Schwatzkasten

Schwatzkasten 18.04.2007

AXEL RUDI PELL - ...AXEL RUDI PELL

Seit unzähligen Jahren macht der Bochumer Gitarrist mit seiner Band besonders alle Hausfrauen glücklich, doch das ist jetzt vorbei, denn AXEL RUDI PELL wird diese mit wilden Geschichten über Drogen, blasende Frösche und seine Vergangenheit als krawallbereiter Jugendlicher schockieren. Und dann ist da ja auch noch die Sache mit seinem Job im Pornoladen...

Axel, wann wurdest du geboren und wo bist du aufgewachsen?

»Ich wurde am 27.6.1960 in Bochum geboren und bin dort, im Zentrum des Ruhrpotts, auch aufgewachsen. Bis 1975 wohnten wir in einer raueren Gegend im Bochumer Norden. Da gab´s öfter mal was auf die Glocke. Ich habe mich dann aber einer Jugendheim-Gang angeschlossen, die dann auch ziemlich ausgeteilt hat. Ich hatte damals sogar ab und zu eine Fahrradkette um den Gürtel geschnallt, hahaha! Obwohl ich diese Zeit nicht missen möchte und auch viel über das Leben an sich gelernt habe, bin ich doch froh, später die Fahrradkette gegen die Gitarre eingetauscht zu haben.«

Warst du in der Schule eher ein Unruhestifter oder ein stiller und guter Schüler?

»Bis zum 14. Lebensjahr war ich ein guter Schüler, dann fing der Spaß aber richtig an. Auf dem Gymnasium musste ich zweimal die 9. Klasse durchlaufen, dann meinte mein Klassenlehrer, dass er und seine Kollegen es sich zwar nicht vorstellen könnten, ohne mich auszukommen, sie genau das aber ab dem nächsten Tag versuchen werden. Irgendwie waren die Meinungen zu unterschiedlich. Was hat mich Latein interessiert, wenn man abends Bandprobe hatte? Ich bin dann auf die Realschule gewechselt, wo wir auch jede Menge Spaß hatten, aber alles irgendwie gesitteter und harmloser ablief. Dort habe ich nach der zehnten Klasse meinen Abschluss mit Qualifikation fürs Gymnasium geschafft, aber darauf hatte ich dann wirklich keine Lust mehr.«

Wie verlief dein beruflicher Werdegang, bevor du hauptberuflich Musiker wurdest?

»Nach der Schule ging es direkt in die dreijährige Ausbildung zum Industriekaufmann. Danach habe ich ein paar Jahre in dem Job gearbeitet, bevor ich einen Lehrgang zum Organisationsprogrammierer erfolgreich abgebrochen habe und knapp zwei Jahre im Rahmen einer ABM-Maßnahme in der Stadtbücherei beschäftigt war. In den späten 80ern war ich Fotoredakteur beim Metal Hammer, und Götz hat dann ja die tolle Story verbreitet, dass ich früher in einem Pornoladen gearbeitet hätte, was natürlich nicht stimmte. Aber gut vorstellen konnte ich mir das als Marktschreier schon in so einem Laden: „Heute im Angebot: 2 Kilo Fickhefte für nur 13,98!“ Hahaha!«

Wann und wie hast du dein Interesse an der Musik und am Gitarrespielen für dich entdeckt?

»Bis zu meinem 10. Lebensjahr interessierte ich mich für deutschen Schlager. Circa 1971 habe ich dann Deep Purple im Fernsehen gesehen und wusste sofort, dass ich später einmal hauptberuflich Gitarrist werden wollte. So wie Herr Blackmore damals, schwarz gekleidet und die Axt schwingend im Trockeneisnebel!«

Welche Interessen hast du neben der Musik?

