und seine Botschaft des Wandels?

»Scheiße, ich weiß es nicht (lacht). Er passt einfach zu dem, was momentan in meinem Leben abgeht. Zumindest ist es mir durch ihn so gut wie nur irgendwie möglich gelungen, über etwas zu sprechen, ohne die ganze Zeit unglaublich traurig und negativ zu sein. Für mich ist das ein ziemlicher Meilenstein. Offensichtlich klingt die Musik von BEARTOOTH auf die eine oder andere Art erhebend, aber die Themen, über die ich spreche, sind normalerweise ziemlich negativ. Deshalb habe ich versucht, einen Song zu schreiben, mit dem ich mich davon entferne und ein neues Kapitel im Leben aufschlage. Außerdem wollte ich musikalisch etwas Neues ausprobieren. Ich habe versucht, herauszufinden, was es bedeutet, einen Song zu schreiben, der Hoffnung mit sich bringt.«

‘Riptide‘ klingt auf jeden Fall auch weniger wütend und verzweifelt als „Below“.

»Yeah und außerdem: Es ist eine Single. Geben wir den Leuten etwas, das sie mitsingen können und das zugänglicher ist als das wirklich traurige Zeug.«

Gab es einen bestimmten Wendepunkt, an dem du gemerkt hast, etwas muss sich verändern?

»Wie die meisten anderen Menschen hatte ich durch Covid und die Lockdowns viel Zeit für mich, und konnte darüber nachdenken, wer ich bin, wer ich sein möchte und welche Entscheidungen ich getroffen habe. Dabei hatte ich mich einigem selbstverschuldeten Leid ausgesetzt. Also versuchte ich, seelisch gesünder zu leben und besser auf mich zu achten. Im Grunde ist genau das der Kern von BEARTOOTH. Zu versuchen, sich auf eine mentale Reise zu begeben und ehrlich darüber zu sprechen. Seit Beginn der Karriere der Band, war ich immer verdammt deprimiert, sobald es um ein neues Album ging. Es war immer eine kathartische und schmerzvolle Erfahrung, bei der ich diese dunklen Teile von mir selbst zum Vorschein brachte und versucht habe, darüber zu sprechen. Aber warum ist da so viel Schmerz und was könnte ich tun, um das in Ordnung zu bringen? Schlussendlich ist ‘Riptide‘ der erste Song von mir, in dem ich darüber spreche.«

Du sprichst bildlich davon, dass du die Metapher der reißenden Flut (dt. für ‘Riptide‘) lange romantisiert hast. Wie hat sich das für dich zum Ausdruck gebracht?

»Ich habe so viel Zeit damit verbracht, über das Negative zu sprechen, dass ich es in meinem Kopf möglicherweise romantisiert habe. Ich bekam das Gefühl, ohne diese Dinge nicht mehr zu wissen, wer ich bin, wie ich Kunst erschaffe und wie ich Musik mache. Ich habe den Schmerz immer als Krücke für mein Songwriting benutzt. Das Schreiben von „Below“ war in dieser Hinsicht besonders hart. Aber zu dieser Zeit musste ich da durch. Am Ende des Entstehungsprozesses von „Below“ habe ich mir gesagt: Ich möchte nie wieder etwas so Schmerzhaftes durchmachen müssen.«

Was kannst du uns nach dem derzeitigen Stand der Dinge zum nächsten BEARTOOTH-Album verraten, mit ‘Riptide‘ als Vorbote? Gibt es denn schon Pläne?

»(Lacht) Vielleicht. Ich weiß nicht, über was ich aktuell schon reden kann, aber es sollte weithin bekannt sein, dass ich immer schreibe. Also ja, ich arbeite an neuer Musik und ’Riptide‘ ist eine Möglichkeit, die Leute auf diese neue Phase einzustimmen. Wir haben nie einfach nur eine Single veröffentlicht, deshalb ist es interessant, die komplette Energie in einen Song zu stecken, in einen Augenblick. Aber so gebräuchlich das Single-Format mittlerweile auch geworden ist, ich liebe es immer noch, Alben aufzunehmen. Es ist also definitiv ein Album in Arbeit. Es wird aber noch etwas Zeit vergehen, bis es veröffentlicht wird.«

Du hast „Below“ seinerzeit komplett selbst geschrieben, eingespielt, aufgenommen, produziert, gemixt und gemastert. Fühlst du dich damit nach wie vor wohl und willst du diesen Weg in Zukunft weiter beschreiten?

»Absolut! Für ‘Riptide‘ habe ich so gearbeitet und auch für das neue Album wird es so ablaufen. Der Unterschied ist, dass ich alle Melodien und Texte für „Below“ während des Lockdowns bei mir zu Hause schrieb. Der Großteil der Musik für „Below“ entstand hingegen auf Tour, in verschiedenen Hotelzimmern und Garderoben. Für ‘Riptide‘ und all das andere Material, an dem ich arbeite, habe ich viel in Kalifornien geschrieben. Tatsächlich ziehe ich deshalb sogar nach Kalifornien. Ich mag die Atmosphäre dort und bin bereit für einen Lebenswandel. Nach Covid möchte ich nicht mehr in Ohio leben. Dadurch, dass es in Kalifornien etwas heller und wärmer ist und dort tatsächlich die Sonne scheint, wird die Stimmung ganz gut eingefangen, die ich vermitteln will. Das Album ist offensichtlich noch nicht fertig, deshalb weiß ich noch nicht, ob sich wirklich niemand sonst am Songwriting beteiligen wird. Bei ‘Riptide‘ und „Below“ hat mir lediglich unser Bassist Oshie etwas unter die Arme gegriffen. Wahrscheinlich wird er das auch auf dem kompletten neuen Album machen. Er ist ein großartiger Produzent und ein tolles zweites Paar Ohren für mich.«


www.beartoothband.com

www.facebook.com/BEARTOOTHband

Bands:
BEARTOOTH
Autor:
Simon Bauer

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