»Formel Eins! Schade, dass Schumi nicht mehr dabei ist, aber Ferrari werde ich trotzdem weiter favorisieren. Früher bin ich regelmäßig Kart gefahren, seit ein paar Jahren mache ich das aber nur noch sporadisch. Ansonsten hocke ich in meiner raren Freizeit viel vor dem Computer und sammle Live-Bootlegs meiner Lieblingsbands auf DVD und CD. Weitere richtige Interessen außerhalb der Musik gibt es aber eigentlich nicht, wenn man mal die regelmäßigen Treffen mit Freunden beim Griechen außen vor lässt.«

Was ist in deinen Augen schwierig am Musiker-Dasein?

»Kommt drauf an, in welcher Phase man sich gerade befindet. Im Anfangsstadium ist es sehr schwer, sich zu entscheiden, ob man wirklich den Sprung als Profi-Musiker ins kalte Wasser mit all den Haien wagen soll. Denn es könnten Zeiten kommen, in denen man nicht mehr weiß, wovon man die nächste Pizza oder das Benzin bezahlen soll. Wenn man später erfolgreicher wird, ist natürlich vieles einfacher. Generell gesehen sind die Finanzen das Schwierigste am Dasein als Musiker, weil man nie weiß, wie lange der Erfolg anhält.«

Bist du eher Optimist oder Schwarzseher?

»Auf jeden Fall Optimist! Es gibt aber durchaus Situationen, Momente und Entscheidungen, die ich vom Gefühl her als schwarz voraussehen kann und dann vermeide.«

Bist du religiös?

»Kommt drauf an, aus welchem Winkel man das betrachtet. In die Kirche gehe ich nie, trotzdem glaube ich an eine höhere Kraft, die unser Leben regelt. Meiner Meinung nach ist eh vorherbestimmt, was auf der Welt und mit einem selbst passiert. Jedes einzelne Schicksal ist schon längst geschrieben und besiegelt.«

Wovor hast du Angst?

»Ich leide ein bisschen an Platzangst und etwas stärker an Höhenangst. Ab dem zweiten Stock wird es für mich schwierig, nach unten zu gucken; komischerweise habe ich im Flieger aber keine Probleme, und auch das Wohnen in der 53. Etage eines Hotels in New York macht mir nichts aus. Abgesehen davon sehe ich die große Gefahr, dass es in nicht all zu ferner Zukunft auf unserer Erde mal wieder richtig scheppern wird. Ich glaube, es war Einstein, der mal sagte: Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der nächste Krieg ausgetragen wird, aber der übernächste definitiv wieder mit Keulen.«

Welches war der peinlichste Moment in deinem Leben?

»Eigentlich gibt es keinen wirklich peinlichen Moment, an den ich mich spontan erinnern könnte. Höchstens vielleicht die Tatsache, dass ich mal bei irgendeinem Auftritt die Gitarrenriffs des ersten Songs komplett vergessen habe.«

Kannst du eine genießbare Mahlzeit zubereiten oder rufst du lieber das Pizzataxi?

»Das Gröbste kann ich schon zubereiten, aber manchmal bin ich sehr faul. Nach einem stressigen Tag auch noch selbst zu kochen - nein danke! Dann lieber Pizzataxi. Geht zwar auf Dauer tierisch ins Geld und ist auch nicht so gesund, aber ich bin ein richtiger Junkfood-Fan. Hätte ich die Wahl zwischen Currywurst mit Pommes oder „in Buttermandelsauce geschwenktem, leicht gedünstetem Froschfotzenfilet mit einem Hauch von mediterran zubereitetem Salat der Saison, serviert mit geraspelten Kartoffelblättern in einem Schnittlauchmantel“, würde ich definitiv die „Asi-Schale“ bevorzugen. Leider sieht man das auch manchmal an meinem Gewicht, wenn aus Zeitgründen kein Sport möglich ist.«

Welches ist dein Lieblingswitz?

»Kommt eine Frau an einem Zooladen vorbei und sieht ein Schild im Fenster: Verkaufe Frosch, der blasen kann. Also geht sie in den Laden, weil sie sich denkt: Den kaufe ich, dann muss ich nicht mehr bei meinem Mann ran. Zuhause angekommen schenkt sie ihrem Ehepartner das Tier und erwähnt auch seine besondere Begabung. Gegen zwei Uhr nachts wird sie plötzlich von einem lauten Gepolter in der Küche wach und geht runter, um nachzusehen. Ihr Mann steht mit dem Frosch in der Küche, hantierend mit allerlei Töpfen, Geschirr und einem aufgeschlagenen Kochbuch. Da fragt sie: Was macht ihr zwei denn so spät noch in der Küche? Darauf antwortet der Mann: Sobald er kochen kann, fliegst du hier raus!«

Was sind deine Stärken und Schwächen?

»Zuerst die Schwächen: Wenn es nicht so drauf ankommt, gehört sicherlich Unpünktlichkeit dazu. Außerdem sage ich jedem meine Meinung, egal ob sie gut oder schlecht ist. Das kann man aber je nach Blickwinkel sowohl als Schwäche als auch als Stärke deuten. Eine weitere Schwäche ist das Rauchen. Ich kann und will auch gar nicht davon loskommen. Ich freue mich schon, dass die Wirte hier in NRW und auch in Niedersachsen das Rauchverbot in Gaststätten umgehen können, indem sie Lokale als Raucherlokale kennzeichnen. Manchmal bin ich auch verbissen wie ein Terrier, wenn es um das Umsetzen und Gelingen gesteckter Ziele geht. Dann kenne ich auch keine Verwandten mehr, hahaha!

Zu meinen Stärken gehören sicherlich Ehrlichkeit und Treue. Ich halte mich gerade!«

Welche Musikstile lehnst du komplett ab?

»Im Grunde lehne ich überhaupt keine Musikstile ab, da ich sehr songorientiert bin. Wenn mir ein bestimmter Song aus irgendeinem Grund gefällt, ist es mir völlig wurscht, welcher Stil und von wem das ist. Allerdings sollte schon eine gewisse Melodie zu erkennen sein.«

Hat dich eine Frau schon mal vor die Wahl gestellt: die Musik oder ich?

»Nein, und wenn es so gewesen wäre, dann hätte sich die Frau für mich sowieso sofort erledigt!«

Mit welcher Person würdest du gerne mal übers Wochenende im Fahrstuhl eingekerkert sein?

»Wegen meiner Platzangst höchstens nur kurz mit dem Fahrstuhlmonteur. Ich bin schon zweimal im Aufzug steckengeblieben, und das war nicht wirklich schön.«

Was ist das Extravaganteste, das du dir je gekauft hast?

»Vielleicht meine schwarze Gibson Les Paul, da ich sonst nur Stratocaster spiele.«

Was würdest du tun, wenn du einen Tag lang unsichtbar wärst?

»Mich als „Gewissen“ vieler Politiker ausgeben, um denen mal die Meinung zu sagen, damit sich endlich mal etwas Positives tut! Und damit meine ich nicht nur die Politiker unseres Landes. Weg mit dem Hartz-IV-Scheiß; Arbeit und Kohle für alle, denn es ist genug da! Vor allem aber auch eine gerechtere Steuerpolitik, weil es nicht angehen kann, dass so viele Megaverdiener nur deshalb unser Land verlassen, weil unsere Steuerpolitik total versagt. Warum zahlt nicht jeder den gleichen Prozentsatz seines Einkommens an Steuern? Wenn da nicht bald was passiert, haben wir irgendwann Hartz VIII - doppelt pleite.«

Welches sind die drei peinlichsten Platten in deiner Sammlung?

»Für mich gibt es keine peinlichen Platten, denn aus irgendeinem Grund stehen sie ja in meinem Regal, also muss ich sie irgendwann mal cool gefunden haben. Und wenn doch ein paar meiner Scheiben in den Augen anderer peinlich sein sollten, stehe ich trotzdem dazu.«

Gab es mal eine Story oder eine Plattenkritik, die dich besonders geärgert hat?

»Generell finde ich Kritiken recht ärgerlich, bei denen der Rezensent die Scheibe offensichtlich gar nicht oder nur im Vorbeilaufen gehört hat. Dazu gehören auch Kommentare wie „der Pell macht jetzt schon zum x-ten Mal die gleiche Scheibe“. Geht´s noch? Sagt er das dann auch zu AC/DC? Wenn man dann nach konkreten Songbeispielen fragt, die fast identisch klingen sollen, werden diese Burschen dann sehr schnell wieder ganz leise. Es geht ja auch nicht darum, mit jeder Platte zu versuchen, die Musik neu zu erfinden! Eine Band und auch die Fans sollen doch froh sein, wenn man einen eigenen Stil gefunden hat, der Spaß macht und auch noch gut ankommt!

Sehr nervig sind auch Storys, die nicht den originalen Wortlaut des Interviewten wiedergeben. Ich habe mich schon öfter über Formulierungen gewundert, die ich so nie gesagt habe. Wenn ein Redakteur ein langes Interview aus Platzgründen kürzt und dadurch ein ganz anderer Wortlaut veröffentlicht wird, finde ich das sehr merkwürdig, unbefriedigend und komme mir verarscht vor.«

Sind oder waren deine Eltern stolz auf dich?

»Nach diversen, meist kohlebedingten Start-Schwierigkeiten waren sie sogar sehr stolz. Mein Vater hat es zum Beispiel geliebt, wenn ihn die Nachbarn mal wieder ansprachen, dass sein Sohn ja wieder „mit seiner Musik in der Zeitung steht“.«

Stell die ideale Band deiner Träume zusammen, tote Musiker inklusive.

»Meine eigenen Musiker mal ausgenommen, sehe ich folgendes Traum-Line-up: Ronnie James Dio (v.), Ritchie Blackmore (g.), Jon Lord (key.), Gary Thain (Ex-Uriah-Heep-Basser, R.I.P.) und Ian Paice (dr.). Und wenn ich für diese Band auch noch zwei Songs komponieren und das Album produzieren dürfte, wäre das der Hammer! Leider sieht die Realität anders aus...«

Wie steht´s mit deiner Kondition? Schaffst du eher 30 Bier am Abend oder einen 1.500-Meter-Lauf, ohne umzufallen?

»12 Bier und 4 Ouzo schaffe ich ebenso ohne Probleme wie einen 1.000-Meter-Lauf. Es kommt darauf an, zu welchem Zeitpunkt. Wenn ich voll im körperlichen Training stehe, würde ich sogar 1.500 Meter schaffen, aber momentan ist das Bier wahrscheinlicher, auch wenn ich 30 definitiv nicht mehr schaffe, hahaha!«

Als was würdest du gerne wiedergeboren werden?

»Ich glaube an Reinkarnation und hoffe deshalb, als Mensch wiedergeboren zu werden. Ich kann mich manchmal schwach daran erinnern, dass ich schon mal ein Hund war (und jetzt bitte keine Witze über das Schwanzwedeln!). Auch als edler Ritter im späten Mittelalter zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert habe ich schon gelebt. Ich besaß ein Schloss und eine große gefürchtete Garde. Das Schwert eines Abtrünnigen hat mich damals niedergestreckt.«

Hast du jemals Erfahrungen mit Drogen gemacht?

»Ganz früher in der vollpubertären Phase und auch noch etwas später haben wir so ziemlich alles ausprobiert, allerdings nie Heroin. Meinen letzten Joint habe ich 1998 geraucht, seitdem ist Schluss damit. Ich war damals nach einigen Jackies und Bieren total besoffen und habe mir mit dem Gras dann noch den Rest für die nächsten zwei Tage gegeben. Ich kann übrigens sagen, dass unsere gesamte Band absolut drogenfrei ist, und das soll auch so bleiben.«

Welcher Song soll auf deiner Beerdigung laufen?

»Da ich mich nach dem Ableben wahrscheinlich verbrennen lasse, würde doch ´Burn´ von Deep Purple gut passen, oder?«

Welche Worte sollen auf deinem Grabstein stehen?

»Zwei Sätze: „Gone, but not forgotten“ und „Sometimes they come back“.«

Bands:
AXEL RUDI PELL
Autor:
Jenny Rönnebeck

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